Famulatur für „Zahnärzte helfen e.V.“

Peru ist mehr als die Fotowelt auf Instagram!

Frisch nach dem Examen stürzten sich Isabel Schneider und Lea Sophie Reyer in das Abenteuer „Zahnärztlicher Hilfseinsatz“ in Peru. Das Ziel ihrer Famulatur lag im Hochland der Anden, etwa eine Stunde entfernt von der Inka-Hochburg Machu Picchu. Hier ist ihr Bericht.

Lea Reyer beim Behandeln eines Kindes im Bergdorf Chupani, während die anderen Kinder gespannt zusehen. Cecilie Reckhorn, Corazones para Peru

Nach ungefähr 25 Stunden Reisezeit kamen wir mit großen Erwartungen, leicht mulmigem Gefühl und einer für alle Fälle gewappneten Reiseapotheke am Flughafen von Cusco, in der Sprache der Inka der „Nabel der Welt“, an. Nach weiteren eineinhalb Stunden Taxifahrt durch die traumhafte Landschaft erreichten wir Urubamba, ein kleines Städtchen im Heiligen Tal der Inka auf 2.900 Höhenmetern. Dies sollte für die nächsten Monate unser Zuhause sein. Dort bekam man alles, was man zum alltäglichen Leben braucht, und schnell kannte man die Mamitas auf dem Markt, die Bäckerin und die Frau in der Wäscherei.
Das Leben dort ist eine lebendige, quirlige und sich immer in Bewegung befindliche Mischung von Extremen: Die indigenen Bräuche mischen sich mit Technologien der Moderne ohne zu verblassen, auf dem Marktplatz vor der katholischen Kirche werden Schamanentinkturen verkauft und die Frau in Inkatracht bekreuzigt sich beim Einsteigen in den Bus. Auf den vielen Märkten gibt es unzählige Sorten an Obst und Gemüse, Fleisch, uns unbekannten Arten von Quinoa und Kartoffeln, Stoffe, Blumen, Kleidung, Küchenutensilien und Handys.

Hinten auf dem Pick-up mit Vollgas nach oben

Gut ausgestattet bei den Kampagnen | Lea Sophie Reyer

Gearbeitet haben wir für den Partnerverein von „Zahnärzte helfen e. V.“ in Peru, „Corazones para Peru“, dessen Schwerpunkt ein Kinderhilfsprojekt ist, zu dem unter anderem ein kleines Kinderdorf „Munaychay“ gehört. Dort werden Waisenkinder aus umliegenden Dörfern und Kinder aus Familien, in denen sich unzureichend um sie gekümmert wird, liebevoll umsorgt. Sie erhalten dort Schulbildung und ein neues Zuhause. Außerdem leistet die Organisation medizinische Unterstützung für die Landbevölkerung.

Zu diesem Zweck wird zum Beispiel eine feste Gesundheitsstation im Bergdorf Hullioc auf 3.700 Metern über dem Meeresspiegel betrieben, in der sich Untersuchungsräume für einen Allgemeinmediziner befinden, ein kleines mikrobiologisches Labor, eine Apotheke und ein gut ausgestattetes zahnmedizinisches Behandlungszimmer. Behandelt wird dort an zwei Tagen in der Woche, an denen die Bewohner der umliegenden Bergdörfer sich dort mit allen möglichen Beschwerden vorstellen können, zum Beispiel offenen Wunden, Blasenentzündung oder Zahnschmerzen.
Das Behandlungsspektrum reichte dort von Zahnreinigungen über Füllungen aus Glasionomerzement und Komposit bis zu einfachen Wurzelkanalbehandlungen und Extraktionen. Oft war die Kommunikation mit den Patienten schwierig, da sie häufig kein Spanisch, sondern die Inkasprache Quechua sprechen. Die Lebensweise in dieser Region ist ebenfalls noch sehr ursprünglich und traditionell, was man schon auf den ersten Blick an den bunten Trachten erkennen kann.
Diese Tage waren allein schon wegen der Fahrt dorthin ein Highlight, denn bei Sonne und Regen ging es auf der Ladefläche eines Pick-ups eine Stunde lang mit Vollgas die Schotterstraßen durch die atemberaubende Berglandschaft nach oben, die von steilen Feldern in den Hängen und Steinterrassen aus der Inkazeit geprägt ist. Dort werden zum Beispiel Mais und Kartoffeln angebaut, überall sieht man Pferde, Kühe, Schweine und Hühner.

Behandlungsraum im Bergdorf Racchi mit mobiler Einheit | Lea Sophie Reyer

Je nach Bedarf wurde an der mobilen Einheit behandelt oder auch auf einfache Gartenstühle ausgewichen. | Isabel Schneider

Zahnarztbesuch? Heute wird gefeiert! 

