Zahnarztpraxis der Zukunft

Arbeiten in einer Modellpraxis

Im Oktober wurde die erste Praxis nach dem Konzept der Zahnpraxis der Zukunft GmbH (ZPdZ) in Düsseldorf in Betrieb genommen. Unter dem Namen „ZAP*8 – Zahnarztpraxis am Seestern“ behandeln hier künftig vier Zahnärztinnen in Voll- und Teilzeit in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG). 
Nun lud die ZPdZ zur feierlichen Eröffnung und Führung durch die Praxis.

Anja Feller Guimarães, Gesa Schmidt-Martens, Dr. Susanne Kowollik, M.Sc., und Anna Bernhardt (v.l.) sind die ersten Zahnärztinnen, die in der Zahnarztpraxis der Zukunft in die Freiberuflichkeit durchstarten. zm_mg

Rund 100 Vertreter aus Standesorganisationen, Politik und Dentalbranche folgten der Einladung in die Praxisräumlichkeiten im Düsseldorfer Stadtteil Lörick. Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), eröffnete die Feierlichkeiten mit einem Grußwort. Es sei ein guter Tag für die Zahnmedizin, befand er und machte jungen Kollegen Mut: Die Rahmenbedingungen seien aktuell komfortabel: „Wir werden gesetzlich nicht so gegängelt wie die Ärzte, die Versorgungslage in Deutschland ist auf Topniveau, und auch die betriebswirtschaftliche Situation ist akzeptabel.“ Trotzdem gebe es für den Berufsstand in der Zukunft drei große Herausforderungen zu bewältigen: Erstens das demografische Problem – fast 50 Prozent der Zahnärzte sind heute bereits über 50 Jahre alt und gehen in 10, 15 Jahren 
in Rente. Zweitens der Anspruch der nachfolgenden Behandler-Generation, künftig in bedarfsgerechten Beschäftungsmodellen tätig zu sein, und drittens die Gefahren durch Private-Equity-Gesellschaften und Investoren, die über MVZ in den Markt drängen.

In der Modellpraxis sieht Eßer einen Baustein, diesen Herausforderungen zu begegnen. „Ich bin ziemlich sicher, dass die in 
solchen Modellen beschäftigten Zahnärzte den Wert der freiberuflichen Tätigkeit schnell entdecken werden.“ Einmal auf 
den Geschmack gekommen, sei damit zu rechnen, dass diese mittelfristig in die eigene Niederlassung wechseln.

ZPdZ-Geschäftsführer Dr. Andreas Jahnke (2.v.l.) im intensiven Austausch über das Praxiskonzept mit apoBank-Chef Ulrich Sommer, dem KZBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Eßer sowie 
seinem Stellvertreter Martin Hendges im Eingangsbereich der Praxis (v.l.) | zm-mg 

Vier Behandlungseinheiten auf 480 Quadratmetern

Die ZAP*8 befindet sich im Düsseldorfer Stadtteil Lörick am Business-Quartier Seestern. Die Praxis verfügt über eine Gesamtfläche von 480 Quadratmetern. Es gibt vier Behandlungs- und zwei Prophylaxezimmer. Die Praxis ist die erste nach dem ZPdZ-Modell, bei dem hohe Anfangsinvestitionen für die praktizierenden ZahnärztInnen vermieden und durch die Auslagerung administrativer Serviceleistungen Freiräume für die Behandlung und die Arbeit am Patienten geschaffen werden sollen.

Das Konzept soll den Niedergelassenen der BAG ermöglichen, flexibel und reduziert 
zu arbeiten, erklärte der zweite ZPdZ-Geschäftsführer Daniel Zehnich. „Wenn 
das Team im April komplett ist, arbeiten 
die vier Zahnärztinnen zusammen auf 2,6 Stellen“, erklärt er. Die Praxis soll dabei 
nicht nur als Inkubator zur Generierung niederlassungswilliger ZahnärztInnen dienen, sondern auch ermöglichen, Erfahrungen mit neuen Dienstleistungen rund um Praxisoptimierung und den gesamten Abgabe- beziehungsweise Übernahmeprozess inklusive Mentoringprogramm zu sammeln. 
Diese Bestandteile der ZPdZ seien aktuell 
jedoch noch in der Entwicklung, sagt 
Zehnich.

