Fake News zu Corona

Falsche Nachrichten, echte Verunsicherung

Die Nachrichtenlage rund um die Corona-Pandemie ändert sich täglich. Was es nicht besser macht: Immer mehr Fake News mischen sich unter die seriösen Beiträge, sehr häufig über medizinische Zusammenhänge.

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Schädliche Schmerzmittel, Wunderheilmittel, Selbstdiagnose – viele Fake News sorgen dieser Tage für Verunsicherung. Dazu gehören auch diese medizinischen Themen:

Die Ibuprofen-Lüge von der „Mama vom Poldi“

Vor rund zwei Wochen wurde eine Sprachnachricht in die Instant-Messaging-Dienste WhatsApp und Telegram gegeben, die sich in den Communitys der beiden Plattformen schnell verbreitete. In der etwa 1,41 Minuten langen Nachricht an ihre Bekannte „Isabel“ erklärt eine Frau, die sich als „die Mama vom Poldi“ vorstellt, dass Ibuprofen den Verlauf der Lungenkrankheit COVID-19 stark verschlimmere.

Sie führt aus: „Eine Freundin von mir ist an der Uniklinik in Wien und die hat mich heute angerufen und die haben halt mal so ein bisschen Forschung betrieben, warum in Italien so viele so heftige Corona-Fälle aufgetreten sind. Sie haben festgestellt, dass die Leute, die mit diesen schweren Symptomen in die Klinik eingeliefert wurden, mehr oder weniger alle daheim vorher Ibuprofen eingenommen hatten – und haben dann jetzt mal im Labor den Virus und Ibuprofen zusammengebracht. Und da gibt‘s sehr stichhaltige Hinweise, dass Ibuprofen die Vermehrung des Virus beschleunigt.“

Die Frau fügt hinzu, dass man zu dieser Erkenntnis keine Belege im Netz finden könne, da die Pharmaindustrie sofort mit Millionenklagen gegen diese Behauptung vorgehen würde. Ein cleverer Schachzug, der verhindern soll, dass HörerInnen der Nachricht, die selber recherchieren und nichts finden, die Lüge aufdecken.

Im ersten Moment möchte man der angeblichen „Mama vom Poldi“ durchaus abnehmen, dass sie anderen eine wichtige Info weitergeben möchte. Ihre Stimme klingt vertrauenerweckend. Wie sie die Nachricht weitergibt, wirkt nicht panisch, sondern sachlich. Die Aufnahme schließt dann auch ganz unaufgeregt mit den Worten: „Also, ich wollte dir das nur gerne weitergeben, wollte dich bitten, dass du das auch weitergibst und ansonsten hoffe ich, dass wir hier alle in unseren unfreiwilligen Ferien das ganz gut organisiert bekommen. Bis bald. Ciao!“

Die Medizinische Universität Wien dementierte die Nachricht sofort, unter anderem auf ihrer Website sowie auf Twitter (https://twitter.com/MedUni_Wien/status/1238782938344554496). Die Nachricht stehe in keinerlei Verbindung mit der Medizinischen Universität Wien. Immerhin: Auch die Richtigstellung machte schnell die Runde in den sozialen Netzwerken.

Quatsch-Tests für die Selbstdiagnose

Ebenfalls auf WhatsApp kursiert ein Kettenbrief, der erklärt, wie die Menschen in Kanada angeblich über das Coronavirus informiert werden – und wie man herausfinden kann, ob man sich infiziert hat. Es sei ganz einfach: Man müsse nur zehn Sekunden lang die Luft anhalten. Führe man „die Untersuchung ohne Husten, ohne Beschwerden, ohne Prallheit, ohne Engegefühl usw. erfolgreich durch, beweist dies, dass keine Fibrose in den Lungen vorliegt, was im Grunde genommen auf keine Infektion hinweist.“ Die Methode ist natürlich Schwindel, die keinerlei medizinischen Halt hat.

