Jahrestagung von DGZ, DGKiZ und AG ZMB in Dortmund

Junge Zähne erhalten bei Pulpa aperta, Trauma und MIH

Endodontie und Traumatologie bei Milch- und unreifen bleibenden Zähnen – das war das zentrale Thema der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaften für Zahnerhaltung (DGZ) und Kinderzahnheilkunde (DGKiZ) vom 27. bis zum 29. September in Dortmund. Ein Einblick in die Themen mit Fokus auf Schlussfolgerungen für die tägliche Praxis.

Gemeinschaftsprojekt: Die Präsidenten Prof. Dr. Matthias Hannig (DGZ), Prof. Dr. Norbert Krämer (DGKiZ) und Prof. Andreas Schulte (Vorsitzender AG ZMG, von rechts) DGZ

Neben deutschen Referenten präsentierten auch internationale Experten den Stand von Wissenschaft und Praxis. So gilt es für Prof. Dr. Monty Duggal (Singapur) bei jedem Traumapatienten zunächst einmal Ruhe zu bewahren und biologisch zu denken: Was ist mit der Pulpa passiert, was mit dem parodontalen Ligament? Bei Wurzelfrakturen im apikalen Drittel überlebt die Pulpa fast immer [Welbury et al., 2002]. Im gingivalen Drittel sinkt die Quote nach zwei Jahren auf nur noch 40 Prozent, abhängig auch vom Entwicklungsstadium des Zahns.

„Denken Sie biologisch“ – was genau ist passiert?

Nach Duggal, der lange an der renommierten Abteilung für Kinderzahnheilkunde der Universität Leeds (England) lehrte, wird ein horizontaler Frakturspalt in vielen Fällen bindegewebig oder knöchern überbrückt. Das apikale Fragment kann bei fehlender Verbindung zur Mundhöhle in situ verbleiben, bei Vitalitätsverlust im koronalen Fragment wird die apikale Öffnung mit MTA verschlossen und die Wurzel mit Standardmethoden gefüllt (20 bis 44 Prozent der Fälle). Eine zeitnahe endodontische Behandlung verbessert die Prognose.

„Kalziumhydroxid ist für Apexifikationen nicht mehr indiziert“: Dr. Monty Duggal erklärte aktuelle Therapiekonzepte für traumatisierte bleibende Zähne bei jungen Patienten. | DGZ

Um Frakturen zu identifizieren, empfiehlt Duggal, zwei um 15 Grad versetzte Zahnfilme aufzunehmen. Bei positivem Befund sollte die Krone durch Beschleifen aus der Funktion genommen und für vier Wochen mit einer Schiene immobilisiert werden, wobei die Schiene eine physiologische Zahnbeweglichkeit gewährleisten soll. Vorsicht bei erhöhter apikaler Transluzenz auf dem Zahnfilm: Diese könne heilungsbedingt und damit vorübergehend sein. Wichtig sei neben dem zeitnahen das längerfristige Monitoring.

Lateral luxierte bleibende Zähne können häufig unter Lokalanästhesie reponiert und dann geschient werden. Ist die Apexifikation bereits abgeschlossen, werden die Zähne meist avital. Bei kombinierter Dislokation und Fraktur gilt das nach Untersuchungen an der Universität Kopenhagen für 95 Prozent aller Zähne [Andreasen et al., 2007]. Wird das Wurzelzement beschädigt, kommt es zu Resorptionen. 

Intrudierte bleibende Zähne haben in Bezug auf die Vitalität eine schlechte Prognose, bei abgeschlossenem Wurzelwachstum gibt es keine Chance. Bei Bedarf sollte laut Duggal immer versucht werden, diese orthodontisch oder chirurgisch zu extrudieren [British Society of Paediatric Dentistry, 2012; Nazzal et al., 2014]. Auf diese Weise ließen sich auch bei schlechter dentaler Langzeitprognose der Alveolarknochen und das zugehörige Weichgewebe für spätere Implantationen erhalten.

Mehrere Referenten wiesen in Dortmund auf ein systematisches Review aus Duggals Arbeitsgruppe hin, demzufolge eine längerfristige Kalziumhydroxid-Einlage bei Apexifikationen die Frakturgefahr unreifer Zähne erhöht [Duggal et al., 2017]. Stattdessen sollte – analog zum Vorgehen bei avitalen koronalen Wurzelfragmenten – eine Woche mit Kalziumhydroxid desinfiziert und dann ein apikaler MTA-Verschluss mit konventioneller Wurzelfüllung erfolgen. Regenerative Techniken zur Wiederbesiedlung mit Pulpagewebe sind nach derselben Publikation aktuell nur in Ausnahmefällen indiziert [Duggal et al., 2017].

Schwere Intrusion von zwei bleibenden Oberkieferfrontzähnen: Diese müssen schnellstmöglich aus dem Knochen bewegt und geschient werden. | Richard Steffen

Dasselbe Kind zehn Tage nach dem Unfall: Die Weichgewebe sind weitgehend abgeheilt, die endodontische und restaurative Behandlung steht noch aus. | Richard Steffen

 

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