Auch konkrete Zahlen, wie viele derartige schlüsselfertige Praxen in den nächsten Jahren entstehen sollen, gibt es nicht. Immerhin: Mit einer kleinen niedersächsischen 
Gemeinde mit 13.000 Einwohnern sei man im Gespräch, was den Aufbau einer Filiale betrifft. Die Eröffnung ist für 2020 geplant.

Gesa Schmidt-Martens

„Endlich kann ich selbst entscheiden“

Gesa Schmidt-Martens (44) war nach 
ihrem Studium in Greifswald angestellt und ist zwischen zwei beruflichen Stationen in Mülheim an der Ruhr und Düsseldorf Mutter geworden. Sie wollte sich 
immer gern niederlassen, hatte als Alleinerziehende aber immer einen Riesenrespekt vor der finanziellen Verantwortung. „Ich hab‘ gedacht, wie soll ich das finanzieren, wenn ich mich auch um meine Tochter kümmern will?“ Seit Oktober 
arbeitet sie 32 Stunden pro Woche und lobt sowohl die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als auch die Selbstbestimmtheit in 
eigener Niederlassung. „Endlich kann ich selbst entscheiden“, sagt sie und lacht. „So macht mir die Arbeit viel mehr Spaß!“ Von dem Praxiskonzept mit papierfreier Verwaltung und modernen Behandlungseinheiten samt integrierter Endometrie, Piezo-Chirurgie und Röntgen ist sie ebenfalls überzeugt. „Vieles geht deutlich schneller, als ich es von meinen bisherigen Arbeitsplätzen gewohnt war“, sagt sie.

Dr. Susanne Kowollik

„Ich habe Spaß an neuen Ideen und mag Arbeit im Team“

Dr. Susanne Kowollik (37) hat nach ihrem Studium in Düsseldorf an der Uniklinik Düsseldorf als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet. Eine topmoderne Ausstattung ist sie gewohnt. Sie freut sich vor allem 
darauf, künftig viele Entscheidungen selbst treffen zu können – und zwar schnell. Im Umgang mit der Universitätsverwaltung sei sie das Gegenteil gewohnt gewesen. „Für vieles musste man einen Antrag stellen und ewig auf eine Reaktion warten“, sagt sie. Da ihr drei Monate Assistenzzeit als Zulassungsvoraussetzung fehlen, wird sie erst in vier Monaten Teil der BAG und arbeitet solange noch als Angestellte in der Zahnarztpraxis am Seestern. Als Mutter von zwei Kindern war ihr besonders wichtig, sich ihre Arbeitszeit von 30 Stunden selbst einteilen zu können. Ihre Motivation in der Modellpraxis anzufangen? „Ich habe Spaß an neuen Ideen und mag Arbeit im Team – das habe ich bisher an der Uni auch unglaublich geschätzt.“

Anja Feller-Guimaraes

„Ich bin davon ausgegangen, dass ich es alleine nicht schaffe“

Anja Feller-Guimaraes (47) bekam den Tipp zur Niederlassung in der Modellpraxis von einer befreundeten Anwältin. Nach dem Studium in Marburg zog es sie zunächst nach Brasilien, wo sie 13 Jahre lang lebte und sowohl als angestellte 
wie auch als niedergelassene Zahnärztin mit kleiner Praxis in Recife und Joao Pessoa arbeitete. Nachdem sie als alleinerziehende Mutter zurück nach Deutschland kam, schien ihr eine eigene Praxis in unerreichbare Ferne gerückt. „Ich bin davon ausgegangen, dass ich es alleine nicht schaffe“, sagt die Zahnärztin, die heute 30 Wochenstunden arbeitet und so ihre Profession und die Familie gut unter einen Hut bekommt. Wenige Wochen nach dem Start ist sie begeistert von der Praxistruktur, den Kolleginnen und der Unterstützung beim Start. Ihr Fazit: „Ich bin total erleichtert, dass ich das 
nicht alleine machen muss.“

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