Das gilt auch für andere Kettenbriefe, auch einen, der zurzeit über Facebook und WhatsApp Verbreitung findet. Darin wird behauptet, dass man das Coronavirus durch regelmäßiges Trinken (alle 15 Minuten) von Wasser in den Magen spülen könne, wo es von der Magensäure zerstört werde.

Ein alter Bekannter: Chlordioxid

Seit Februar findet sich immer wieder auf Websites und in Social-Media-Kanälen die Behauptung, Trinklösungen mit Chlordioxid würden gegen das neuartige Coronavirus helfen, weil sie den Krankheitserreger abtöten. Fatal: Die chemische Verbindung aus Chlor und Sauerstoff, die in der Industrie zum Bleichen und Desinfizieren – auch von Lebensmitteln und Trinkwasser – verwendet wird, wird als „sehr giftig“ eingestuft.

Für Gesundheitsbehörden und Organisationen wie die Verbraucherzentrale ist diese News nicht neu. Seit Jahren wird Chlordioxid unter dem Namen MMS, kurz für „Miracle Mineral Supplement“, vertrieben. Der Erfinder Jim Humble und andere, die MMS vertreiben, versprechen, dass das Mittel gegen eine Reihe von Krankheiten hilft. Auf der Liste finden sich AIDS, Hepatitis A, B und C, Malaria, Herpes, Tuberkulose, die meisten Krebsformen und nun auch das neuartige Coronavirus.

Aber: Das Gegenteil sei der Fall, warnt die Verbraucherzentrale. Chlordioxid könne auf Haut und Schleimhäuten ätzend wirken sowie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Nierenversagen, schwere Darmschädigungen oder Blutdruckabfall verursachen. Es sei auch schon zu mindestens einem Todesfall nach der Einnahme gekommen.

Wie man Fake News auf die Schliche kommt

Am Beispiel der Falschmeldung zum Thema Ibuprofen zeigt sich, warum es schwer sein kann, Fakes zu erkennen. Die WhatsApp gelangte über das persönliche Netzwerk in den Posteingang der Empfänger. Sie kam also von Kontakten, denen man vertraut. Doch stammt eine Information aus zweiter Hand – auch wenn sie von Familie, Freunden, Verwandten oder Kollegen weitergeleitet wird – ist sie mit Vorsicht zu genießen. Vor allem, wenn der eigentliche Verfasser seinen Namen nicht nennt und seine Kompetenzen nicht verifiziert werden können.

Oft hilft es schon, eine Nachricht in einer Suchmaschine zu prüfen und nach einer zweiten, seriösen Quelle für deren Inhalt zu suchen. Der Ibuprofen-Schwindel flog dadurch schnell auf. Auch journalistische Initiativen wie zum Beispiel „Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft“ oder „Mimikama“, ein österreichischer Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch, sind gute Anlaufstellen, um an fundierte Informationen zu kommen.

Werden Quellen mit wenig stichhaltigen Argumenten, Behauptungen oder Verschwörungstheorien diskreditiert – wie etwa mit der Bemerkung, aus Angst vor einer Klage der Pharmaindustrie spreche keiner über den Zusammenhang zwischen Ibuprofen und COVID-19 – sollte man ebenfalls sehr misstrauisch werden.

Was Zahnärzte tun können

In unsicheren Zeiten können Zahnarztpraxen ihre Patientenschaft aktiv ansprechen, um sie auf Falschmeldungen aufmerksam zu machen oder für das Thema Fake News zu sensibilisieren. Ihre Praxis ist auf Facebook, Twitter oder Instagram vertreten? Auch diese Kanäle sind ideal, um PatientInnen aufzuklären, zu informieren oder ihnen seriöse Informationsquellen vom Bundesgesundheitsministerium bis zum wissenschaftlichen Institut vorzustellen.

Susanne Theisen
Freie Journalistin

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