Pilotprojekt Postgraduale Qualifizierung

Aus der Praxis für die Praxis

Wie führe ich erfolgreich eine Praxis? Und wie eigne ich mir als Berufseinsteiger profundes allgemeinzahnärztliches Wissen an? Das Pilotprojekt „Postgraduale Qualifizierung“ aus Hessen bietet ein neues Fortbildungsformat für angehende Zahnärztinnen und Zahnärzte. Während ihrer Vorbereitungszeit durchlaufen sie ein spezielles Curriculum und bekommen in der ausgewählten Lehrpraxis das nötige Know-how vermittelt, damit sie ihre Berufskompetenz steigern können.

Siegel einer Lehrpraxis Quelle: LZK Hessen

Der Anlass, das Programm aufzulegen, waren verschiedene Grundüberlegungen: Zum einen herrscht bereits seit Jahren an vielen Universitäten eine angespannte Situation bei den Patientenzahlen im studentischen Ausbildungsbetrieb. Die Corona-Pandemie hat diese Situation noch einmal verschärft.

Zweites Problem: der Bereich Praxisführung. Das Thema wird im Studium nicht aufgegriffen, deshalb haben viele Zahnmedizinstudierende hier erhebliche Defizite, wenn sie in den Beruf starten wollen. Sie verfügen durch ihr Studium zwar über fundierte fachliche Kenntnisse. Vor allem jedoch in den Bereichen Praxisführung und Verwaltung, Abrechnung, Rechtsfragen, Qualitätsmanagement, Patientenkommunikation oder Versicherungen wünschen sich viele Berufsanfänger mehr Know-how bei der Stärkung ihrer Berufskompetenz – vor allem, wenn es darum geht, eine eigene Praxis zu gründen. Und nicht zuletzt wollten die Initiatoren der zweijährigen Vorbereitungszeit eine Struktur geben, im Sinne einer Qualitätssicherung. 

Dr. Michael Frank, Präsident der LZK Hessen

G.Tsiogas

„Impulse für eine umfassende Qualifizierung der jungen Kolleginnen und Kollegen nach der universitären Ausbildung müssen aus dem Berufsstand selbst und nicht von kommerziellen Anbietern kommen. Viele Dinge werden im Rahmen des Studiums nicht oder nicht in ausreichendem Umfang gelehrt oder praktiziert – hier setzen wir mit unserem neuen Angebot an. 

Alle Teilnehmenden können sicher sein, dass sie im Laufe der zwei Vorbereitungsjahre ihre bereits vorhandenen universitären Kenntnisse und Fertigkeiten unter Begleitung in ihrer Lehrpraxis vertiefen können und zudem durch Fortbildung wichtige Kenntnisse für ihre spätere Niederlassung erwerben – hier ist vor allem an das weite Feld der Praxisführung zu denken, die im universitären Lehrplan so gut wie keine Rolle spielt. Wir hoffen, dass viele Praxen und viele junge Kolleginnen und Kollegen von dieser strukturierten Qualifizierungsmöglichkeit nach dem erfolgreichen Hochschulabschluss Gebrauch machen werden.“

Die Landeszahnärztekammer Hessen hat daher im Rahmen ihres Programms „Fit-for-Future“ in Zusammenarbeit mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen und unter Beratung des Zahnärztlichen Universitäts-Instituts Carolinum gGmbH in Frankfurt das Pilotprojekt „Postgraduale Qualifizierung“ entwickelt. Im Rahmen dieses Projekts sollen in Hessen zahnärztliche Lehrpraxen Berufseinsteigern ein allgemeinzahnärztlich ausgerichtetes, praxisorientiertes Lehrprogramm vermitteln. Angesprochen werden alle Berufseinsteiger nach der Approbation, und zwar in der zweijährigen Vorbereitungsassistenzzeit. Die Ausbildung erfolgt in akkreditierten Lehrpraxen bei niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. 

Lehrpraxen gesucht

Die Kammer und KZV Hessen suchen derzeit geeignete Lehrpraxen. Die teilnehmenden Praxen erhalten die Möglichkeit, ihre Tätigkeit als Lehrpraxis durch ein Siegel öffentlich auszuweisen, sowie erste Erfahrungen für eine mögliche, spätere Bewerbung als Famulaturpraxis im Rahmen der neuen Approbationsordnung Zahnärzte (AOZ) zu sammeln. 

