apoBank

Ein Geldhaus erfindet sich neu

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) ist im Umbruch: Mit diversen Aktivitäten im Non-Banking-Bereich betritt sie neues Terrain und geht über das reine Bankengeschäft hinaus. Anlageberatung, Kreditvergabe oder Investmentbanking als alleiniges Kerngeschäft sind passé. „Mehr als nur Bank“ wolle man zukünftig sein, so das erklärte Ziel des Vorstandsvorsitzenden Ulrich Sommer. Grund: Der Druck in der Bankenbranche erzwingt ein Umdenken. Kunden verlangen von einer Bank heutzutage mehr als Geldgeschäfte, so die Überzeugung der Düsseldorfer Bank.

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Die apoBank stellt sich breiter auf: Neben dem klassischen Bankgeschäft bietet sie verschiedene Zusatzservices im Gesundheitsmarkt an.  | AdobeStock/grajat

Die Bankenbranche befindet sich aktuell in einem enormen Veränderungsprozess: Die seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase lässt die Margen im herkömmlichen Bankenbereich sinken. Mit Kreditplanung und Mittelvergabe allein ist es heute nicht mehr getan. Zudem mischen Start-up-Banken den Markt auf, Kunden verlangen vermehrt digitale Services der Institute. Bei der letzten Vertreterversammlung der apoBank Ende Juni in Düsseldorf skizzierte der Vorstandsvorsitzende, Ulrich Sommer, die Situation wie folgt: „Wer morgen noch da sein will, muss sich heute neu definieren und einen individuellen Wettbewerbsvorteil für sein Haus entwickeln, der auch in Zukunft Bestand haben sollte“, sagte er mit Blick auf Banken-Startups wie etwa n26.

 

Wer morgen noch da sein will, muss sich heute neu definieren und einen individuellen Wettbewerbsvorteil für sein Haus entwickeln, der auch in Zukunft Bestand haben sollte.

Ulrich Sommer, Vorstandsvorsitzender der apoBank

Es gehe um die grundlegende Frage der Daseinsberechtigung für Banken. „Welchen Mehrwert bieten Banken ihren Kunden, wenn die Apples und Googles dieser Welt ganze Wertschöpfungsketten von Banken fast über Nacht für sich vereinnahmen?“, so Sommer. Für die apoBank bedeute dies, neben dem finanz- auch das gesundheitswirtschaftliche Know-how, das die Bank in den Jahrzehnten ihres Bestehens im Umgang mit Heilberuflern und deren Befindlichkeiten, Problemen und Anlegestrategien gewonnen hat, auszuspielen.

 

Druck in Bankenbranche erzwingt Umdenken

Sommer lässt keine Zweifel aufkommen, wohin die Reise geht: Die Bank wolle in Zukunft „ein deutlich zentralerer Gestalter im Ökosystem Gesundheitsmarkt“ werden. „Unser Anspruch war schon immer, echte Mehrwerte für unsere Kunden zu liefern“, so der Vorstandsvorsitzende gegenüber den zm. „Wir bleiben im Kern eine Bank und konzentrieren uns auch weiter auf unsere Stärken im klassischen Bankgeschäft“, beruhigt er. Da man aber nah am Heilberufler sei, wisse man, dass die meisten nah am Patienten agieren möchten. „Daher wollen wir Heilberuflern das anbieten, was sie benötigen, damit sie sich noch stärker auf ihre heilberufliche Tätigkeit fokussieren und die betriebswirtschaftlichen Komponenten ihrer Apotheke oder Praxis optimieren können. Das beginnt bei der Praxissuche oder der Praxissoftware bis hin zu Consultingleistungen, um die Prozessstrukturen in der Praxis zu optimieren.“

Im Prinzip geht es um nichts weniger als um eine strategische Neuausrichtung der Bank. Hieß es bislang „Von Heilberuflern für Heilberufler“ postulieren die Düsseldorfer rund zehn Jahre nach der Bankenkrise den weiter gefassten Claim „Wir ermöglichen Gesundheit“. Was darunter zu verstehen ist, wird deutlich, wenn man sich die Geschäftsfelder, auf die sich die Bank in den vergangenen Jahren ausgerichtet hat, vor Augen führt.
Das Engagement im digitalen Bereich gehört zu den augenscheinlichsten Erweiterungen des Geschäftsfeldes. Die Bank arbeitet daran, über digitale Plattformen einen Mehrwert für ihre bisherigen und zukünftigen Kunden zu bieten. Über verschiedene Services werden den Heilberuflern diverse Dienstleistungen abseits des Bankgeschäfts gemacht. So startete etwa im Juli dieses Jahres die Vermittlung von Fort- und Weiterbildungsaktivitäten für Heilberufler über die Plattform univiva, hierfür gründete die apoBank die naontek AG. Eine „Fortbildungsplattform“? Aus welchen Gründen begibt man sich als Bank auf einen Markt, auf dem es ohnehin viele Anbieter gibt? Sommer: „Der Markt ist sehr unübersichtlich. Die Plattform univiva sortiert die Angebote und schafft Transparenz. Es gibt bislang keinen, der in diesem Bereich eine B-2-B-Plattform wie die univiva-Plattform auf den Markt gebracht hat.“

