Kommunikation mit Angstpatienten

Betreiben Sie Humor-Prophylaxe!

Dass Johann Wolfgang von Goethe und Sigmund Freud Dentalphobiker waren, lässt sich noch gut mit den damaligen Methoden der Zahnbehandlung erklären. Jahrzehnte später hat das Thema jedoch nicht an Aktualität verloren. Stellen Sie sich also den Angstpatienten!

adobeStock - franckreporter

Eine Studie der ERGO Versicherungsgruppe AG legt nahe, dass nur etwa 40 Prozent der Patienten gar keine Angst vor dem Zahnarzt haben. Die Ursachen der Dentalphobie sind vielfältig. Das häusliche Umfeld, die Karies- und Baktus-Monster sowie die vielen Zahnarzt-Anekdoten, Lehrfilme und gut gemeinten Ratschläge von besorgten Angehörigen oder Freunden tragen sicherlich dazu bei. Aber auch der eine oder andere Zahnarzt selbst wird seinen Anteil an Zahngesundheitsprokrastination haben. 

Wenn der nervus olfactorius Desinfektionsgerüche direkt in den Hirnstamm weiterleitet, das Schmerzgedächtnis zuschlägt oder man ergeben seinen Mund öffnet und sich dabei fühlt wie ein Hund, der zum Zeichen seiner Unterlegenheit die Kehle hinhält, ist es endgültig vorbei mit dem Mut und den guten Vorsätzen. Im schlimmsten Fall sagen Angstpatienten Termine kurzfristig ab oder lassen Sie unabgemeldet sitzen. Dann haben der Patient und Sie nichts gekonnt. 

„Hurra, ein Problem-Patient!“

Für Sie muss es jetzt heißen „Hurra, ein Problem-Patient!“ – anstatt dass Sie innerlich die Augen verdrehen, wenn mal wieder eine „Zitterpalme“ vor Ihnen steht.

Durch den Journalisten und Vorreiter der Gelotologie (der Wissenschaft der Auswirkungen des Lachens) Norman Cousins, der 1976 in seiner Publikation „Anatomy of an Illness“ beschrieb, wie er seine Erkrankung an der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) mittels Vitamin C und regelmäßigem Lachen erfolgreich therapierte, kam die Humorforschung so richtig in Fahrt. Was damals im Selbstversuch erfolgreich war, ist heute immer besser untersucht. Eine Hypothese ist, dass eine humorvolle Einstellung und Lachen endogene Opioide freisetzt. Auf jeden Fall verschiebt Humor die Schmerzschwelle [Zweyer K, 2004; Martin RA, 2004].

Dabei ist es in erster Linie wichtig, Patienten und ihre Sorgen ernst zu nehmen und sie nicht mit „Sie müssen keine Angst haben“ abzutun. Denn die Angst ist nun mal da und damit sollte auch umgegangen werden.

Betreiben Sie also Humor-Prophylaxe und vergessen Sie die Nachsorge nicht, also freundliche Begrüßungen und ablenkende Worte. Auch die Mundpropaganda nach einem Zahnarztbesuch können Sie positiv unterstützen: „Dr. Meier hat jetzt den Zahnsteinentferner 3.000, tut nicht weh und hilft trotzdem!“

Die aktive Aufforderung im Wartezimmer, dass Begleitpersonen (Hinweis: maximale Traglast des Zahnarztstuhls sind 160 kg), mp3-Player und die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson selbst auf dem Behandlungsstuhl erwünscht sind, kann Patienten ermuntern, offener über ihre Ängste zu sprechen. 

Die größten Ängste beim Zahnarzt lösen wohl der Bohrer und die Spritze aus. In einer Studie zur Nocebo-induzierten Hyperalgesie [Burghardt S, Koranyi S, Magnucki G, Strauss B, Rosendahl J, 2018] konnte gezeigt werden, welchen Einfluss allein die Wortwahl bei der Ankündigung einer schmerzhaften Maßnahme hat. 

Beispiel:

„Wir werden Ihnen jetzt eine Lokalanästhesie geben, die den Bereich taub macht, wo wir die Epidural-Spinal-Anästhesie durchführen, damit es für Sie angenehm ist.“ 

Oder: 

„Sie werden jetzt einen Stich und ein Brennen am Rücken spüren, als hätte Sie eine Biene gestochen, das ist der schlimmste Teil der ganzen Prozedur.“

Der empfundene Schmerz war bei dem zweiten Text signifikant stärker (Median der Schmerzintensität 3 versus 5 auf einer elfstufigen Skala).

Neben der richtigen Ankündigung von schmerzhaften Behandlungsschritten ist der Taschendieb-Trick eine mögliche Variante. Salopp formuliert: kräftig ablenken und gekonnt zustechen. Kennen Sie den Geräusch-Generator oder die sogenannte Soundmaschine? Diese handlichen Geräte sind für ein paar Euro im Internet erhältlich. Mit diesem kleinen Spielzeug können Sie in Zukunft Ihre Patienten auffordern, die Behandlung mit einem Klatschen, dem Zerbrechen von Glas oder einer startenden Rakete zu kommentieren und ihnen so die Möglichkeit einer Rückmeldung geben. Bei offenem Mund ist ein Dialog schließlich auf Dauer eintönig.

Schmerz – eine Frage der Einstellung 

Wird das Geräusch „Trommelwirbel“ mit dem Pups verwechselt, kann es die Situation aufheitern und entspannen. Vor allem aber lenkt es ab. Denn so wie ein Fakir auf dem Nagelbrett Haltung bewahrt, ist das Empfinden von Schmerzen auch eine Frage der Einstellung und Ablenkung. Der Humor kommt dann in einer stabilen Beziehung von alleine. Die Grundlagen müssen Sie schaffen.

Die Initiative „Arzt mit Humor“ fördert wertschätzenden Humor bei Ärzten und Pflegekräften aller Fachrichtungen. www.arztmithumor.de 

Die Kommunikation mit Angstpatienten, Kindern oder schwierigen Mitarbeitern ist nicht immer einfach. Humor kann dabei helfen, schwierige Situationen zu entspannen. Doch Vorsicht: Humor ist nicht Humor!

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