Fortbildung Kieferorthopädie

Lückenschluss nach KFO-Behandlung

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Fallbeschreibung

Im folgenden Fall werden die wichtigen Schritte eines Lückenschlusses mit Komposit nach einer KFO-Behandlung einer Patientin im Alter von 29 Jahren beschrieben. Sie stellte sich mit der Bitte um eine Füllungskorrektur der Zähne 13 und 23 nach einer KFO-Behandlung vor (Abbildungen 4 bis 7). Die Patientin leidet unter Oligodontie, mit fehlender Anlage der Zähne 12, 22, 25, 37, 41, 45 und 47. Eine Oligodontie hat erhebliche funktionelle Auswirkungen im Mund und psychosoziale Auswirkungen auf die Lebensqualität. Die Behandlung von Oligodontie bei Erwachsenen bedarf eines interdisziplinären Managements, die eine KFO-Behandlung in Kombination mit restaurativen Methoden beinhaltet. 

Abbildung 8: Erster Behandlungstermin: Bleichen der Zähne 13 und 23 | Olga Polydorou

Abbildung 9: Zweiter Behandlungstermin: Lückenschluss 11–21, Verbreiterung der Zähne 11 und 21 distal, Umformung 13 und 23 zu seitlichen Schneidezähnen und von 14 und 24 zu Eckzähnen | Olga Polydorou

Abbildung 10: Zweiter Termin, OK rechts | Olga Polydorou

Abbildung 11: Zweiter Termin, OK links | Olga Polydorou

Abbildung 12: Dritter Behandlungstermin, OK links: Aufbau des Milchzahns 64 mit Komposit | Olga Polydorou

Abbildung 13: Dritter Termin, UK: Umformung der Zähne 32, 31, 42 | Olga Polydorou

Im vorliegenden Patientenfall hat bei der KFO-Behandlung eine Mesialisierung der Zähne stattgefunden, um die durch die fehlenden Zähne existierenden Lücken zu schließen. Dadurch sollte eine ästhetische Verbesserung der Frontzahnsituation gewährleistet und eine normale Funktion im Seitenzahnbereich ermöglicht werden. Sie war bezüglich möglicher Therapien sehr gut informiert und wünschte sich eine definitive Versorgung, war sich aber nicht sicher, ob eine minimalinvasive Therapie mit Komposit oder eine prothetische Versorgung besser sei. Die Patientin war sehr motiviert und hatte eine sehr gute Mundhygiene.

  • Behandlungsplan: Die Patientin entschied sich für eine minimalinvasive Therapie mit Komposit. Sie wurde über die Limitationen bezüglich der Ästhetik aufgrund der besonderen Morphologie und Breite der Eckzähne aufgeklärt. Um ein harmonisches Ergebnis zu erhalten, wurde folgender Behandlungsplan gestellt:

- Bleichen der Zähne 13 und 23 

- Lückenschluss zwischen 11 und 21 

- Verbreiterung der Zähne 11 und 21 distal, um bessere Proportionen zu erhalten und somit eine Verbreiterung der 13 und 23 zu umgehen,

- Umformung der Zähne 13 und 23 zu seitlichen Schneidezähnen,

- Umformung der Zähne 14 und 24 zu Eckzähnen,

- Umformung des Milchzahns 65 (Erhaltung des Milchzahns bis zum Bedarf für weitere Behandlung),

- Umformung der Frontzähne im UK (31, 32, 42).

  • Behandlungsablauf

Am ersten Termin wurden die Zähne 13 und 23 gebleicht (Abbildung 8), um den Farbunterschied zu 11 und 21 zu minimieren (2x20min mit Opalescence Boost 40 Prozent H2O2; Utradent Products, USA). Zwei Wochen nach dem Bleichen wurden der Lückenschluss und die Umformung der Zähne 11, 21, 13, 23, 14, 24 durchgeführt (Abbildungen 9 bis 11). Beim nächsten Termin wurden die Umformung des Milchzahns 65 (Abbildung 12) und der Lückenschluss / die Umformung im UK (Abbildung 13) durchgeführt. Es folgte ein Politurtermin (Abbildung 14) und ein Recall-Termin zur Kontrolle nach sechs Monaten wurde vereinbart (Abbildung 15). 

