Behandlung pflegebedürftiger Patienten

Alterszahnmedizin in der Praxis: So machen Sie sich fit!

Alterszahnmedizin ist eine Königsdisziplin – bei pflegebedürftigen Menschen muss nicht nur jeder Handgriff sitzen, sondern auch die allgemeinmedizinischen Risiken, die Kooperationsfähigkeit der Betroffenen selbst und die Wünsche Dritter (Betreuer, Angehöriger, Pflegekräfte) gilt es, angemessen zu berücksichtigen. Wo und wie kann man sich fitmachen für die Herausforderungen der Zukunft?

Mundgesundheit bei Pflegebedürftigkeit – eine Aufgabe für die Zukunft aus Ludwig E.: Zahn-, Mund- und Zahnersatzpflege in der Altenpflegeausbildung. Zeitschrift für Senioren-Zahnmedizin 2013;1:105–113.

Deutschland ist eine Gesellschaft des längeren Lebens. Da die Pflegequote mit zunehmendem Alter steigt, nimmt auch die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland stetig zu [Destatis, 2017].

Dabei haben immer mehr dieser immer älteren Menschen immer mehr eigene Zähne, technisch aufwendigen Zahnersatz oder Implantate. Bei pflegebedürftigen Menschen verschlechtert sich der Mundhygienestatus aufgrund eingeschränkt möglicher Hygienemaßnahmen, aufgrund des häufigen Konsums kariogener Speisen und nicht zuletzt auch wegen der vielen Medikamente, die den Speichelfluss reduzieren [Dohlus, 2011; Fitzpatrick, 2000; Nitschke, 2000; Nitschke, 2012].

Ohne Anleitung geht es nicht: Ob im Sitzen am Waschbecken oder notfalls am Bett. Die richtigen Pflegemittel mit der richtigen Köperhaltung – so lassen sich Aspiration vermeiden und der eigene Rücken schonen. | Ludwig, ganz-oben links aus Ludwig E. Alterszahnheilkunde – ein erfolgreiches Praxiskonzept. wissen kompakt 2016;10:159–172

Herausforderung Alterszahnmedizin

Die Ergebnisse der fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) belegen: 1997 waren 22,6 Prozent der jungen Senioren zahnlos – 2016 nur noch 12,4 Prozent. Pflegebedürftige ältere Senioren haben mehr Karies und Zahnfleischbluten und sie nehmen den Zahnarzt seltener kontrollorientiert in Anspruch [IDZ, 2016].

Beläge und Entzündungen in der Mundhöhle beeinträchtigen die Lebensqualität nicht nur im Sinne von Schmerzen und Mundgeruch, sondern zum Beispiel auch durch ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen [Müller, 2017]. In Pflegeeinrichtungen sind Lungenentzündungen mit 13 bis 48 Prozent die zweithäufigste Infektionserkrankung, mit 8,8 bis 28 Prozent die häufigste Todesursache und der häufigste Grund für eine Krankenhauseinweisung [El-Solh, 2011; Kreissl, 2008]. Insgesamt weisen Parodontitis-Patienten ein über fünffach erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen auf [Awano, 2008]. Die wechselseitige Beeinflussung von Parodontitis und Diabetes sowie mit kardio- und zerebrovaskulären Störungen ist inzwischen ebenfalls gut belegt [Deschner, 2018; Dörfer, 2007; Tonetti, 2007; Taylor, 2008].

„Zähne waren meiner Mutter immer wichtig!“ Äußerungen wie diese (von Angehörigen) belegen zudem das verstärkte Verlangen nach einer bedarfsgerechten Zahn- beziehungsweise Mund- und Zahnersatzpflege sowie nach einer verstärkten zahnmedizinischen Betreuung.

Wichtige Weichen sind bereits gestellt

Immobilität, eine eingeschränkte Kooperationsfähigkeit sowie die reduzierte Selbststeuerung der Zahn-, Mund- und Zahnersatzpflege stellen eine Herausforderung für professionell Pflegende, pflegende Angehörige und das zahnärztliche Team dar. Da bei multimorbiden Menschen die invasive und aufwendige Sanierung – gegebenenfalls sogar in Narkose – immer mit großen Risiken auch für die Allgemeingesundheit verbunden ist, sollten präventive Maßnahmen, wie sie von der Zahnärzteschaft bereits im Juni 2010 im Konzept „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“ [BZÄK/KZBV/DGAZ/BDO, 2010] vorgestellt wurden, im Fokus stehen.

