Interview mit ERO-Präsident Dr. Michael Frank

„Ich möchte politisch neue Wege beschreiten“

Dr. Michael Frank, Präsident der Zahnärztekammer Hessen und Mitglied im Vorstand der BZÄK, ist der neue Präsident der Europäischen Regionalorganisation (ERO) im Weltzahnärzteverband FDI. Er möchte nicht nur die ERO selbst, sondern auch die Rolle der deutschen Vertreter im Gefüge von ERO und FDI politisch weiter stärken. Ziel ist die Sicherung der Freiberuflichkeit und der freiberuflichen Selbstverwaltung.

Mit der Amtsübergabe von Dr. Anna Lella (Polen) an Dr. Michael Frank steht nun ein deutscher Zahnarzt der Europäischen Regionalorganisation (ERO) des Weltzahnärzteverbandes FDI vor. zm/pr

Herr Dr. Frank, Sie stehen seit Ende April der ERO vor: Welchen Einfluss hat die ERO auf die Politik der FDI?

Dr. Michael Frank: Die ERO ist einer der am besten organisierten Regionalverbände der FDI. Dies gibt uns die Gelegenheit, aktiv die europäischen Forderungen und Erfahrungen in unseren Weltverband zu tragen. Dadurch gelingt es uns, unseren Ideen auch weltweit Gehör zu verschaffen. Schlussendlich aber trifft die FDI immer gemeinschaftliche Entscheidungen, in die alle Regionen eingebunden sind und die natürlich demokratischen Entscheidungsmechanismen unterliegen.

Die ERO besteht derzeit aus 37 europäischen Ländern und hat sich zum Ziel gesetzt, die zahnärztlichen Organisationen aus allen 53 Ländern, die zur Europa-Region der WHO gezählt werden, einzubinden. Wo liegen die Herausforderungen angesichts der doch sehr heterogenen Mitgliederstruktur?

Durch die breitere Mitgliedsbasis bei der ERO bestehen Chancen zum gegenseitigen Austausch und Lernen über die Grenzen der EU hinaus. Das damit verbundene politische Gewicht ist ja offensichtlich. Dies bringt zwar auch zahlreiche Herausforderungen mit sich, die ich allerdings sehr gerne annehme. Ich will helfen, dieses große Gewicht der ERO aktiv in den Dienst der Zahnärzteschaft in Europa und weltweit zu stellen.

Vollversammlung in Frankfurt am Main

Herausforderungen gibt es ausreichend: So stehen hinter den einzelnen Mitgliedsorganisationen nicht nur unterschiedliche Gesundheitssysteme. Diese sind zum Beispiel durch divergierende Ausstattungs- und Behandlungsmöglichkeiten in den Praxen oder unterschiedliche Honorarsysteme geprägt. Hier trotz aller Unterschiedlichkeit für Verständnis untereinander zu sorgen und gemeinsame Forderungen zu formulieren – darin sehe ich meine Hauptaufgabe.

Auch die Organisationsstrukturen sind zum Teil völlig unterschiedlich. Denken Sie nur an solche Länder, aus denen wir Kammern als Mitglieder haben, während aus anderen Ländern Verbände unsere Mitglieder sind. Auch hier will ich helfen, diesen Spagat im Sinne unserer Kolleginnen und Kollegen zu nutzen.

Welche Schwerpunkte setzen Sie als neuer Präsident in der nächsten Legislaturperiode, also welche aktuellen Themen sehen Sie als vordringlich an?

Einige meiner Schwerpunkte werden sicherlich die Förderung des internationalen Erfahrungs- und Ideenaustauschs innerhalb der ERO, die Förderung und Bewahrung der freiberuflichen Strukturen, die Eröffnung und Förderung von Fortbildungsmöglichkeiten und die Stärkung der ERO-Interessen in der FDI sein.

Darüber hinaus möchte ich politisch auch neue Wege beschreiten, etwa durch eine engere Anbindung der ERO an das Regional-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Europa in Kopenhagen. Die WHO ist mit ihren sechs Regionalbüros ähnlich strukturiert wie die ERO. Dies würde einerseits die ERO, aber auch die Rolle der deutschen Vertreter im Gefüge von ERO und FDI – vor allem auch politisch – weiter stärken und neue Einflussnahmemöglichkeiten sichern.