  • Zusammenfassend: Checkliste

x enge Kooperation der beteiligten Fachdisziplinen bei der Behandlungsplanung,

x Beratung der Patienten bezüglich der ästhetischen Ergebnisse nach der KFO-Behandlung,

x Beratung über die faziale Ästhetik vor und nach der KFO (vor der Entbänderung),

x Aufklärung über die Kosten der ästhetischen Maßnahmen und Methoden-/Materialauswahl,

x Lückenverteilung rechtzeitig planen,

x Zahnproportionen beachten,

x Gingivaverlauf überprüfen,

x Okklusionseinstellung nach dem Lückenschluss,

x Retainer nach dem Lückenschluss,

x Kontrolle und Politur in einer weiteren Sitzung,

x jährliche Recall-Termine.

So wird der Lückenschluss ein Erfolg

Um einen erfolgreichen und ästhetischen Lückenschluss zu realisieren sind viele verschiedene Schritte zu beachten: 

  • Interdisziplinäres Management der Therapie: Eine gemeinsame Behandlungsplanung der beteiligten Disziplinen für eine ästhetische Versorgung von Patienten mit Lücken im Frontzahnbereich ist erforderlich (Kieferorthopädie und Zahnerhaltung oder Prothetik). Eine Extrusion oder Intrusion der Zähne ist eventuell notwendig, um durch die Umformung eines Zahnes einen anderen fehlenden Zahn zu kaschieren (bei Rollentausch der Zähne). Eine erst spätere Abstimmung kann zu einer zeitlichen Verzögerung der Behandlung führen. 
  • Eine korrekte Positionierung der Zähne innerhalb der Lücke kann die ästhetischen Ergebnisse beeinflussen. Die Versorgung von mehreren kleinen Lücken ist für die Ästhetik und den langjährigen Erfolg der Restauration im Vergleich zur Behandlung einer großen Lücke vorteilhaft. Eine gezielte Planung der Positionierung der Zähne innerhalb der Lücken zu Beginn der KFO-Therapie kann die häufig auftretende Notwendigkeit einer erneuten Bewegung der Zähne vermeiden, die danach oft nicht mehr einfach oder sogar unmöglich wäre. Ein Lückenschluss kann eventuell auch vor oder während der KFO-Therapie notwendig werden.
  • Eine kompetente Beratung der Patienten am Anfang der Behandlung in Bezug auf die nach der KFO-Behandlung entstehenden Lücken ist erforderlich. Die Hauptziele, Prioritäten und Limitationen der geplanten KFO-Behandlung sollten mit dem Patienten am Anfang besprochen werden, da die Ausgangssituation die ästhetischen Ergebnisse beeinflussen kann. Eine Aufklärung über die für den ästhetischen Lückenschluss entstehenden zusätzlichen Kosten ist sinnvoll. 
  • Nach dem Ende der KFO-Behandlung und vor der Entbänderung ist insbesondere bei Jugendlichen eine erneute Beratung sinnvoll, da sich durch das Wachstum sowohl die faziale Ästhetik als auch die Ansprüche des Patienten geändert haben können. Die behandelten Zähne können nach dem Lückenschluss kürzer wirken und die Gesichter werden häufig als „weicher“ oder „wenig streng“ gesehen. Mögliche „kurzzeitige“ Änderungen in der Phonetik sollten den Patienten mitgeteilt werden, besonders weil dies für bestimmte Berufsgruppen sehr entscheidend sein kann.
  • Die ästhetischen Erwartungen der Patienten sollten für die Methoden- und Materialauswahl berücksichtigt werden.
  • Nach dem Ende der KFO-Behandlung sollte eine detaillierte ästhetische Analyse der Situation, bezogen auf die morphologischen und die strukturellen Merkmale der Zähne, der Zahnform, der Gesichtsform und natürlich der Zahnfarbe, durchgeführt werden. In Bezug auf die Farbe ist neben der Bestimmung der Hauptfarben die Erhebung weiterer Parameter (Analyse der transluzenten, opaken Areale, des Dentinmamelons, der Sichtbarkeit eines Halo-Effekts) bezüglich der Charakterisierung des zu behandelnden Zahnes von großer Wichtigkeit für den Erfolg der Restauration. Die sorgfältige und korrekte Farbanalyse führt zu einer „Individualisierung“ des Zahnes und zu einem natürlichen Ergebnis. 