Lea Bauer, Staatsexamen Dezember 2020:

| privat

„Meine fachliche Ausbildung an der Universität war sicher gut, aber Routine und Erfahrung bringt erst das richtige Berufsleben. Mit dem Qualifizierungsprogramm in einer teilnehmenden Lehrpraxis kann ich sicher sein, dass meine zukünftige Chefin sich Zeit für mich nimmt, auch komplexere Fälle und deren Planung im Detail durchzugehen und mir bei der Behandlung zur Seite zu stehen. Das gibt mir die nötige Sicherheit für meinen weiteren Weg in eine eigenständige zahnärztliche Tätigkeit nach der Zeit als Vorbereitungsassistentin.“

Und so sehen die Voraussetzungen für die Akkreditierung als Lehrpraxis aus: 

  • Es sollte sich um eine typische allgemeinzahnärztliche Praxis ohne einseitige Ausrichtung handeln. Sie soll über die berufsrechtliche wie vertragszahnarztrechtliche persönliche Eignung verfügen.
  • Teilnehmen können grundsätzlich alle Praxen, die gegenwärtig eine/n Vorbereitungsassistentin/en beschäftigen oder beabsichtigen, eine Einstellung im Laufe der kommenden zwölf Monate vorzunehmen. 
  • Die Praxis verpflichtet sich zur Freistellung von 13 Tagen in den zwei Jahren Vorbereitungszeit (1 Tag alle 2 Monate) für die Teilnahme des Assistenten am Qualifizierungsprogramm.
  • Im zeitlichen Umfang von 96 Stunden in zwei Jahren (4 Stunden pro Monat) verpflichtet sich der Praxisinhaber, den Assistenten unter Aufsicht in typischen allgemeinzahnärztlichen Behandlungen anzuleiten, sowie Röntgen-, Planungs-, Fallbesprechungen und Ähnliches mit dem/der Assistenten/Assistentin zu machen und in Kurzform zu dokumentieren.

Darüber hinaus werden Themen zur Praxisorganisation und -führung – wie Abrechnung, Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit, Hygiene, Behandlungsdokumentation oder EDV-Einsatz in der Praxis – vermittelt. 

E-Learning und Präsenztage

Die Vorbereitungsassistenten nehmen – neben der Ausbildung in der Lehrpraxis – an einem Fortbildungsprogramm von Kammer und KZV teil. Dieses besteht aus 13 Tagesseminaren, die überwiegend im E-Learning-Format über die Plattform der Fortbildungsakademie Zahnmedizin Hessen (FAZH) zugänglich sind, sowie einigen Präsenztagen in Frankfurt. Soweit Assistenten in akkreditierten Lehrpraxen ihre zweijährige Vorbereitungszeit absolvieren, ist die Teilnahme am postgradualen Qualifizierungsprogramm verpflichtend. 

Dabei vermitteln vorrangig erfahrene, in eigener Praxis niedergelassene Kollegen Themen wie:

  • Planungs- und Komplikationstraining anhand von Patientenfällen aus der eigenen Praxis ,
  • Konzepte für die Behandlung von Patienten in Alten- und Pflegeheimen oder von immobilen Patienten,
  • digitale Praxisverwaltung und 
  • Qualitätsmanagement. Des Weiteren werden durch Referenten der KZV Hessen alle Kenntnisse vermittelt, die zur Führung einer vertragszahnärztlichen Praxis notwendig sind.

Das Programm „Postgraduale Qualifizierung“ wird in Hessen im Mai 2021 starten. Mit der Kammer und der KZV Nordrhein ist eine Kooperation in Vorbereitung. Interesse von weiteren Kammern besteht, Gespräche sind aufgenommen.

ZÄ Ingela Popal-Jensen, teilnehmende Praxisinhaberin: 

| privat

„Als akkreditierte Lehrpraxis im Rahmen des neuen Pilotprojekts der Kammer geben wir ein klares Signal an alle neuen Kolleginnen und Kollegen, dass sie bei uns viel für ihr späteres Berufsleben lernen können. Wir haben den Vorteil, dass wir damit hoch motivierte und interessierte Bewerberinnen und Bewerber auf eine Vorbereitungsassistenzstelle ansprechen – dies kommt uns und unseren Patientinnen und Patienten zugute.“

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