Mehr Service abseits des klassischen Geschäfts

Nach den Vorstellungen der Bank sollen sich die digitalen Services der Bank zu einer Agentur entwickeln, die alle relevanten Produkte und Dienstleistungen für Heilberufler anbietet. Sommer spricht von einem „One-Stop-Shop“ für Dienstleistungen im Gesundheitsmarkt. Die Umsätze aus den Vermittlungsgebühren der über die Plattform abgewickelten Geschäfte sollen so quasi eine zweite strategische Säule neben dem Bankgeschäft darstellen.
Um diesem Ziel näher zu kommen, startete die Bank bereits 2018 den Thinktank „apoHealth“. Mithilfe von Instrumenten wie Marktforschung und Studien werden dort aktuelle Trends und Entwicklungen identifiziert, um schließlich digitale Services für Heilberufler anzubieten. So findet man auf der Homepage etwa verschiedene Filme, die digitale Lösungen und ihren Einsatz im Praxisalltag erklären. Beispiele: Was bietet die Terminvereinbarung online? Wie können die Dienstzeiten der Mitarbeiter mithilfe einer App koordiniert werden? Oder wie kann die Warenbeschaffung digital intelligenter gemanagt werden?
apoHealth präsentiert sich auch ganz konkret als Unterstützer auf dem Weg von (Zahn-)Medizinern in die digitale Welt. So finden Interessenten auf der Internetseite den Ratgeber „Digitalisierung in der Praxis – Tipps & Tricks für Ihren Arbeitsalltag“. Darin werden etwa die Themenfelder Praxishomepage, Arztbewertungsportale oder Online-Terminbuchungbehandelt. Zum Thema eigene Praxis-Webseite bietet apoHealth auch gleich einen Workshop an.

Das Institut als Vernetzungsakteur

Zudem versteht sich apoHealth als vielfacher Veranstalter: Wer auf das apoHealth-Portal schaut, findet eine ganze Reihe an Aktionen, die primär nichts mit der Bankenbranche zu tun haben. So lud etwa Anfang Februar dieses Jahres apoHealth zusammen mit dem Verein „Digitale Stadt Düsseldorf“ und dem „Düsseldorfer Forum für Gesundheitswirtschaft MED+“ zum sogenannten „Digitalk“ in die Zentrale der apoBank nach Düsseldorf ein. Fünf junge Health-Start-ups präsentierten dort ihre Ideen. Das Publikum – bestehend aus 100 Vertretern der Düsseldorfer Wirtschaft – entschied am Ende in einer Live-Abstimmung über die innovativste Idee. Wer möchte, kann sich auf der Internetseite von apoHealth ein Video darüber ansehen, Titel: „e-health: der medical start-up pitch“. „Wir wollen Vordenker und Umsetzer, Theoretiker und Praktiker zusammenbringen, digital und persönlich“, sagt Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik bei der apoBank und Initiator von apoHealth.
Ein weiterer Zusatzbereich stellt die Kooperation der apoBank mit der Zahnärztlichen Abrechnungsgenossenschaft (ZA eG) dar. Zusammen haben beide in der Ende 2018 gegründeten Tochtergesellschaft „Zahnpraxis der Zukunft“ (ZPdZ) ein Modell für eine Zahnarztpraxis entwickelt, in der junge Zahnärzte die Arbeit in der Selbstständigkeit ohne hohen Investitionsaufwand ausprobieren können: Hier können Zahnärzte als Mieter in einer komplett eingerichteten Praxis arbeiten, die ihr die apoBank und die ZA eG schlüsselfertig zur Verfügung stellen. Es besteht zusätzlich die Option, administrative Dienstleistungen wie etwa Abrechnung, Teamschulungen oder IT-Leistungen hinzuzukaufen. Ab Oktober praktizieren die ersten beiden Zahnärztinnen in Form einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) in der ersten ZPdZ-Praxis in Düsseldorf.