Wichtige Aspekte für eine natürlich wirkende dentale Komposition können wie folgt beschrieben werden:

- gesundes Parodont mit geschlossenen Interdentalräumen,

- gutes Verhältnis der Zahnproportionen und Symmetrie,

- Beachtung von Zahngrundformen und -merkmalen,

- Inzisalkantenverlauf, Lachlinie und interinzisale Dreiecke.

Genau dieselben Merkmale, die man bei jeder ästhetisch anspruchsvollen Frontzahnfüllung in Betracht ziehen muss, werden auch bei einem Lückenschluss benötigt. 

  • Der Gingivaverlauf sollte bei der Behandlungsplanung des Lückenschlusses berücksichtigt beziehungsweise vor der Umformung der Zähne oder des Lückenschlusses angepasst werden.
  •  „Kombi“-Behandlungstermin: Wenn möglich, ist ein Kombitermin der beiden involvierten Fachdisziplinen im Fall einer direkten Versorgung der Lücke von Vorteil. Erst einmal findet die Entbänderung statt, dann folgt der Lückenschluss der Zähne und danach wird die Endsituation abgeformt, um so schnell wie möglich die „Retainer“-Phase zu ermöglichen. Wichtige Voraussetzung für einen Kombi-Termin ist die gute Compliance des Patienten und – noch wichtiger – eine gesunde Gingiva. In jedem anderem Fall wird eine Schiene als Retainer vorgefertigt, bis die Mundhygiene des Patienten entsprechend verbessert wurde. Dann erst kann die endgültige Versorgung stattfinden. 
  • Eine laborgefertigte Schablone für ein „Mock-up“ kann zusätzlich zur besseren Visualisierung des Behandlungsergebnisses verwendet werden, stellt aber keine notwendige Voraussetzung für den Behandlungserfolg dar. 
  • Die gezielte Okklusion nach dem Lückenschluss sollte vor der Behandlung in Betracht gezogen werden.
  • Kontrolle und Politur in einer weiteren Sitzung sind sinnvoll für die Stabilität der ästhetischen Ergebnisse.
  • Eine jährliche Kontrolle der Situation bezüglich Funktion und Ästhetik ist sinnvoll. Ein Rezidiv der Situation kann stattfinden, besonders bei Fraktur der Retainer oder bei dem Verlust und der erneuten Klebung des Retainers in einer falschen Position.

Abbildung 14: Endsituation | Olga Polydorou

Abbildung 15: Kontrolltermin, sechs Monate nach der Behandlung | Olga Polydorou

Fazit: Ästhetisch, langlebig und erfolgreich

Für einen erfolgreichen Lückenschluss sind drei Kriterien zu beachten [Willhite, 2005]: eine Charakterisierung der Oberfläche des Zahnes mit natürlichen Konturen, eine vollständig geschlossene Gingivaform und ein glatter subgingivaler Rand. Für einen erfahrenen Behandler, geübt in den benötigten Techniken in Kombination mit geeigneten Materialien, ist es möglich, ästhetische und langlebige direkte Kompositrestaurationen anzufertigen.

Prof. Dr. Olga Polydorou
Leiterin des Bereichs Restaurative und Präventive Zahnheilkunde,
Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie
Universitätsklinikum FreiburgHugstetter Str. 55
79106 Freiburgolga.
polydorou@uniklinik-freiburg.de

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