Die zm-Kolumne rund um die relevanten Praxisfragen

Die heutige Personalnot ist nur ein kleiner Vorbote

Was tun bei Personalmangel? Praxisberater Christian Henrici stellt dazu vier Thesen auf.

Henrici hilft - der Praxisflüsterer nosorogua martialred-Fotolia

E-Mail an Henrici | Privat

Die Aufforderung zum „Blick in die Zukunft“ nehme ich sehr gern an. Wie immer werde ich meine Antwort im Hinblick auf meine Zahnärzte formulieren.
Herleiten möchte ich sie aus der Historie. Im 20sten Jahrhundert gab es in mehreren westlichen Ländern geburtenstarke Jahrgänge, die sogenannten Babyboomer. Darunter die geburtenstärksten Jahrgänge waren in den USA wie auch in Deutschland die Generation, die in den Jahren von 1955 bis 1965 das Licht der Welt erblickte, in Deutschland waren es grob die Jahre 1957 bis 1967. In dieser Zeit lag die Geburtenziffer (Anzahl der Kinder einer Frau im Laufe ihres Lebens) bei circa 2,4 Kindern (Europa: 2,5). Danach sackt – wie der Grafik zu entnehmen ist – die Neugeborenenrate bis zum Jahr 1975 auf fast die Hälfte herab und bleibt ab hier auf einem schwachen Niveau (Geburtenziffer: circa 1,4) konstant.
Das Rückgrat unserer Volkswirtschaft basiert somit in den vergangenen drei Jahrzehnten wesentlich auf den Jahrgängen von 1955 bis 1965. Nun gehen volkswirtschaftliche Kalkulationen grundsätzlich davon aus, dass bis zu einem Alter von 65 Jahren gearbeitet wird. Ich mutmaße jedoch, dass die besagten Jahrgänge – die sich übrigens sehr verdient gemacht haben um unseren Wohlstand – nicht bereit sein werden, bis zu einem Alter von 65 Jahren am Arbeitsmarkt aktiv zu bleiben, und es in Regel auch nicht mehr müssen. Denn: „Das Haus ist abbezahlt, die Kinder stehen auf eigenen Beinen …“ ist die gängige Formel der deutschen Mittelschicht ab Mitte 50.

Mit Blick auf das zukünftige Arbeitskräftepotenzial ist schon die Bevölkerungsentwicklung allein alarmierend, von der Qualifikation ganz zu schweigen. | Statistisches Bundesamt 

Ein Lebensnachmittag ohne Arbeit lockt

Mit der Erfahrung aus mehr als 2.600 umfassenden Mandaten in zehn Jahren beantwortet der Praxisexperte und Hauptgesellschafter der „OPTI health consulting GmbH“ Fragen von Mandanten und Lesern zum Unternehmen Zahnarztpraxis. Der Einblick in seinen „Praxis“- Alltag soll Lösungsansätze aufzeigen, um Problemen in der Praxis so früh wie möglich begegnen zu können. Oder besser – um diese gar nicht erst entstehen zu lassen. | [M] nosorogua/martialred-Fotolia.com/zm-mg

Ich habe einmal eine kleine Tabelle mit einer Prognose des Lebensarbeitszeitendes aus meiner Sicht (die sich mit einer ganzen Reihe von Sozialprognosen deckt) erstellt (rechte Seite). Diejenigen Jahrgänge, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr in dem jeweiligen Kalenderjahr arbeiten werden, sind rot unterlegt. Gelb sind die Jahrgänge gekennzeichnet, die wahrscheinlich nicht mehr arbeiten werden, und Grün sind die Jahrgänge markiert, die zu dem jeweiligen Zeitpunkt sicher noch arbeiten. Nicht farblich markiert sind diejenigen, die die sehr nahe Zukunft auf dem Arbeitsmarkt unsicher werden lassen. Bei diesen ist volkswirtschaftlich Folgendes zu erwarten: Wächst die Wirtschaft – ergo: es steigt der Volkswohlstand –, werden diese „Unmarkierten“ sich entscheiden, nicht mehr zu arbeiten, um die Früchte ihrer Arbeit zu genießen. Bekommt die Wirtschaft – aus welchen Gründen auch immer – einen „Dämpfer“, werden eben diese Jahrgänge versuchen in Lohn und Brot zu bleiben.

Pest oder Cholera könnte und muss man nun sagen: Es bleibt natürlich sehr zu hoffen, dass diese Jahrgänge sich in Frieden aus dem Arbeitsleben zurückziehen und ihren Lebensnachmittag genießen – gemessen an dem erwarteten Lebensalter kann man ja eigentlich nicht mehr von „Lebensabend“ sprechen!
 Diese Entwicklung bedeutet für die Zukunft des Arbeitsmarkts so viel, dass ich es gar nicht in einer Kolumne unterbringen kann. Deshalb an dieser Stelle vier Thesen, was diese Entwicklung meines Erachtens bewirken wird:

1. These
Die derzeitige Personalnot ist nicht mehr als ein kleiner Vorbote. Der Tsunami mit den hohen Abgängen beim Personal, aber eben auch bei den Praxisinhabern, wird ab den Jahren 2021 und 2022 hart einschlagen.

2. These
Der Kampf um den Nachwuchs wird für alle Arbeitgeber brutal. Jedoch sind andere Branchen bereits seit Jahren hochgerüstet auf der Jagd nach arbeitsfähigen Schulabsolventen.

3. These
Die Lage wird sich auf Generationen hinaus nicht wieder bessern. Im Gegenteil: Die Generationen ab 1970 haben weitere lebensarbeitszeitreduzierende Bedürfnisse.

4. These
Der Nummer-1-Grund für Praxisschließungen wird ab dem Jahr 2024 der Zustand „personallos“ sein.

Abwarten ist auch keine Lösung

So gesehen bleibt keine Zeit mehr, auf Besserung zu warten. Vielmehr muss bereits heute aktiv gegengesteuert werden. Was man tun kann werde ich in der nächsten Ausgabe beleuchten.

In diesem Sinne …
Ihr Christian Henrici

Henrici@opti-hc.de
www.opti-hc.de

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