Zahnärztetag Mecklenburg-Vorpommern

Kariestherapie und Gesundheitspolitik

Rund 500 Zahnärzte und 200 ZFAs haben am 6. und 7. September in Warnemünde den Zahnärztetag der Kammer Mecklenburg-Vorpommern besucht. Präsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, betonte bei der Eröffnung die gute und langjährige Kooperation der Kammer mit der Mecklenburgischen Gesellschaft für Zahn, Mund- und Kieferheilkunde an den Universitäten Greifswald und Rostock. Dadurch seien Wissenschaft und zahnärztliche Praxisarbeit in Mecklenburg-Vorpommern „so eng miteinander verzahnt“.

Die Kammer müsse sich aktuell einigen großen gesundheitspolitischen Herausforderungen stellen, so Oesterreich. Als Beispiel nannte er etwa Investoren-betriebene MVZ, bei denen vorzugsweise Dritte von den Zahnarztleistungen profitierten und bei denen Profitinteressen und nicht das Patientenwohl im Vordergrund stünden. Er monierte, dass Zahnmedizin in der öffentlichen Wahrnehmung und auch in der gesundheitspolitischen Diskussion zu oft nur unter dem Gesichtspunkt der Kosten gesehen werde. Betont werden sollte aus seiner Sicht vielmehr, dass die gesamte zahnmedizinische Branche einen beträchtlichen ökonomischen Fingerabdruck hinterlasse. So würden jährlich durch die Dentalbranche 21,4 Milliarden Euro generiert.

Ein Jubiläum feierte in Warnemünde die „Mecklenburg-Vorpommersche Gesellschaft für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde an den Universitäten Greifswald und Rostock e. V.“ mit ihrer 70. Jahrestagung. Der Vorsitzende der Gesellschaft, PD Dr. Dieter Pahncke, wurde von Oesterreich zum Abschluss seiner erfolgreichen Tätigkeit für seine Verdienste geehrt. Zum Amtsende erhielt er die Ehrennadel der Bundeszahnärztekammer.

Im Fokus des wissenschaftlichen Tagungsbereichs standen die Kariesdiagnostik und -therapie. Prof. Hermann Lang führte in den Themenkomplex ein. Er verwies auf die immense Entwicklung in diesem Bereich in den vergangenen Jahren. Heute gelte die Maxime, bei der Beseitigung von Karies möglichst viel Pulpa zu schonen.

Diesen Paradigmenwechsel bestätigte Prof. Karl-Heinz-Kunzelmann in seinem Impulsreferat zur Historie der Kariesforschung und -behandlung: Bisher habe man bei der Karies beherzt die bestehenden Läsionen bekämpft, so führte er aus, selbst „wenn dabei die Pulpa in Mitleidenschaft gezogen“ wurde. Dem aktuellen Verständnis zufolge gilt Karies aber nicht länger als Infektionskrankheit, sondern vielmehr als Dysbiose, bei der in der Mundhöhle überwiegend schädliche Bakterien anzutreffen seien. Darum müsse man bei der Behandlung von Karies heutzutage viel schonender vorgehen.

sg

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