Atemwegserkrankungen

Schärfere Waffen gegen COPD

230375-flexible-1900
Die Chronisch-obstruktive Atemwegserkrankung (COPD) gehört zu den kommenden führenden Todesursachen in Deutschland und steht schon heute an der Spitze der pulmonalen Morbidität. Auf dem Europäischen Atemwegskongress in Wien wurden nun verschiedene neue Medikamente zur Therapie der COPD vorgestellt.

Mit einem Ausschnitt aus dem Bild „Erfüllung“ von Gustav Klimt schmückte die Europäische Atemwegsgesellschaft (ERS) das Programm der diesjährigen Jahrestagung in Wien (Bild). Ob sich die drei großen Krankheitslasten, denen sich die ERS stellen muss (Asthma, COPD und Infektionen) wirklich mindern lassen, die vielen Wünsche von Ärzten und Patienten wirklich in Erfüllung gehen, wird die nächste Zeit zeigen.

Am meisten Bewegung herrscht auf dem Feld der COPD, deren Bedrohlichkeit leider noch immer verharmlost wird: 75 Prozent der Patienten in Europa sind entweder nicht oder als Asthmatiker fehldiagnostiziert. Verdachtsfälle lassen sich filtern nach folgenden Fragen: Rauchen oder Ex-Raucher? Alter über 40 Jahre? Chronischer Husten oder Atemnot, die sich im Winter, vor allem bei Erkältungen verstärken ?

Blutzoll des Rauchens

Die meisten Menschen, die durch Abbau der respirativen Kompetenz unter Atemnot leiden, haben in ihrem Leben jahrelang Zigaretten geraucht. Das zeigt Abbildung 1 deutlich: Stoppen Raucher erst beim Eintritt ihrer Beschwerden ihr Laster, ist der Verfall ihrer Lungenfunktion trotzdem kaum noch aufzuhalten. Angesichts des Heeres jugendlicher Raucher in Ländern wie Deutschland wundert es denn auch nicht, wenn die COPD schon im Jahre 2000 eine höhere Mortalitätsrate hatte als das Bronchialkarzinom und die übrigen führenden Todesursachen. Diese Last wird in den Jahren bis 2020 noch drückender (Abbildung 2).

Die direkten medizinischen Kosten der COPD werden als 50 Prozent höher als die von Asthma bronchiale und dreimal so hoch wie durch das Bronchialkarzinom geschätzt.

Besseres Antibiotikum

In einem eigenen Symposium stellte Bayer HealthCare die Ergebnisse einer großen Vergleichsstudie an Patienten mit COPD vor, die an einer akuten, ambulant erworbenen Infektion litten. 376 von ihnen wurden gegen die derzeitigen Standardmedikamente Amoxicillin (3 x 500 mg/die) beziehungsweise Clarithromycin (2 x 500 mg/die) oder Cefuroxim (2 x 250 mg/die) jeweils für sieben Tage oder aber mit einmal täglich 400 mg Moxifloxacin über fünf Tage behandelt (n = 354).

Die Ergebnisse der „A multicentre, multinational, prospective, randomized, double blind study to compare the effectiveness of Moxifloxacin Oral tablets to Standard oral antibiotic regimen given as first-line therapy in out-patients with Acute Infective exacerbations of Chronic bronchitis“ = MOSAIC-Studie zeigten unter Moxifloxacin einen anhaltend besseren Effekt auf die klinische und mikrobiologische Heilung als die Vergleichspräparate. Sowohl die Zeit bis zum nächsten Infekt wie auch der Verbrauch weiterer Medikamente waren deutlich verringert.

Damit rückt Moxifloxacin nach Ansicht der Fachleute in den Kreis der Medikamente auf, die in solchen Fällen zur Erstbehandlung geeignet sind.

Im Visier: Entzündung und Bronchokonstriktion

Ein offizielles Pressesymposium der ERS stellte zwei Neuentwicklungen der deutschen Firma Altana vor, die damit eine Chance erhält, nach Pioniertaten mit Theophyllin erneut Innovationen auf dem Sektor der Atemwegserkrankungen zu liefern.

Zunächst wurde Ciclesonid, ein neues inhalatives Kortikosteroid vorgestellt, das erst in der Lungenschleimhaut um den Faktor 100 aktiviert wird. Damit wird die Kortikoid-Belastung im Rachenraum und damit der Candida-Befall als entzündlicher Soor – eine oft Therapie limitierende Nebenwirkung von inhalativen Kortikoiden – bei gleicher Wirksamkeit drastisch minimiert. Ciclesonid ist als einmal täglich anzuwendender Spray in Europa bereits zugelassen, so dass damit gerechnet wird, dass es Anfang 2004 auch in Deutschland erhältlich sein könnte. Sein Haupteinsatz wird beim (kindlichen) Asthma liegen. COPD-Patienten werden von dem besseren Wirkungs-Nebenwirkungs-Verhältnis ebenfalls profitieren.

Direkt an der Bronchokonstriktion greift ein besonders selektiver Hemmstoff der Phosphodiesterase-4 (PDE-4-Hemmer) an, der ebenfalls bei Altana in der klinischen Prüfung steht: Roflumilast. Die Substanz zeigt in therapeutischer Dosierung über eine Hemmung von PDE-4 und damit einen Anstieg von cAMP (cyclisches Adenosinmonophosphat) eine Doppelwirkung: Eine Kortikoiden vergleichbare Entzündungshemmung durch Blockade wichtiger inflammatorischer Botenstoffe sowie eine Bronchodilatation unter Provokation mit Allergenen, die modernen Bronchodilatatoren nicht nachsteht. Auch diese Substanz wird inhaliert. Sie wirkt ebenfalls bei einmal täglicher Gabe.

Fazit

Die neuen therapeutischen Optionen bei COPD werden den Patienten die Qual ihrer Atemnot, des Hustens und der akuten Infektionen lindern helfen, eine Wiederherstellung der angegriffenen Lungenkompetenz ist aber auch dadurch nicht möglich.

So bleibt der dringliche Appell, Raucher nicht nur über ihr Krebs- und Herzinfarkt-Risiko aufzuklären, sondern auch auf die schleichende und irreversible Auslöschung der Atemfunktion hinzuweisen. Es darf nicht als persönliche Bagatelle toleriert werden, sich in aller Öffentlichkeit die Gesundheit zu ruinieren.

Till Uwe Keil

Melden Sie sich hier zum zm-Newsletter des Magazins an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Heft-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm Online-Newsletter und zm starter-Newsletter.