Charité-Chef Einhäupl zur Digitalisierung

Wie digital ist eigentlich die Charité?

Über Chancen und Risiken der Digitalisierung im Allgemeinen ist schon viel gesprochen worden. Wie aber sieht es ganz konkret mit der „Digitalisierungsrealität“ an einer der renommiertesten deutschen Kliniken aus? Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité, in einem Vortrag in der Berliner Urania am 28. Mai über gelebten Datenschutz, versuchten Datenklau und per Hand ausgefüllte Anamnesebögen.

Charité-Chef Prof. Dr. Karl Max Einhäupl Charité

Titel des Vortrags: „Der informierte Patient und die Digitalisierung der Medizin. Von den neuen Möglichkeiten in der Medizin, über Datenschutzprobleme bis zu den gesellschaftlichen Notwendigkeiten“. Der Einblick in die „Digitalisierungsrealität“, den Einhäupl in seinem ungefähr einstündigen Vortrag bot, fiel reichlich ernüchternd aus. Doch er betonte auch das immense Potenzial.

15 Mitarbeiter allein für die Folgenabschätzung

Grundsätzlich stelle der Datenschutz die Akteure im Gesundheitswesen vor immense Herausforderungen. So hat die Charité nach Einhäupls Angaben allein 15 Mitarbeiter eingestellt, die sich ausschließlich um die Folgenabschätzung der Datenverarbeitung kümmern, wie sie die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung vorschreibt. Wer hat Zugriff auf die Daten der rund 700.000 Patienten, die in der traditionsreichen Klinik jährlich behandelt werden? Was passiert bei einem unerlaubten Zugriff? In der täglichen IT-Realität gehe es ganz konkret um solche Fragen. Medizinische Daten verdienten nun mal besondere Aufmerksamkeit. „Datenschutz ist wichtig und richtig. Aber er macht auch viel Arbeit und ist nicht umsonst zu haben“, betonte der Charité-Chef.

Datenschutz ist nicht umsonst zu haben.

Einhäupl verwies beim Thema Datenschutz auch darauf, dass es in seinem Haus kein medizinisches Gerät gebe, das nicht ferngewartet wird – wodurch die Risiken offenbar würden: Die neuen Technologien seien anfällig für Manipulationen, die Dritte widerrechtlich vornehmen könnten, woraus sich für den Betreiber eine hohe Verantwortung für die „richtige“ Handhabung dieser Geräte ergebe.
Zudem: Das Hacking von IT-Systemen und -daten mache weder vor dem deutschen Bundestag noch vor Kliniken Halt. Allein 7.000 Hackerangriffe zählte die Charité bislang auf ihre IT-Umgebung, so Einhäupl. Sicherheit sei ein täglich immer wieder neu zu erkämpfender Zustand. „Kaum haben Sie eine aktuelle Schutzvariante und ein Abwehrsystem entwickelt, kommt schon eine neue Bedrohung.“
Alle Bemühungen, medizinische Daten einerseits transparent für den Patienten und andererseits unantastbar für unbefugte Dritte zu gestalten, seien eine Herkulesaufgabe. „Es wird niemals möglich sein, eine 100-prozentige Sicherheit herzustellen.“
Einhäupl räumte ein, dass Deutschland bei der Digitalisierung im Allgemeinen und explizit im Gesundheitswesen viel Zeit vergeudet habe. „Dies ist auch nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre aufzuholen.“ Selbst in der Charité würden die Anamnesen noch von der Hand geschrieben und die Patientenakten auf Papier geführt. Seine Klinik sei weit entfernt davon, bei der Administration „auf der digitalen Schiene zu fahren“.

 

7.000 Hackerangriffe auf die IT der Charité

Daher komme es nicht von ungefähr, dass Deutschland in puncto Digitalisierung bei internationalen Rankings stets auf den hinteren Plätzen landet. Und es sei richtig, dass etwa Litauen in vielerlei Hinsicht weiter ist als Deutschland. „Aber man muss sich fragen, zu welchem Preis?“ In Deutschland genieße der Datenschutz eben einen sehr hohen Stellenwert.
Dabei sei Digitalisierung weit mehr als die Einführung einer Gesundheitskarte, die automatische Abrechnung oder das W-LAN im Krankenhaus. Einhäupl: „Es geht weniger um administrative Erleichterungen oder patientenorientierte Annehmlichkeiten. Es geht vielmehr darum, dass Digitalisierung helfen kann, medizinische Probleme zu lösen!“

Klar kann die Digitalisierung helfen, medizinische Probleme zu lösen.

Was Medizintechnik und Fortschritte in der Therapie betrifft, habe man bereits viel getan und hier böten sich viele weitere existenziell wichtige Felder an – etwa in der Genomforschung. Durch die Nutzung von großen Datenmengen könne man hier viel schneller und leichter zu wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen gelangen, die beispielsweise Mukoviszidose- oder Brustkrebspatienten helfen könnten. „Das ist die positive Seite der Digitalisierung“, so Einhäupl. „Bei der Erforschung von Krankheiten kann sie viele unersetzliche Dienste leisten, die dem Patienten nutzen.“

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