Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) – Zahlen für 2006

Ausbildung mit Hindernissen

Die Zahl der Ausbildungsstellen in Zahnarztpraxen ist stetig rückläufig. Wurden 1996 noch über 15 000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, waren es 2006 nur noch etwas mehr als 11 000. Doch der Trend wurde im letzten Jahr abgebremst. Klar ist erkennbar: Mangelnde Übernahmeperspektiven hemmen die Bereitschaft zur Ausbildung.

Die Gesundheitspolitik der letzten Jahre hat deutliche negative Folgen für den Ausbildungsbereich gezeigt. So nannten Zahnärzte in einer Umfrage des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB) als Hauptgrund, warum nicht ausgebildet wurde, die Befürchtung, den Azubi nach der Lehre aus finanziellen Gründen nicht übernehmen zu können.

Der rückläufige Trend von neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) hält zwar wie im Vorjahr auch im Jahr 2006 an, ist jedoch moderat und konnte vermindert werden. Bundesweit wurden in diesem Jahr zum 30. September insgesamt 11 332 Ausbildungsverträge für ZFA neu abgeschlossen (ABL: 9 932; NBL: 1.400). Gegenüber dem Vorjahr haben die Ausbildungszahlen damit im Durchschnitt um 2,73 Prozentpunkte abgenommen (ABL: -3,85 Prozent; NBL: +6,06 Prozent). Ausgehend von einem geringeren Ausgangswert, sind in den Neuen Bundesländern insgesamt erstmals seit 2001 wieder deutliche prozentuale Zugewinne zu verzeichnen.

Trotz einer sich insgesamt abzeichnenden Stabilisierung der Ausbildungszahlen variieren die Zahlen einzelner Kammerbereiche zum Teil erheblich um den Durchschnittswert. Stabile Werte bei den neuen Ausbildungsverhältnissen finden sich unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen.

Zugewinne gab es in Berlin, Saarland, Thüringen, Brandenburg, Bremen und Schleswig-Holstein. Sachsen, Hessen, Bayern unter anderem hatten Verluste zu verzeichnen.

Soziales Pflichtgefühl

30 Prozent der vom Bundesverband der Freien Berufe (BFB) im Rahmen seines „Ausbildungsberichtes 2006“ befragten Zahnärzte gaben an, nicht auszubilden aus Sorge, den Azubi nach der Lehrzeit nicht übernehmen zu können. „Jede Kollegin und jeder Kollege übernimmt mit der Ausbildung eine hohe soziale Verantwortung. Leider sind aber auch oftmals viele Bewerberinnen auf Grund mangelnder schulischer Leistungen und fehlender sozialer Kompetenz nicht für diesen verantwortungsvollen Beruf geeignet“, so Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK.

33 Prozent der Kollegen finden keine geeigneten Bewerber und 23 Prozent empfinden die eigene Ausbildungsleistung als zu aufwändig und teuer. „Das kann daran liegen“ so Dr. Michael Sereny, Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen und für zahnärztliche Mitarbeiterinnen zuständiges Vorstandsmitglied der BZÄK, „dass die Azubis der Praxis wegen der Berufsschule effektiv nur drei Tage pro Woche zur Verfügung stehen“. Es sind viel Engagement, Zeit und ein gut funktionierendes Team erforderlich, um eine gute Ausbildung zu gewährleisten. Insgesamt 29 Prozent der Kollegen decken ihren Personalbedarf dann auch dadurch, dass sie schon ausgebildete Minijobber oder Fachkräfte einstellen. Als niedergelassene Zahnärzte wissen Oesterreich und Sereny um die wirtschaftliche Situation ihrer Kollegen. Sie waren deshalb von den Ergebnissen des BFB-Ausbildungsberichts nicht überrascht: „Die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen und damit die wirtschaftliche Situation spielen in den Praxen natürlich eine Rolle bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen.“

Vorausschauende Planung

Über den Zeitraum der letzten 10 Jahre ist eine kontinuierliche Abnahme von Einzelpraxen bei gleichzeitiger Zunahme von Gemeinschaftspraxen zu beobachten. Hier sind zwar Effizienzeffekte bei der Personalplanung zu beobachten, die sich auch auf die Einstellung von Auszubildenden auswirken. Für Kollegen jedoch, denen in der Einzelpraxis die Ausbildung als zu teuer erscheint, besteht die Möglichkeit der Verbundausbildung. Mit ihr können sich mehrere Zahnärzte einen Azubi teilen, der dann in jeder der Praxen einen Teil seiner Ausbildung absolviert. Um einem künftigen Fachkräftemangel vorausschauend entgegenzuwirken – die demographische Entwicklung lässt erkennen, dass ab 2010 ein deutlicher Rückgang bei den Jahrgangszahlen der Jugendlichen, die für die Ausbildung zur Verfügung stehen werden, eintritt – sollten sich auch die Freien Berufe ohne sozialen Druck das Motto der gewerblichen Wirtschaft „Ausbilden geht vor Übernahme“ zu eigen machen, damit ein qualifizierter und am Bedarf der zahnärztlichen Praxen in Deutschland orientierter Mitarbeiter/Innen-Nachwuchs gewährleistet wird.

Verlässlichkeit erforderlich

Zahnarztpraxen sind nach wie vor ein wichtiger Arbeitsplatzgarant und ein Motor der beruflichen Ausbildung in Deutschland. „Eine Über-Bedarfs-Ausbildung erfordert jedoch strukturelle Verbesserungen der Standortbedingungen für die Zahnarztpraxen. Dafür sind sowohl Kostenentlastungen als auch bildungs- und gesundheitspolitische Verlässlichkeit notwendig“, so Oesterreich. Sereny ergänzt: „Wer mehr will, der muss Grundsätzliches ändern.“ Insoweit stellen die Ausbildungszahlen der letzten Jahre nur eine um die Über-Bedarfs-Ausbildung bereinigte Ausbildungsleistung dar und sind damit ein Spiegelbild der permanenten Kostendämpfung im Gesundheitswesen, die eine langfristige Personalplanung in den Praxen erheblich erschwert.

Dr. Sebastian ZillerLeiter der Abt. Prävention undGesundheitsförderung der BZÄKChausseestrasse 13, 10115 Berlin

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