Minimierter Aufwand – hoher Nutzen: 44 praxisrelevante Beispiele

Frugale Methoden in der prothetischen Zahnmedizin

Die prothetische Zahnmedizin hält bereits seit Langem ein ganzes Arsenal frugaler Interventionen bereit, die von den Patienten in der Regel dankbar angenommen werden. Vor allem die korrekte Anwendung der Adhäsivtechnologie erlaubt in der Prothetik häufig schonendere und weniger aufwendige Lösungen als konventionelle Methoden, die oft mit dem invasiven Entfernen gesunder Zahnhartsubstanz verbunden sind – wie bei den klassischen Vollkronenpräparationen.

Abbildung 1: Lippenbild mit reparierter Verblendung an den Brückengliedern 12–21 Matthias Kern

Der folgende Beitrag stellt einige frugale prothetische Interventionen vor, die für den Patienten mit einer schonenden Behandlung, einem reduzierten Zeit- und Kostenaufwand und einer guten beziehungsweise sehr guten klinischen Bewährung verbunden sind. Einschränkend muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass sich bei GKV-Versicherten der geringere Kostenaufwand einer Methode nicht wirklich spürbar pekuniär vorteilhaft bemerkbar macht, wenn die angewandte Methode nicht Bestandteil der kassenzahnärztlichen Versorgung im Sinne der geltenden zahnärztlichen Richtlinien ist, und der Patient die Behandlung gegebenenfalls komplett privat bezahlen muss. Nach Ansicht der Autoren sollte darauf hingearbeitet werden, dass auch die frugalen Methoden in der prothetischen Zahnmedizin zumindest mittels Festkostenzuschuss bezuschusst werden. So sollte zum Beispiel der Patient auch bei der Anwendung von Seitenzahn-Adhäsivbrücken oder von Adhäsiv-attachments zur Verankerung von Teilprothesen den befundorientierten Festkostenzuschuss erhalten.

Die Reparatur von festsitzendem ZE

Ein kleines Beispiel für frugale prothetische Zahnmedizin ist die kostengünstige Reparatur von Verblendungsfrakturen (Chipping) an festsitzendem Zahnersatz mittels direkter Komposittechnik [Wolfart und Kern, 2000] oder – etwas aufwendiger, aber dafür stabiler und abrasionsfester – die Verwendung von keramischen Verblendschalen [Dimaczek et al., 2009]. In dem dargestellten Beispiel trägt die 64-jährige Patientin seit etwa zehn Jahren eine neungliedrige metallkeramische Brücke als Ersatz ihrer oberen Schneidezähne. Nachdem die keramischen Schneidekanten aus Feldspatkeramik circa fünf Jahre nach Eingliederung das erste Mal frakturiert waren, wurden sie über die nächsten Jahre wiederholt andernorts mit Kompositkunststoff in direkter Technik repariert (Abbildungen 1–3). Um die Belastung zu reduzieren, wurden die Schneidekanten der zentralen Schneidezähne allerdings kürzer als die der lateralen Schneidezähne und die der Eckzähne gestaltet, was in einer ästhetisch ungünstigen negativen Lachlinie resultierte. Die Patientin war mit dem ästhetischen Ergebnis der Reparatur und den häufigen Wiederholungen unzufrieden, wollte sich von ihrer über Jahre liebgewonnenen Brückenversorgung aber nur ungern trennen. Mithilfe eines Mock-ups aus Provisorienkunststoff wurde ihr der ästhetische und phonetische Effekt der angedachten Reparatur der Schneidezahnverblendungen mit keramischen Verblendschalen visualisiert (Abbildungen 4–5).

Die Reparatur der Verblendungen durch das Aufkleben von Verblendschalen aus Lithiumdisilikatkeramik (e.max Press, Ivoclar Vivadent) mit drei- bis vierfach höherer Bruchfestigkeit als Feldspatkeramik erscheint hier als eine frugale Intervention, die schonend, kostengünstig und haltbar ist und gleichzeitig die funktionellen und ästhetischen Ansprüche der Patientin gut erfüllt (Abbildungen 6–15). Hätte der deutlich höhere Aufwand einer neuen Brückenversorgung für die Patientin und ihr Gebiss irgendwelche Vorteile gehabt?

2:Frontalansicht der etwa zehn Jahre alten Brücke mit retrahierten Lippen. | Matthias Kern

Abbildung 3: Okklusalansicht der neungliedrigen metallkeramischen Brücke.Abbildung  | Matthias Kern

4: Mock-up der durch die Reparatur angestrebten Länge der Brückenzwischenglieder. | Matthias Kern

Abbildung 5: Das Lippenbild mit dem Mock-up visualisiert die angestrebte ästhetische Veränderung. | Matthias Kern

Abbildung 6: Veneerpräparation innerhalb der vorhandenen Verblendkeramik. | Matthias Kern

Abbildung 7: Freiliegendes Metallgerüst nach Entfernung der alten Kompositreparaturreste vor der Abformung. | Matthias Kern

Abbildung 8: Reparaturveneers aus Lithiumdisilikatkeramik in zwei Einheiten (e.max Press, Ivoclar Vivadent). | Matthias Kern

Abbildung 9: Die palatinale Modell-ansicht offenbart das Ausmaß der inzisalen Verlängerung. | Matthias Kern

Abbildung 10: Konditionierung der freiliegenden Metallflächen durch Silikatisierung unter Kofferdam (Cojet, 3M Espe). | Matthias Kern

Abbildung 11: Flusssäureätzung der alten Verblendkeramik und anschließende Neutralisierung der Flusssäure (Porcelain Etch und EtchArrest, Ultradent). | Matthias Kern

Abbildung 12: Frontalansicht der reparierten Brücke. | Matthias Kern

Abbildung 13: Lippenbild mit deutlich verbesserter Ästhetik. | Matthias Kern

Abbildung 14: Lippenbild nach 4 Jahren. | Matthias Kern

Abbildung 15: Detailansicht der reparierten Brücke. | Matthias Kern

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