Zahnärzte-MVZ

Die Heuschrecken machen sich bereit, die Praxen zu fressen!

Die Zahnmedizin wird zum Markt gemacht und vom Kapital erobert. Deshalb appelliert die Interessengemeinschaft Zahnärztlicher Verbände Deutschland (IGZ) erneut und dringlicher denn je an die Politik: Schützen Sie die niedergelassenen Zahnärzte, die die Versorgung in der Fläche bis heute sicherstellen!

Dr./RO Eric Banthien ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Zahnärztlicher Verbände Deutschland (IGZ) und der KZV Hamburg. Privat

Die IGZ warnt seit Jahren vor den Bestrebungen von Politik und Krankenkassen, die Zahn-mediziner in Großstrukturen zusammenzufassen, um die Leistungen in der Zahnmedizin billiger einzukaufen. Den Einschätzungen von damals ist wenig hinzuzufügen. Nur dass die Bedingungen seither noch vorteilhafter geworden sind für Kapitalgesellschaften, durch das arztgleiche MVZ und die Möglichkeit, durch den Kauf einer noch so kleinen und vor allem fachfremden Klinik, zahnärztliche MVZ gründen zu können. Auch hat es sich gezeigt, dass die arztgruppengleichen MVZ keineswegs die Versorgung in der Fläche verbessern. 

Ganz im Gegenteil halten sie die nachwachsenden Zahnärztinnen und Zahnärzte davon ab, sich in ländlichen Gebieten niederzulassen. Die Verlockung ist einfach zu groß, angestellt in bester innerstädtischer Lage ohne großen eigenen Organisationsaufwand und Kapitaleinsatz schnell gutes Geld zu verdienen. Und es muss konstatiert werden, dass sie nun da sind, die Kapitalgesellschaften. Nicht nur Klinikkonzerne gründen Medizinische Versorgungszentren, sondern reine Geldanlage-Fonds. Sie sind angekommen in Deutschland, die Heuschrecken, und machen sich bereit, die Praxen zu fressen. 

KZBV-Vorsitzender Dr. Wolfgang Eßer

„Wir müssen diesen Ausverkauf stoppen!“

Die fast 600 Zahnärzte-MVZ, die es mittlerweile in Deutschland gibt, finden sich vorwiegend in Großstädten, Ballungsräumen und einkommensstarken ländlichen Gebieten – also gerade dort, wo schon heute Überversorgung herrscht. Zur Sicherstellung der Versorgung in strukturschwachen Räumen leisten sie nichts. Im Gegenteil: In der Zahnmedizin wirken arztgruppengleiche MVZ wie Katalysatoren für Unterversorgung. Wer also hofft, diese Geschäftemacher brächten Kapital in den Gesundheitsmarkt ein, um die Versorgung zu verbessern, irrt sich gewaltig. Nein, ihr Ziel sind hohe und risikoarme Renditen. Punkt. Ein Hedgefonds aus Bahrain hat in Deutschland offenkundig keine Versorgungsziele! 

Dr. Wolfgang Eßer | KZBV

Die zahnmedizinische Versorgung der über 70 Millionen GKV-Versicherten droht damit zum Spielball von Spekulanten zu werden. Die Zerstörung bewährter Versorgungstrukturen wird dabei billigend in Kauf genommen und einer industrialisierten Zahnmedizin der Weg bereitet, während derweil wenige Zahnärztinnen und Zahnärzte alles dafür tun, um die – sonst abgehängten – Patienten auf dem Land zu betreuen. 

Wir mobilisieren gegen diese verheerende Entwicklung bereits von Beginn an: Seit Ende 2015 übermittelt die KZBV dem Bundesgesundheitsministerium jedes Vierteljahr die neuesten MVZ-Zahlen – mit all unseren Analysen, Bedenken und Lösungsansätzen. 

Bisher ohne große Resonanz.

Ich persönlich bin aber unter keinen Umständen bereit, eine solche eklatante Fehlentwicklung hinzunehmen. Wir müssen diesen Ausverkauf stoppen! Es geht um nichts weniger als um die Sicherstellung der flächendeckenden wohnortnahen zahnärztlichen Versorgung und um den Erhalt der Freiberuflichkeit! Zusammen mit meinen Vorstandskollegen und allen konstruktiven Kräften des Berufsstandes werde ich dafür sorgen, dass die Politik unseren Weckruf hört und handelt – so lange es noch nicht zu spät ist.

Deshalb appelliert die IGZ erneut und dringlicher denn je an die Politik: Schützen Sie die niedergelassenen Zahnärzte, die die Versorgung in der Fläche bis heute sicherstellen! Beraten Sie gemeinsam mit den zahnärztlichen Verbänden und Körperschaften über Wege aus dieser selbstgestellten Falle. Zum Beispiel den Irrweg des arztgruppengleichen MVZ zumindest in der Zahnmedizin wieder aufzugeben, oder die Berechtigung zur Gründung eines zahnärztlichen MVZ daran zu knüpfen, dass der Gründer selbst zahnärztlich ausgebildet und tätig ist, so dass eine reine Kapitalgesellschaft nicht zahnärztliche MVZ gründen kann!

Dr./RO Eric Banthien ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Zahnärztlicher Verbände Deutschland (IGZ) und der KZV Hamburg.

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