Isa beim Anästhesieren | Lea Sophie Reyer

Während der teilweise anstrengenden Arbeit gab es auch viele lustige Momente. Einmal wunderten wir uns zum Beispiel, dass noch keine Patienten zur Behandlung erschienen waren. Schnell stellten wir fest, dass der ganze Ort mit einer „Fiesta de los padres“ für die Eltern und Vorfahren beschäftigt war und deshalb keiner Zeit hatte, zum Zahnarzt zu kommen. Die Frauen trugen nagelneue Kleider in den buntesten Farben, die Männer hatten ausnahmslos ein Bier in der Hand. Das Fest selbst erinnerte ein wenig an unsere Schützenfeste: Das gesamte Dorf war auf den Beinen, es gab Maisbier – Chicha – und Unmengen an Süßigkeiten und Essen, kleine Stände mit Spielzeug und einen großen Platz, auf dem eine katholische Messe stattfand und Reden gehalten wurden.

Ein weiterer wichtiger Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Versorgung der Region war die Durchführung von Gesundheitskampagnen. Dafür wurden in benachbarten Orten mobile Behandlungseinheiten aufgebaut, mit denen man fast alle Therapien durchführen konnte. Wurzelkanalbehandlungen waren mangels Röntgen leider nicht möglich. Dies war vor allem bei jüngeren Patienten mit tief zerstörten Molaren sehr bedauernswert.
Daran, dass keine Absauganlage vorhanden war, gewöhnte man sich schneller als gedacht. Der Behandlungsraum war gleichzeitig das Wartezimmer, weshalb man immer von vielen Schaulustigen umringt war. Die Patienten waren sehr dankbar und geduldig – und umfassten das komplette Spektrum der dort lebenden peruanischen Bevölkerung; die ärmliche Verkäuferin vom Markt und ihre fünf Kinder, der Bauer, der vor der Tür seinen Esel anbindet, die Lehrerin, der Bürgermeister oder die indigene Inkafamilie in bunter Tracht.
Da wir auch viele Kinder behandelt haben, mussten wir leider feststellen, dass durch die sehr zuckerhaltige Ernährung und die mangelnde Aufklärung über Mundhygiene viele Milchgebisse schon sehr früh sehr desolat und zerstört waren. Wir haben mit viel Energie versucht, Eltern und Kinder für die Mundgesundheit zu sensibilisieren und Zusammenhänge zwischen Ernährung und Kariesentstehung aufzuzeigen. Durch die Arbeit im Hilfsprojekt konnten wir die peruanische Gesellschaft in ihrem Alltag viel besser kennenlernen als die Touristen mit ihren Stopps an den typischen Instagram-Fotopunkten.

 

 

Einfachste Lebensverhältnisse der Bergbevölkerung, wir zu Gast | Lea Sophie Reye

Mit dem Pick-Up zu den Einsatzorten | Cecilie Reckhorn, Corazones para Peru

Dr. Norbert Reiß mit Kindern aus dem abgelegenen Bergdorf Chupani | Axel Wilms 

Langsam erholten wir uns von unserem Uni-Trauma

Feste Behandlungsstation in der Posta de Salud im Bergdorf Huilloc | Lea Sophie Reyer

Auch beruflich haben wir unglaublich viel gelernt und fühlen uns jetzt besser auf den Praxisalltag der Assistenzzeit vorbereitet.
Langsam konnten wir uns vom Uni-Trauma erholen und hatten mehr und mehr das Gefühl, nicht ständig alles falsch zu machen, sondern wir hatten Erfolge, hatten Spaß an der Arbeit und fühlten uns in unserer Berufswahl bestätigt.
Und natürlich sind bei so einer Famulatur auch der ehrenamtliche Aspekt und die Dankbarkeit der Patienten bereichernd.
Es war die beste Entscheidung, diese Famulatur nach dem Examen zu machen – und wir können uns nur bei unseren Eltern bedanken, ohne die diese Reise nicht möglich gewesen wäre. Außerdem hat uns der Zahnmedizinische Austauschdienst ZAD bei der Planung der Famulatur unterstützt. Schließlich möchten wir uns bei Dr. Norbert Reiß, dem Vorsitzenden des Vereins „Zahnärzte helfen e. V.“ bedanken, der die gesamte Organisation des Projekts übernimmt, großartige Arbeit leistet und von dem man sich menschlich und beruflich einiges abschauen kann. Am Ende danken wir auch Henry Schein Dental Depot GmbH, Pluradent AG & Co KG und VOCO GmbH, die uns viele hilfreiche, direkt einsetzbare Sachspenden mitgegeben hatten.

Isabell Schneider aus Dillenburg, Hessen
(Famulatur 4. Januar bis 18. März 2019),
Lea Reyer aus Jork, Niedersachsen
(Famulatur 6. Februar bis 16. April 2019)

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