Innovative Möglichkeiten in der Medizin

Blutzucker-Kontrolle via SMS, EKG-Kontrolle via Handy

Neue Kommunikationsmöglichkeiten, wie das Telefonieren mit Handys und das Versenden von SMS, lassen sich auch für die Übermittlung medizinischer Daten nutzen. Das aber kommt direkt den Patienten zugute, wie bei der Medica 2001 in Düsseldorf deutlich wurde.

So lassen sich mit entsprechenden Zusatzgeräten, wie sie inzwischen von verschiedenen Firmen angeboten werden, beispielsweise bei Diabetikern die ermittelten Blutzuckerwerte sofort und automatisch per SMS an den betreuenden Arzt übermitteln. In einem zweiten, in Düsseldorf auf der Medica 2001 vorgestellten Projekt wird es jetzt möglich, praktisch jederzeit und von jedem Ort aus sein EKG per Handy „life“ in ein Servicecenter zu übermitteln, wo es von einem Kardiologen begutachtet wird. Beide Systeme sollen die Patientenbetreuung optimieren, so hieß es in Düsseldorf.

Der Arzt erhält die Blutzuckerwerte per SMS

Bei der Behandlung des Diabetes kommt es darauf an, dass der Blutzucker möglichst normgerecht eingestellt wird. Die sofortige Übermittlung der gemessenen Blutzuckerwerte ermöglicht nun erstmals eine strikte Blutzuckerkontrolle durch den behandelnden Arzt.

Inwieweit sich dies langfristig günstig auf die klinische Situation auswirkt, wird derzeit in einem „Diabetes-Patienten-Projekt“ in Hamburg erprobt. Bei dem Pilotprojekt werden Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes behandelt. Sie erhalten ein kleines Verbindungsgerät, das bei der Blutzuckermessung zwischen das Messgerät und ein GMS-Handy geschaltet wird. Die ermittelten Werte werden dann als SMS an den behandelnden Arzt verschickt. Dieser kann sich die Blutzuckerwerte der Patientin über das Internet abrufen, wo sie auf einem speziellen Server, dem ct-net-Server, bereit liegen und in einer elektronischen Patientenakte verwaltet werden.

„Damit werden neue Kommunikationswege in der Diabetikerbetreuung geschaffen“, erklärte Matthias Oetken von ct-Arzneimittel bei einer Pressekonferenz des Unternehmens während der Medica. So können die Daten direkt in die elektronische Patientenakte des Arztes übernommen werden. Es ist ebenfalls möglich, neben den Messdaten auch allgemeine Behandlungsdaten zu erfassen. Über den Pool-Server kann auch anderen Ärzten Zugang zu den Daten verschafft werden, beispielsweise dem Diabetologen in der Schwerpunktpraxis, einem Notfallarzt oder einer Klinik. „Der behandelnde Arzt kann außerdem festlegen, ob er bei kritischen Situationen automatisch alarmiert werden möchte“, erklärte Klaus Roth, Geschäftsführer von Medical Software Systems in Homburg, die maßgeblich für die Entwicklung des Programms verantwortlich zeichnen.

Jederzeit das EKG fachmännisch begutachten

Auch das EKG lässt sich dank der neuen Technologien über das Telefon übertragen, und Philips Telemedizin bietet einen neuen Service an, bei dem Patienten mit wenigen Handgriffen rund um die Uhr ein EKG mit zwölf Ableitungen an ein Monitor-Center übertragen können. Dort wird das EKG sofort durch geschultes Fachpersonal inklusive eines Kardiologen bewertet und es kann dem Betroffenen am Telefon unverzüglich mitgeteilt werden, ob seine Rhythmusstörung harmlos ist oder ob er den Hausarzt aufsuchen oder gar den Notarzt rufen sollte.

Damit lässt sich im Notfall Zeit sparen, wie die Erfahrungen in Israel, wo das System bereits seit Jahren etabliert ist, zeigen. Denn viele Patienten neigen dazu, beim Auftreten von Beschwerden erst einmal zu warten, ob diese vergehen und oft erst nach Stunden einen Arzt zu rufen. Damit geht wertvolle Zeit verloren. „Wir hoffen, durch den neuen Dienst somit infolge der rascheren Therapie auch gravierende Folgeschäden abwenden zu können“, so Professor Dr. Georg Noll aus Zürich in Düsseldorf. Immerhin haben die Erfahrungen in Israel, wo bereits 60 000 Patienten an der telemedizinischen Überwachung teilnehmen, ergeben, dass im Falle des Falles die Zeit bis zur Einleitung einer Therapie um dreieinhalb Stunden kürzer ist. Erweisen sich die Rhytmusstörungen aber als harmlos, so gibt dies nach Noll dem Patienten Sicherheit. Die Möglichkeit der Rund-um-Überwachung erlaubt es daher vielen Herzpatienten, wieder aktiver am Leben teilzunehmen, wie die ersten Erfahrungen in der Schweiz, wo der Dienst seit wenigen Monaten angeboten wird, belegen. Denn die Betroffenen können durchaus auch von unterwegs ihr EKG an den Kardiologen senden. Dazu wurde ein eigenes Gerät, das so genannte „Outpac“ entwickelt, ein kompaktes EKG mit nur einer Ableitung, das in eine Lederbrieftasche integriert ist. Diese wird auf die Brust aufgelegt und dann kann die Herzstromkurve mittels Handy „verschickt“ werden.

Professionelle Beratung im Monitor-Center

Der neue Dienst, ein Joint Venture zwischen Philips Medical Systems (80,1 Prozent) und der israelischen SHL Telemedicine (19,9 Prozent), der unter dem Namen „Paxiva“ angeboten wird, kann für monatlich 50 Euro „abonniert“ werden. Der Patient erwirbt damit ein Gerät für zu Hause, es werden seine Referenzdaten erhoben und er erhält eine umfassende Schulung bezüglich der Handhabung seines persönlichen Übertragungsgerätes. Danach kann er 365 Tage im Jahr rund um die Uhr auf die Dienste der Philips Telemedizin zurück greifen.

Im Bedarfsfall ruft er im Monitor-Center an und identifiziert sich dort über eine persönliche Kennnummer. Die Patientenakte erscheint auf dem Computerbildschirm und nach einem fest definierten Fragenkatalog werden der Grund und die Umstände des Anrufs abgeklärt. Anschließend überträgt der Patient mit einem einfachen Knopfdruck das EKG, wobei die eigentliche Übertragung nur zwölf bis 16 Sekunden dauert. Die Experten im Monitor Center, das von einem Kardiologen geleitet wird, werten das EKG aus und sorgen für rasche professionelle Hilfe. Dabei haben sie Zugriff auf frühere Übertragungen und können individuell auf den einzelnen Patienten eingehen, berichtete in Düsseldorf Bradley Gould als Geschäftsführer der neuen Philips-Tochter.

Interessant für Herzkranke und Risikopatienten

Zielgruppe für den Dienst sind nach seinen Worten in erster Linie Herzpatienten, aber auch gesundheitsbewusste Menschen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko.

Die Möglichkeit der raschen EKG-Übertragung und Beurteilung hat aber nach Noll nicht nur Vorteile für die Betroffenen, sondern auch für deren behandelnde Ärzte und sogar für die Krankenkassen. Denn durch die sofortige EKG-Ableitung wird die diagnostische Sicherheit erhöht und unnötige Notarzteinsätze können vermieden werden. Es kann außerdem eine Therapiekontrolle erfolgen mit der Konsequenz, dass Herzpatienten unter Umständen dann früher aus der Klinik entlassen werden können.

Christine VetterMerkenicherstraße 22450735 Köln

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