Bundeskonferenz der BZgA

Mobil bleiben

Die Arbeitswelt, die Gestaltung öffentlicher Räume, medizinische Versorgung im Alter: Diese Themen standen bei der dritten Bundeskonferenz der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Berlin im Fokus. Gemeinsam mit dem PKV-Verband startet die BZgA im Herbst das Programm „Altern in Balance“.

„Pflege ist das Megathema der Zukunft“, brachte Dr. Volker Leienbach, Direktor des PKV-Verbands, es in seiner Rede salopp auf den Punkt. „Deshalb engagiert sich die private Krankenversicherung auch für die Gesunderhaltung im Alter, damit die Menschen in Deutschland möglichst gar nicht oder zumindest erst spät pflegebedürftig werden.“

Leienbach spielte damit auf das – vom PKV-Verband finanzierte – neue Projekt der BZgA „Altern in Balance“ an. Der Verband will sich nach eigenen Angaben künftig stärker in der Pflege und Präventionsarbeit engagieren. Man wolle die körperliche Bewegung, die geistige Aktivität und die soziale Teilhabe älterer Menschen fördern. Denn, so die Kalkulation der Kasse, wer bis ins Alter fit bleibt, hat alle Chancen, die Pflegebedürftigkeit aufzuschieben oder ganz zu vermeiden. Auf der Konferenz wurde Leienbach konkreter: „Wir wollen die ganze Versorgungskette in der Pflege begleiten.“ Im Zentrum des Interesses stehe dabei die Betriebsvorsorge, beispielsweise Zusatzversicherungen, im Mittelstand. „Dort muss noch eine Menge geschehen.“

In deutschen Unternehmen steigen laut BZgA sowohl Anzahl als auch Bedarf an älteren Mitarbeitern kontinuierlich an. Auch im Ruhestand engagieren sich demnach ältere Menschen zunehmend in vielfältigen Lebensbereichen – derzeit seien es rund 45 Prozent.

Bewegungsfreiheit schafft Selbstständigkeit

Auch Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA, begrüßte die Kooperation mit dem PKV-Verband: „Ich freue mich sehr, dass sich die PKV in diesem wichtigen Gesundheitsbereich engagiert.“ Bewegungs- und Mobilitätsförderung spielten für den Erhalt von Selbstständigkeit eine besonders große Rolle. Pott erklärte, diese würden bereits bei alltäglichen Bewegegungen, wie Treppensteigen oder Fahrrad fahren, beginnen. „Wer mobil ist, kann sich selbst versorgen und weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilnehmen“, bekräftigte die Direktorin.

Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Ingrid Fischbach (CDU), betonte, das die Gesundheitsförderung bei älteren Menschen ein wichtiger Bestandteil der Präventionspolitik sei. Ziel des derzeit vorbereiteten Präventionsgesetzes sei daher, „die Lebensbereiche der Älteren zu erreichen, etwa Kommunen, Einrichtungen der Altenhilfe und Betriebe“. In dem Zusammenhang wolle man zudem die Risiken des Alters, wie den Missbrauch von Alkohol und Medikamenten berücksichtigen.

Neben den positiven Facetten des Alter(n)s müsse allerdings auch das Krankheitsrisiko berücksichtigt werden, das sich jenseits des 60. Lebensjahres deutlich erhöhe. Obgleich viele chronische Erkrankungen durch den moderaten Einsatz körperlicher Aktivität hinausgezögert oder sogar verhindert werden können, werde die gesundheitsfördernde Wirkung von Bewegung noch viel zu selten erreicht. Demzufolge bewegten sich derzeit etwa 80 Prozent der 60- bis 79-Jährigen nicht ausreichend.

Nach der Schule ins Seniorenheim

Auf die Einführung folgten zwei Hauptredner: der Gerontologe Andreas Kruse und der Pharmazeut Gerd Glaeske. Kruse forderte in seinem Vortrag „Alt werden, aktiv bleiben, unabhängig leben“ neben der sozialen und der Bewegungsebene die kognitiven Bedürfnisse älterer Menschen nicht zu vergessen. Da helfe nur häufiges Training: „Wer seinen Grips regelmäßig anstrengt, der baut auch weniger davon ab“, scherzte Kruse. Dies ließe sich im Alltag beispielsweise durch öffentliche Begegnungsmöglichkeiten realisieren. Ganz konkret stellt sich Kruse Zusammentreffen von über 80-Jährigen mit Teenagern in Gemeindehäusern vor. „Die haben sich viel zu sagen“, ist er sich sicher. So könnten die Älteren beispielsweise den Jüngeren bei ihren Hausaufgaben helfen, mit ihnen Bewerbungen schreiben oder Deutsch lernen.

Kruses Kernbotschaft war die Erhaltung der Unabhängigkeit im Alter. Glaeske kündigte zu Beginn seiner Rede an, über das Gegenteil, die Einschränkung von Unabhängigkeit, zu sprechen. Sein Thema: Medikamentenabhängigkeit im Alter. Das Missbrauchspotenzial liegt seiner Meinung nach in der nachlässigen Verschreibungspflicht: Von insgesamt 1,55 Milliarden Medikamenten seien nur 850 Millionen ärztlich verordnet. Rund 700 Millionen Medikamente würden ohne ärztliche Aufsicht eingenommen. Gerade ältere Menschen würden oft zu den nichtverschreibungspflichtigen Mitteln greifen: „Doch viele denken dabei nicht daran, dass Klosterfrau Melissengeist 80 Prozent Alkohol enthält“, erinnert Glaeske.

Problematisch sei auch das „saubere Image“ von Antidepressiva und Schlaftabletten. Viele Ärzte würden sie daher bedenkenlos verschreiben. Glaeske macht jedoch dem einzelnen Arzt keinen Vorwurf, sondern der oft ungenügenden Kooperation: „Viele Abhängigkeiten entstehen nur, weil Kollegen verschreiben, ohne sich abzusprechen.“

Wichtig sei auch, dass Ärzte und Apotheker eng zusammenarbeiten. In diesem Zusammenhang empfiehlt Glaeske die 4-K-Regel: „Kleine Packungen, kurze Dauer, klare Indikation und eine korrekte Dosierung.“

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