IDZ-Studie

Wie tickt die Zahnarzt-Generation Y?

Mit den Vorstellungen, Hoffnungen und Sorgen der jungen Zahnarztgeneration setzt sich Dr. Nele Kettler in ihrem Buch „Junge Zahnärztinnen und -ärzte“ intensiv auseinander. Kettler, Zahnärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), hat dazu über mehrere Jahre hinweg die Einstellungen der sogenannten Generation Y untersucht und die Ergebnisse in ihrem jetzt veröffentlichten Buch zusammengetragen.

Abb. 1: Verlauf der Y-Studie – Berufsbild angehender und junger Zahnärzte. IDZ

Dem Buch vorausgegangen ist die Studie „Y-Dent – Berufsbild angehender und junger Zahnärzte“. Dabei wurden Zahnmedizinerinnen und -mediziner zwischen in ihren letzten Universitäts- und ersten Berufsjahren 2014 und 2019 begleitet und regelmäßig nach ihren Erfahrungen in dieser Zeit und ihren Vorstellungen und Wünschen für die Zukunft befragt (Abbildung 1). An der ersten quantitativen Erhebung nahmen 1.395 Studierende der 9. und 10. Semester teil. 2017 wurden genau diese Frauen und Männer erneut befragt, die sich zu diesem Zeitpunkt größtenteils in der Assistenzzeit befanden (635 Teilnehmende). Eine dritte Befragungswelle wurde 2019 durchgeführt; zu diesem Zeitpunkt waren die Studienteilnehmenden den Angaben zufolge mehrheitlich im Angestelltenverhältnis beschäftigt und einige wenige bereits niedergelassen (573 Teilnehmende). In der Studie wurden sowohl qualitative als auch quantitative Erhebungsmethoden eingesetzt.

Ziel sollte sein, aus den Ergebnissen des Buches „abzuleiten, wie die 
Zukunft der zahnärztlichen Profession aussehen könnte“, erklärt die Autorin. Dabei soll die Perspektive der Zahnärztinnen und Zahnärzte nachvollzogen werden, die erst kürzlich Teil des Berufsstandes sind. „Denn ein Großteil von ihnen wird in den nächsten 40 Jahren Teil der Versorgungsseite sein. Ihre beruflichen Entscheidungen werden damit die zahnmedizinische Versorgungslandschaft in Zukunft prägen“, schreibt Kettler in der Einleitung. Für die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), die gemeinsam das IDZ tragen, sind die Ergebnisse der Studie von besonderer Bedeutung, da sie Handlungsbedarfe offenlegen und die zukünftige Agenda der berufspolitischen Arbeit mitbestimmen.

Wie ist das eigene
Selbstverständnis?

Doch wer ist diese Generation Y? Grob gesagt handelt es sich um die nach 1980 Geborenen, die jetzt auf den Arbeitsmarkt kommen. Vorangegangen sind die Generation X (1966–1979 geboren) und die Babyboomer (1956–1965). Alle zusammen teilen sich den Arbeitsmarkt. Daher wird in dem Buch versucht, die Unterschiede zwischen den Generationen und auch ihre Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Die Frage war auch, inwieweit allgemeine Generationszuschreibungen auf die Gruppe der Zahnärztinnen und Zahnärzte zutreffen. In der Soziologie wird die Generation Y ja gerne als besonders freiheitsliebend und mit einem starken Fokus auf Work-Life-Balance beschrieben.

Ein zentrales Thema der Befragungen war daher wiederkehrend das Berufsbild und das Rollenverständnis, das die jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte in der Eigenwahrnehmung von sich und von ihrer Profession haben. Dabei zeigt sich, dass sich die Einstellungen je nach Lebensphase (Studium, Assistenzzeit, Anstellung oder Niederlassung) wandeln (Abbildung 2). Kettler. kommt zu dem Ergebnis, dass die beruflichen Einstellungen und Entscheidungen der jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte nur zum Teil von denen ihrer Generation geprägt werden. „Sie unterscheiden sich nicht zwangsläufig von denen älterer Zahnärztinnen und -ärzte und (vermeintlicher) Vorgängergenerationen. Ihre Einstellungsmerkmale werden im Laufe des (Berufs-)Lebens neben der Generationenzugehörigkeit durch das Lebensalter beeinflusst“, fasst sie zusammen. Daneben hätten familiäre Sozialisationsprozesse einen nicht unerheblichen Einfluss auf berufliche Einstellungen. Kettler kommt zu dem Ergebnis, dass sich das zahnärztliche Selbstbild in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert habe. „Nach wie vor nehmen ganzheitlich-medizinische, handwerkliche und soziale Aspekte einen hohen Stellenwert darin ein. Auch die jungen Zahnärztinnen und -ärzte änderten dieses Selbstverständnis nicht, im Gegenteil: Durch den Prozess der beruflichen Sozialisation wurden eben diese zentralen Werte des Berufsbilds von ihnen übernommen.“

Abb. 2: Selbstbild junger Zahnärztinnen und -ärzte im Studium in 2014/15 (n = 423), der Assistenzzeit in 2017 (n = 392), der Anstellung in 2019 (n = 265) und der Niederlassung in 2019 (n = 25) – Angaben der Befragten, die an allen drei Befragungen teilgenommen haben – Nennung der jeweils drei zutreffendsten Punkte | Grafik: IDZ

Freiberuflichkeit gleich Niederlassung?

Kettler berichtet, dass für einen Großteil der jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte die Freiberuflichkeit auf den ersten Blick einen sehr geringen Stellenwert zu haben scheint. In jeder der drei Befragungen hätten nur sehr wenige angegeben, dass ihnen die Möglichkeit, freiberuflich zu arbeiten, wichtig bei der Entscheidung für den weiteren Berufsweg sei. „Doch projizieren die meisten Befragten die entsprechenden Facetten der Freiberuflichkeit nicht auf ihren gesamten 
Berufsstand, sondern auf die persönliche berufliche Situation. In ihrem Antwortverhalten wird deutlich, dass sehr viele Befragte Freiberuflichkeit gleichsetzen mit Niederlassung in eigener Praxis“, heißt es. Viele lehnen demnach den Begriff der Freiberuflichkeit nicht an sich ab, sondern vielmehr wird der Begriff von vielen jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten anders ausgelegt als von ihren standespolitischen Organisationen. „Infolge der irrtümlichen Gleichsetzung der Freiberuflichkeit mit der Niederlassung verstehen sich daher nur wenige junge Zahnärztinnen und -ärzte als Freiberufler/-innen“, resümiert Kettler. Genug Ansatzpunkte für die künftige standespolitische Arbeit also.

In den kommenden Ausgaben stellen wir einzelne Ergebnisse des Buches vor.

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