 Von Abrechnungswesen bis Zahnarztfortbildungen

Angesichts des Trends, dass jüngere Zahnärzte immer mehr in Verbünden arbeiten wollen, während es älteren Zahnmedizinern immer weniger gelingt, ihre Räumlichkeiten an den Nachwuchs zu veräußern, müsse man „Zahnpraxis neu denken“, so Zehnich.
Mit dem Zukauf von Dienstleistungen könnten etwa jüngere Zahnärzte, die bislang in Anstellung gearbeitet haben, sich mit ihrer Zulassung ganz auf die Arbeit am Patienten konzentrieren und die Administration einer Praxis auslagern. In dieser Testphase könnten sie in Ruhe überlegen, ob sie sich nicht doch niederlassen möchten. Auch hierbei unterstützt das Projekt, etwa in Form von Coaching in den Bereichen BWL oder Führungsstil.

Auch das Abrechnungswesen ist mittlerweile ein festes Standbein der Bank geworden. So ist sie etwa bei der Firmengruppe Dr. Güldener, einem der größten deutschen Abrechnungszentren, über die Schweizer Firma „Profi Erste“ zu 50 Prozent beteiligt. Zur Unternehmensgruppe Dr. Güldener gehören das Deutsche Zahnärztliche Rechenzentrum, das Apotheken- und Ärzte-Abrechnungszentrum sowie das Optica-Abrechnungszentrum. Das jährliche Abrechnungsvolumen liegt nach eigenen Angaben bei mehreren Milliarden Euro.

Nach Angaben des Apobank-Finanzberichts zur Jahresmitte 2019 hält das Institut schon bislang 38 Prozent an der „ARZ Haan AG“, 16 Prozent an dem zu Dr. Güldener gehörenden „DRZ Deutsches Zahnärztliches Rechenzentrum“ sowie 25 Prozent an der „ZA Zahnärztliche Abrechnungsgesellschaft Düsseldorf“.

Abschließend noch ein letztes Beispiel: Das Institut ist an der medisign GmbH Düsseldorf, (kurz „medisign“), zu 50 Prozent beteiligt, und dies schon seit 2004. Das Unternehmen ist Anbieter für elektronische Signaturkarten im Gesundheitswesen. Im Zuge der Einführung von diversen Zugangskarten im Bereich der Digitalisierung und der Telematik ist dieser Wirtschaftsbereich aktuell ganz besonders ausgeprägt. Die zweiten 50 Prozent von medisign hält das Unternehmen Deutsches Gesundheitsnetz.

Doch damit nicht genug: Angebote rund um die Praxisabgabe sollen etwa künftig unter dem Label „apoAbgabe+“ gebündelt werden, kündigte Sommer an.

„Wir festigen unser Alleinstellungsmerkmal“

Und wie schätzt man bei der Bank die Gefahr ein, durch die Zusatzservices das bisherige Alleinstellungsmerkmal für die Heilberufler zu verlieren und sich zu verzetteln? „Wir sind und bleiben ein Unternehmen im Gesundheitsmarkt“, so Sommer. „Die Zusatzservices sind alle auf die Bedürfnisse der Heilberufler fokussiert. Insofern wird sich unser Alleinstellungsmerkmal, also das Know-how und die Vernetzung im Gesundheitsmarkt, weiter festigen.“

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Barbara BumannSchöne neue Consulting-Welt
Da tut sich fürwahr eine Marktlücke auf, die die ApoBank erkannt hat und die ihr ein langfristiges Überleben am Markt sichern soll. Was inzwischen in den Berliner Ministerien schon länger üblich ist, nämlich dass man bei Überforderung und/oder
mangelnder
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Sachkenntnis Consultingfirmen zu Rate zieht, hält nun also auch in unseren Zahnarztpraxen Einzug. Die inzwischen hoch komplexen Verwaltungsaufgaben werden zukünftig delegiert, so dass man sich wieder ganz auf das "Wesentliche", nämlich in unserem Fall die praktische Behandlung am Patienten konzentrieren kann.
Ich bin sicher, die junge Generation an KollegInnen wird dieses Angebot gerne annehmen, nicht zuletzt deshalb, weil ihr die vielzitierte "Work-Life-Balance" wichtiger ist, als sich in Einzelpraxen, wie die meisten der heute älteren Kollegen, noch täglich heldenhaft und pflichtbewusst aufzureiben.
Leider werden die Jungen dafür nicht nur einen hohen finanziellen Preis zahlen müssen, sondern auch ihre Unabhängigkeit und Souveränität einbüßen. Schöne neue zukünftige Consulting-Welt: Man lässt sich seine Praxis (natürlich in bester Citylage) schlüsselfertig designen, komplett verwalten und am Ende eines erfolgreichen Arbeitslebens – hoffentlich gewinnbringend für einen auskömmlichen standesgemäßen Ruhestand – verkaufen.

Vor 1 Jahr 4 Monaten
1574917413
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