Konservierende Zahnheilkunde

Erhöhter Hg-Gehalt im Blutplasma bei Patienten mit Amalgamfüllungen

Im Blutplasma bei Patienten mit Amalgamfüllungen wurden erhöhte Quecksilberkonzentrationen gemessen. Dies führt allerdings nicht zu einer Steigerung der gesamtantioxidativen Aktivität des Organismus.

Seit über 150 Jahren finden Amalgamfüllungen Verwendung in der Zahnmedizin. Obwohl dieses Füllungsmaterial aus allgemeingesundheitlicher Sicht nicht bedenklich ist, verliert das Amalgam zunehmend an Ansehen, nicht zuletzt wegen dessen Quecksilbergehalt. Dentales Amalgam enthält ungefähr 50 Prozent Quecksilber und andere Metalle wie Silber, Kupfer und Zinn. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Amalgambestandteile – vor allem das Quecksilber – auch im Blutplasma zu finden sind. Die Aufnahme von Quecksilber kann auf unterschiedliche Weise vonstatten gehen: durch Verschlucken, wobei nur kleine Mengen des Amalgams im Gastrointestinaltrakt absorbiert werden, und beim Aspirieren durch das respiratorische System, wobei rund 80 Prozent des Quecksilbers ins Blut übergehen und mit dem Blutstrom zu unterschiedlichen Geweben transportiert werden können. Dabei verbindet sich das Quecksilber mit den Thiolgruppen der Plasmaproteine. Dies führt zur Bildung von sogenannten reaktiven Sauerstoffderivaten (ROS), die eine Schädigung der Membranlipide und der Membranproteine sowie eine DNA-Fragmentation verursachen können. Den wichtigsten Schutzmechanismus gegen die reaktiven Sauerstoffderivate stellt das antioxidative Abwehrsystem des Organismus dar. Dieses System besteht aus unterschiedlichen Enzymen, deren Wirkung als gesamt-antioxidative Aktivität (TAA) bezeichnet wird. Die TAA kann somit als Indikator für die im Plasma vorhandenen ROS betrachtet werden. In der vorliegenden Studie wurde der Effekt von Amalgamrestaurationen auf den Quecksilber-Plasmagehalt und die TAA untersucht. Hierzu wurden 48 Patienten (33 mit, 15 ohne Amalgamrestaurationen) im Alter zwischen 20 und 32 Jahren rekrutiert. Bei allen Studienteilnehmern wurde eine Blutuntersuchung durchgeführt. Der Quecksilber-Plasmagehalt wurde mittels Atomabsorptionsspektrometrie (AAS) und die TAA mithilfe des Antioxidant-Assay-Kits gemessen. Die statistische Auswertung erfolgte anschließend mittels eines t-Tests. Der Quecksilbergehalt des Plasmas (P-Hg) zeigte signifikant höhere Werte bei den Patienten mit Amalgamrestaurationen im Vergleich zu den Probanden ohne Amalgamfüllungen (p<0,01). Die TAA zeigte allerdings in beiden Untersuchungsgruppen keine statistischen Unterschiede (p>0,05) sowie keine signifikante Korrelation zwischen TAA und P-Hg (p>0,05). Darüber hinaus wurde eine positive Korrelation zwischen P-Hg und der Anzahl der Amalgamrestaurationen (p<0,01), der Gesamtzahl der mit Amalgam gefüllten Zahnflächen (p<0,05) sowie der Anzahl der okklusalen Flächen von Amalgamfüllungen festgestellt. Auch zwischen diesen Parametern und der TAA zeigte sich keine signifikante Korrelation. Die Autoren der Studie schlussfolgern daraus, dass das dentale Amalgam zwar eine bedeutende Quelle für das im Plasma enthaltene Quecksilber darstellt, es jedoch nicht dessen gesamte oxidative Aktivität beeinflusst. Unter der Annahme, dass die TAA das Gesamtbild der im Plasma vorhandenen reaktiven Sauerstoffderivate widerspiegelt, scheint die Freisetzung des Quecksilbers aus Amalgamrestaurationen keine ernstzunehmende oxidative Wirkung auf den Organismus zu besitzen.

Dr. Michael WolginCharité - Universitätsmedizin BerlinCharitéCentrum 3 für Zahn-,Mund- und KieferheilkundeAbt. für Zahnerhaltungskundeund ParodontologieAßmannshauser Str. 4-614197 Berlinmichael.wolgin@charite.de

Quelle: Özdabak H.N, Karaoðlanoðlu S, Akgül N, Polat F, Seven N. The effects of amalgam restorations on plasma mercury levels and total antioxidant activity. Arch Oral Biol 2008;53:1101-1106.

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