Der besondere Fall

Sanierung nach langer Zahnarztabstinenz und vernachlässigter Mundhygiene

Ein 34-jähriger Patient hatte die häusliche Mundhygiene ohne erkennbare 
Gründe fast vollkommen eingestellt. Die daraus resultierende desolate orale Gesamtsituation war mit seinem äußeren Erscheinungsbild und seinem sozialen Status nicht vereinbar. Aufgrund dieser Widersprüche erfolgte eine intensive Abwägung der Therapieoptionen.

Abbildung 1: Die Ausgangssituation vor Behandlungsbeginn: Eine generalisierte Gingivitis sowie multiple kariöse Läsionen führten zu einer desolaten Gesamtsituation. Michael Korsch

Der Patient stellte sich im April 2011 in der Poliklinik der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe vor. Grund der Konsultation war die ästhetische Situation im Oberkieferfrontzahnbereich, durch die er sich beeinträchtigt fühlte. Das ästhetisch unbefriedigende Erscheinungsbild war auf kariöse Läsionen an fast allen Zähnen zurückzuführen. Dabei hatte der Patient trotz seines desolaten Gebisszustandes weder Schmerzen noch funktionelle Probleme mit seinen Zähnen.

Dem Beginn der zu diesem Zeitpunkt erforderlichen Therapie war eine achtjährige Zahnarztabstinenz und eine damit einhergehende starke Vernachlässigung der Mundhygiene vorausgegangen (Abbildungen 1a-c). Als Grund für die lange Zahnarztabstinenz gab der Patient eine Zahnarztphobie an. Sein äußeres Erscheinungsbild war durchaus gepflegt und stand somit nicht im Einklang mit der oralen Situation. Eine 
Begründung, warum es zu dem offensichtlich desaströsen Zustand seiner Bezahnung 
gekommen war, konnte oder wollte der Patient nicht äußern. Die Reaktionen waren auf Nachfrage eher ausweichend und nichtssagend. Der Patient kann als gut situiert 
bezeichnet werden. Er trat eher introvertiert auf und verbarg seine Zähne beim Reden durch die Lippe.


Sein Wunsch war eine 
Gesamtrehabilitation des Gebisses in Vollnarkose. Einer implantologischen Versorgung stand er offen gegenüber. Die allgemeinmedizinische Anamnese war unauffällig.

 

Abbildung 2: Der röntgenologische Ausgangsbefund zeigt multiple kariöse Läsionen mit zum Teil nicht erhaltungsfähigen Zähnen. | Michael Korsch

Abbildung 3: Die Bilder zeigen die Stumpfaufbauten Regio 13–23 sowie die Situation nach Eingliederung eines festsitzenden Provisoriums. | Michael Korsch

Abbildung 4: Fixierung eines Blocktransplantats Regio 44 sowie Augmentation mit partikuliertem 
autologem Knochen und xenogenem Knochenersatzmaterial: Die Implantation Regio 44 und 46 erfolgte 
simultan (a). Fixierung eines 
Knochenblocktransplantats mit 
zwei Osteosyntheseschrauben 
Regio 34/35 sowie simultane 
Implantation Regio 36 (b). | Michael Korsch

Befund

Der allgemeinzahnmedizinische Befund zeigte ein generalisiert-kariöses Gebiss mit vollständig zerstörten Zähnen im Seitenzahnbereich (Abbildungen 1a-c). Die Zähne 13, 21, 22, 33–43 reagierten beim CO2-Sensibilitätstest positiv. Die restlichen Zähne im Ober- und Unterkiefer zeigten bei Vitalitätsprüfung keine Reaktion. Die Sondierungstiefen lagen im Frontzahngebiet von Ober- und Unterkiefer bei 3–4 mm sowie im Seitenzahnbereich bei größer/gleich 5 mm. Die Ober- und Unterkieferfrontzähne wiesen – im Gegensatz zum Seitenzahnbereich – keine erhöhten Lockerungsgrade auf.

Das OPG (Abbildung 2) zeigte kariöse 
Defekte an allen Zahnkronen sowie periapikale Osteolysen von 18–15, 24–28, 38–34 und 44–48. Die Zähne 13–23 wiesen kariöse Defekte mit Beteiligung der Pulpa auf. An den Unterkieferfrontzähnen waren keine größeren Defekte oder apikale Aufhellungen zu erkennen.

  • Bewertung des klinischen Ausgangs-
befunds:

Das auffallendste Merkmal im hier zu 
bewertenden Fall war der Widerspruch zwischen oraler Situation und dem gepflegten Äußeren des Patienten. Man kann zu Recht von einem „paradoxen“ Erscheinungsbild sprechen. Da ein derartiger Zustand sehr selten und schwierig einzuordnen ist, wurde der Fall zur Diskussion der Gesamtplanung in der wöchentlichen Ärztebesprechung vorgestellt. Hier waren alle zahnärztlichen Fachrichtungen vertreten. Die ungewöhnliche Konstellation von Vernachlässigung der Mundhygiene bei gepflegtem äußerlichen Erscheinungsbild erzeugte eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Einschätzung des Patienten. Eine prima vista Kategorisierung allein auf Basis des zahnärztlichen Befundes hätte die Planung eines hochwertigen Zahnersatzes eher ausgeschlossen. Es 
bestand aber die Vermutung, dass mit einer solchen Kategorisierung für diesen Patienten keine adäquate Therapieplanung zu 
begründen war.

  • Diagnose:

- Generalisierte Gingivitis
- Nicht erhaltungsfähige Zähne 18–14,
  24–28, 38–34 und 44–48
- Kariöse Zähne 13–23 und 33–43

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