Leitartikel

Strukturen optimieren – Gemeinwohl herausstellen

Dietmar Oesterreich
,
Peter Engel
,
Christoph Benz

Die Bundeszahnärztekammer hat sich im Vorfeld der Bundestagswahl im September in ihren „Gesundheitspolitischen Perspektiven 2017 bis 2021“ mit ihren Forderungen für ein zukunftsfestes Gesundheitswesen positioniert. Wir wollen ein freiheitliches, zukunftsorientiertes Gesundheitswesen – basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen moderner Zahnmedizin und mit dem Patienten im Mittelpunkt. Die Kammern als Organe der Selbstverwaltung sind dabei eine zentrale Schaltstelle: Sie sind dem Gemeinwohl verpflichtet und wirken als Moderatoren zwischen Zahnärzten und Patienten, aber auch zwischen der Öffentlichkeit und der Politik.

Es liegt auf der Hand, dass diese Aufgabenstellung einem stetigen gesellschaftlichen Wandel unterliegt – und weiterentwickelt werden muss, wenn man die freiberufliche Berufsausübung unserer Kollegen weiterhin stärken und unterstützen will. Wir müssen uns den Veränderungen stellen: Das gilt etwa für die Herausforderungen einer immer älter werdenden Bevölkerung, die nach entsprechenden Versorgungsbedarfen verlangt. Deregulierungsbestrebungen aus Europa stellen gar die Sinnhaftigkeit des Kammerwesens grundsätzlich infrage. Im nationalen Bereich erfolgen immer mehr Eingriffe in die Selbstverwaltung. Und nationale Entwicklungen wie die Versozialrechtlichung der Berufsausübung, die Ökonomisierung der Zahnmedizin oder die steigenden Bürokratielasten in den Praxen greifen immer mehr in den Arbeitsalltag des Zahnarztes ein.

Zur Gemeinwohlorientierung des Berufsstands gehört unserem Selbstverständnis nach die Verpflichtung, das Aufgabenspektrum der Kammern gemäß dieser gesellschaftspolitischen Herausforderungen weiterzuentwickeln, ohne dabei die Interessen der Zahnärzte aus den Augen zu verlieren. Hier ist die Bundeszahnärztekammer seit Jahren aktiv, hat Trends gesetzt und Entwicklungen angestoßen. So haben wir beispielsweise in der Klausurtagung der BZÄK 2015 in Stuttgart ein Programm („Stuttgarter Erklärung“) zur Zukunft der Kammern beschlossen, das auch den Kolleginnen und Kollegen zugute kommen soll. Die BZÄK versteht sich als internes Netzwerk, das die Kooperation unterschiedlicher Kammern fördert und die Vernetzung von Aufgaben vorantreibt. Der Vorstand arbeitet daran, Soll- und Ist-Zustände zu identifizieren, bestehende Standards zu aktualisieren und bundeseinheitlich neue Standards zu setzen. Es geht darum, den Gemeinwohlauftrag der Kammer nicht einfach nur fortzuschreiben, sondern von Grund auf zu modernisieren und mit Leben zu füllen.

Verschiedene Arbeitsgruppen – geleitet von Vorstandsmitgliedern unter Einbindung des Sachverstands der Kammern – sind aktiv und arbeiten an ausgewählten Themen. Konkret geht es zum Beispiel um folgende Bereiche:

• die Modernisierung des Gutachter- und Schlichtungswesens

• die zahnärztliche Fortbildung und Kompetenzsicherung – etwa in Form einer zeitgemäßen Musterfortbildungsordnung

• den Austausch über Patienteninformationen

• neinen besseren Service für die Kammermitglieder (zum Beispiel Unterstützung bei der Dokumentation, Informationen zur GOZ oder zur Stärkung des zahnärztlichen Berufsbildes). Dazu läuft derzeit eine Umfrage bei den Kammern.

Auf der Klausurtagung des Vorstands vom 16.6. bis 18.6. konnten in diversen Fragen erste Zwischenergebnisse präsentiert werden. Zu all diesen Themenfeldern werden die Beratungen in den nächsten Wochen fortgeführt.

Es gilt, neue Aufgaben herauszufiltern, Strukturen zu optimieren und für die Kollegenschaft, das Praxisteam wie auch für die Patienten die Vorteile des Kammerwesens herauszustreichen. Und dabei politische Strömungen und das Gemeinwohl fest im Auge zu behalten. Das Ganze ist Teil eines Prozesses, der sich den Zukunftsthemen des Berufsstands stellt. Wer klug ist, führt gute Traditionen fort. Noch klüger ist, wer diese Traditionen an aktuellen Veränderungen ausrichtet.

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