Als besonders vordringliches Thema sehe ich die Sicherung unseres Leitmotivs der Freiberuflichkeit und der Selbstverwaltung an. Weitere Themen sind aus meiner Sicht die Schaffung von Qualitätsstandards für die Aus- und Weiterbildung in der Zahnmedizin, die Nachwuchsgewinnung für die internationale Standespolitik und die verstärkte Einflussnahme auf die internationale Gesundheitspolitik. So hatte die Bundeszahnärztekammer anlässlich der letztjährigen FDI-Konferenz in Buenos Aires eine Resolution erarbeitet und zur Abstimmung gebracht, mit der wir – aus unserer Sicht – wichtige Themen wie den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen, die Bekämpfung von Fluchtursachen sowie mangelhafte Ernährung am Ende erfolgreich auf die Tagesordnung der G20-Gesundheitsministerkonferenz dieses Jahr in Japan setzen konnten.

Diese Aufgaben sind umfassend und erfordern mein und unser ganzes Engagement. Aber ich denke, dass ich mit meinen breiten nationalen und internationalen Erfahrungen hier wichtige Impulse geben kann.

Welche Schnittmengen und welche Unterschiede gibt es zum Council of European Dentists (CED) und wo sehen Sie künftige Aufgaben?

Zunächst sind ERO und CED auf unterschiedlichen Ebenen tätig: Das CED ist eine klassische europäische Interessenvertretung im Rahmen der EU-Gesetzgebung. Die ERO beschäftigt sich als Teil der FDI primär mit Themen mit weltweitem Anspruch. Dennoch ist natürlich die gemeinsame Schnittmenge an Themen unübersehbar.

Dies betrifft nicht nur die bereits erwähnte Überschneidung bei den jeweiligen Mitgliedsorganisationen. Auch bei den fachlichen Themen gibt es deutliche Überschneidungen. Dazu gehören sicherlich die Bewahrung freiberuflicher Werte, die Sicherstellung einer hohen Ausbildungsqualität und die Stärkung der zahnmedizinischen Fortbildung und Forschung. Oder denken Sie an die Amalgam-Diskussion. Hier möchte ich dazu beitragen, den gegenseitigen Nutzen der Arbeit zu fördern und perspektivisch Synergien zu schaffen.

Welchen Stellenwert hat die deutsche Delegation innerhalb der ERO und wie binden Sie deutsche standespolitische Interessen in die ERO ein?

Auch wenn man sich selber nicht zu wichtig nehmen darf, ist die deutsche Delegation aus BZÄK, KZBV und FVDZ sicherlich ein angesehener und vielseitig engagierter Teil der ERO-Familie. Wir bringen uns mit Sachverstand, umfassender Erfahrung und Herzblut aktiv in die Arbeit der verschiedenen Fachausschüsse und in die ERO-Generalversammlung ein. Zudem suchen wir immer die intensive Absprache mit anderen nationalen Delegationen. Nur so lassen sich gute Ergebnisse im Sinne unserer Kolleginnen und Kollegen erzielen. Dies ist letztlich auch die Rechtfertigung für unser standespolitisches Engagement in ERO und FDI.

Warum ist die Arbeit der ERO auch für den deutschen Zahnarzt im Praxisalltag wichtig?

Die ERO-Fachausschüsse beobachten und begleiten kritisch die größeren politischen Entwicklungen im Gesundheitssektor und speziell im Berufsstand. Sie analysieren diese und erarbeiten praxistaugliche Informationen. Zudem beziehen sie Stellung und leisten einen wichtigen Beitrag zur internationalen Vernetzung in einer zunehmend globalisierten Welt. Voneinander lernen ist hier das Stichwort. Dies ist sowohl für den Praxisalltag wie in der Standespolitik sehr wichtig.

Auch der deutsche Praxisalltag kann nicht mehr isoliert betrachtet, sondern muss im größeren Kontext gesehen werden. Viele neue Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen können nur in der Gemeinschaft gelöst werden. Und genau hier leistet die ERO einen wichtigen Beitrag, da sie aktuelle und dringliche Themen mit dem fachlichen Sachverstand und der standespolitischen Expertise ihrer Mitglieder bearbeitet und so wichtige Hilfestellungen für die Zahnärzteschaft leistet.

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