Barrierefreiheit ist viel mehr als ein schwellenloser Zugang zur Praxis – für den Zugang zur Praxis können Treppensteighilfen aber eine gute Idee sein. | Ludwig, mit freundlicher Genehmigung des Quintessenz-Verlags

Der Gesetzgeber hat in der Folge mit dem Versorgungsstrukturgesetz, dem Pflegeneuausrichtungsgesetz und aktuell dem Versorgungsstärkungsgesetz wichtige Weichen gestellt, damit die präventionsorientierte zahnärztliche Betreuung pflegebedürftiger Menschen gelingen kann. Und die Zahnärzteschaft entwickelt bereits seit 20 Jahren mithilfe der Erfahrungen engagierter Kolleginnen und Kollegen Konzepte aus der Praxis für die Praxis. Dabei steht neben der zahnärztlichen Betreuung und Versorgung mit Augenmaß, das heißt unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Umstände, die Stärkung der Nachsorgekompetenz im Mittelpunkt. Aufgrund der hochindividuellen und vielseitigen Versorgungssituation pflegebedürftiger Menschen mit Zähnen, technisch aufwendigem Zahnersatz beziehungsweise Implantaten müssen im Einzelfall die geeigneten Pflegemittel sowie ganz konkret auch die praktische Durchführung der Zahn-, Mund- und Zahnersatzpflege besprochen und angeleitet werden.

Auf der einen Seite geschieht dies für die Pflegekräfte im Rahmen einer zeitgemäßen Pflegeausbildung. Hier wirken die Deutsche Gesellschaft für AlterszahnMedizin (DGAZ e. V.) sowie die Bundeszahnärztekammer in der aktuell geplanten Novellierung der Pflegeausbildung mit und stellen bereits seit 2013 ein in der Zwischenzeit weiter überarbeitetes Konzept zur Verfügung [Ludwig, 2013]. 

Auf der anderen Seite muss sich auch die zahnärztliche Profession selbst weiter auf die besonderen Herausforderungen einstellen. Einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2005 zufolge gaben fünf Prozent der befragten Zahnärzte an, aufgrund der Belastung durch die Konfrontation mit dem Altern und dem Tod nicht in Pflegeeinrichtungen tätig werden zu wollen. Über 50 Prozent jedoch argumentierten mit den schwierigen Arbeitsbedingungen vor Ort [Nitschke, 2005]. 

Heute bieten die DGAZ, die Bundeszahnärztekammer, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung sowie die Zahnärztekammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen der Bundesländer in Deutschland zum Teil sehr umfangreiche Unterstützungsmöglichkeiten an (Eine Übersicht hierzu finden in der Online-Version des Artikels auf zm-online.de.).

Tipps für eine geräuscharme zahnärztliche Betreuung

Nachfolgend seien einige Punkte aufgeführt, deren Beachtung die Effizienz der zahnärztlichen Betreuung von Menschen mit Unterstützungsbedarf spürbar steigert und eine „geräuscharme“ Betreuung von Menschen mit Unterstützungsbedarf ermöglicht. Das Beste: Nicht nur Sie selbst profitieren davon, auch die Pflegekräfte, die gesetzlichen Betreuungspersonen, die Angehörigen und vor allem die pflegebedürftigen Menschen selbst werden es Ihnen danken.

  • Telefon: Schon beim ersten Kontakt Zeit sparen

Erfolgt in der Praxis ein Anruf mit einer Frage zu einer pflegebedürftigen Person, sollten lediglich kurz Name und Telefonnummer notiert und der zeitnahe Rückruf durch den Zahnarzt vereinbart werden. Ruft der Zahnarzt zurück, kann er schnell und zielgerichtet das Problem fokussieren und zur Abklärung der näheren Umstände einen Hausbesuch vereinbaren.

824582821577821578821579818994 823390 821581
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare