Tag der Zahngesundheit

Gute Werte sollen besser werden

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Heftarchiv Zahnmedizin
Das Schweriner Schloss war Ort des Geschehens, als am 25. September mit einer Pressekonferenz und einem Festakt der diesjährige Tag der Zahngesundheit eröffnet wurde. Unter dem Motto „Lass es Dir zeigen“ wurden die zahlreichen bundesweiten Aktionen rund ums Thema Prophylaxe eingeleitet. Der Tag der Zahngesundheit, so das Resümee des veranstaltenden Arbeitskreises, ist zu einer „zahngesundheitlichen Volksbewegung“ geworden.

Im Zentrum der Auftaktveranstaltung stand insbesondere ein Thema: die hohen Kariesraten bei Kindern aus sozioökonomisch schwachen Familien. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), forderte mehr Unterstützung und gezielte Hilfe für Eltern in sozial belasteter Lebenssituation. Gute DMFTWerte dürften nicht darüber hinweg täuschen, dass einige Kinder von den Fortschritten im Prophylaxe-Bereich nicht ausreichend profitieren. Nach wie vor sei die Kariesverteilung in einer Schieflage, was an einem schwach ausgeprägten Gesundheitsverhalten und fehlenden motivierenden Vorbildern bei Kindern in sozial schwachen Familien liege. Der Tag der Zahngesundheit wolle hier, so Oesterreich, Denkanstöße und Lösungsansätze vermitteln.

In Schule und Praxis

„Wir übernehmen dazu unseren Beitrag und bauen die Konzepte für diese Zielgruppe weiter aus“, erklärte der BZÄK-Vizepräsident. „Unersetzbar ist dabei die enge Verzahnung von Gruppenprophylaxe und Individualprophylaxe, also die Betreuung in Kindergarten und Schule und die Entdeckung solcher Kinder, die zahnärztliche Hilfe brauchen.“ Dass der Tag der Zahngesundheit bundesweit dieses Thema aufgreift, war für Oesterreich der Beweis, dass die Zahnärzteschaft auf dem richtigen Weg ist. „Orale Medizin ist immer auch soziale Medizin“, stellte er fest und ergänzte: „Für uns ist die Prävention mittlerweile zur Grundlage zahnmedizinischen Handelns im Praxisalltag geworden.”

Als Sprecher der Spitzenverbände der Krankenkassen betonte Bernd Wiethard, dass der Tag der Zahngesundheit auch ein Teil der Erfolgsgeschichte der Prävention sei: „Schaut man sich in diesen Tagen in der Bundesrepublik Deutschland aufmerksam um, so wird man von Norden bis zum Süden und vom Osten bis zum Westen unzählige Aktivitäten zum Thema Zahngesundheit registrieren.“ Wiethardt stellte heraus, dass das Engagement der Krankenkassen bei der Förderung der Zahngesundheit eine wichtige Rolle spiele. Im vergangenen Jahr seien rund 400 000 Euro für zahngesundheitliche Prävention ausgegeben worden; in absehbarer Zeit würde diese Summe auf eine halbe Milliarde Euro steigen.

PKV muss beteiligt werden

Wiethardt wiederholte in diesem Zusammenhang die Forderung der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), dass die privaten Kassen an den Kosten der gruppenprophylaktischen Maßnahmen beteiligt werden müssen. „Die gesetzlichen Krankenkassen halten es für einen untragbaren Zustand, dass sie die Kosten der Gruppenprophylaxe für alle Kinder – ob privat oder gesetzlich versichert – allein tragen müssen.“ Die GKV würde bei diesem Problem von der Politik und den zuständigen Ministerien allein gelassen. Eine Kritik, auf die Dr. Martina Bunge, Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, direkt antwortete. Sie sprach sich dafür aus, eine neue Initiative auf den Weg zu bringen und möglicherweise über den Bundesrat zu versuchen, diese Situation zu beenden. Im Grußwort von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zum Tag der Zahngesundheit wurden gleichzeitig Stärkung und Ausbau der Gruppen- und Individualprophylaxe gefordert. Das gelte insbesondere für die aufsuchende Prävention. Die Voraussetzungen hierfür, so die Ministerin, seien durch die Gesundheitsreform geschaffen.

Aufsuchende Prophylaxe

Dass eine aufsuchende Prophylaxe oft die einzige Chance sei, Kinder und Jugendliche mit hohem Kariesrisiko für die präventive Zahnheilkunde zu gewinnen, erläuterte Prof. Dr. Ulrich Schiffner vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Alle Überlegungen, die Mittel für die Gruppenprophylaxe zu reduzieren, seien ineffizient. Besonders eklatant sei dabei, dass mit der erreichten hohen Quote zahngesunder Kinder argumentiert würde, um solche Sparkonzepte zu rechtfertigen. Dies würde nicht nur den verbesserten Zahngesundheitszustand bei Kindern gefährden, sondern auch weitere notwendige Verbesserungen erschweren.

Kinder brauchen Vorbild

„Kinder lernen am schnellsten anhand eines Vorbildes, dem sie nacheifern können“, so Herbert Prange, Experte für Psychologie in der Medizin. Deswegen sei wichtig, ihnen verständlich zu machen, dass sie Mundgesundheit wichtig nehmen müssen und wie sie zu erreichen ist. Dabei sollte auch berücksichtigt werden, dass Mädchen anders zu motivieren sind als Jungen – und diese Unterschiede und Besonderheiten auch in der Prophylaxe zu berücksichtigen seien. Vor allem aber bestätigte Prange das Motto des diesjährigen Tages der Zahngesundheit: wie wichtig es ist, es sich zeigen zu lassen, wie man seine Zähne gesund hält.

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