Dental-Emergency-Team

Die vergessenen Flüchtlinge von Chios

Alexander Schafigh
,
Armin Reinartz
Die Insel Lesbos steht paradigmatisch für alle Versäumnisse und das Elend der Flüchtlingskrise. Dass es auf den anderen griechischen Inseln nicht anders aussieht, weiß fast keiner. Entsprechend unterrepräsentiert ist auch die zahnmedizinische Versorgung im Lager Vial auf Chios. Um mehr zu erreichen, unterstützen sich die NGOs hier gegenseitig. Die Hilfe für die zum Teil schwer traumatisierten Menschen läuft an. Zahnmedizin war bisher nicht vorgesehen.

Chios ist mit etwa 51.000 Einwohnern die fünftgrößte Insel Griechenlands. Durch die unmittelbare Nähe zur Türkei – die Stadt Cesme liegt nur sieben Kilometer entfernt – kommen hier seit 2015 kontinuierlich Geflüchtete an. Untergekommen sind die Menschen in einer alten Aluminium-Fabrik, etwa neun Kilometer entfernt von der Inselhauptstadt Chios im Landesinneren, fernab jeglicher Infrastruktur.

Während sich die Aufmerksamkeit der Welt vor allem auf die Insel Lesbos richtet, verschwinden die Menschen hier nahezu vom Radar, obwohl sie unter den gleichen unwürdigen Bedingungen leben. Wer eine Präsenz von Hilfsorganisationen, freiwilligen Unterstützern und Journalisten erwartet, irrt: Die Gruppe der Helfer hier ist sehr überschaubar. Personen, die hier länger im Einsatz sind, berichten, dass einige große Hilfsorganisationen kurz auf der Insel auftauchten, darüber medienwirksam berichten ließen – und dann wieder verschwanden. Mit Chios lasse sich kein Geld machen, Lesbos sei besser fürs „Charity-Image“, erzählte man uns, als wir ankamen. Als wäre Lesbos der symbolische Ort der Flüchtlingskrise Europas, während andere Inselküsten wissentlich übersehen werden. 

An den schlimmsten Tagen kamen fast 45 Boote

An den schlimmsten Tagen sind hier fast 45 Boote mit jeweils bis zu 50 Menschen an Bord an den Stränden angekommen. Momentan sind es weniger, da die griechische Küstenwache die vorherrschende Pandemie als Grund nutzt, alle ankommenden Boote durch Push-Backs in die Türkei zurückzudrängen. Auf der Insel leben aktuell circa 1.800 geflüchtete Menschen, vornehmlich aus Afghanistan, Syrien und Afrika. Zu Spitzenzeiten waren es bis zu 10.000. Die Menschen leben in Containern und einfachen selbst gezimmerten Behausungen rund um die ehemalige Produktionshalle, in der sich die Lageradministration, das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) und die Asylbehörden befinden.

Dental Emergency Team e. V.

Aus „Health-Point-Foundation Support Germany e. V.“ wurde „Dental Emergency Team e. V.“

Nach dem Rückzug der Hauptorganisation Health-Point-Foundation aus Griechenland wurde der Name geändert, um Missverständnisse zu vermeiden. Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt, so dass Zuwendungen steuerlich begünstigt sind. Für Interessierte besteht die Möglichkeit einer Fördermitgliedschaft, um den Verein kontinuierlich zu unterstützen.

Ebenso wie die medizinischen Versorgungseinrichtungen, die unter anderem durch die baskische NGO „Humanitarian Maritime Rescue Association“ (SMH) betrieben werden. Das kleine Team kümmert sich in der Sanitätsstation Tag und Nacht um die medizinischen Belange der Geflüchteten. Die Versorgung von Wunden und Krankheiten wie zum Beispiel der weit verbreiteten Skabies beziehungsweise Krätze, die Betreuung von chronischen Allgemeinerkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die psychologische Betreuung der mitunter schwer traumatisierten Menschen stehen im Vordergrund der Behandlungen.

So schnell wie möglich soll behandelt werden 

Am 13. Mai dieses Jahres machte sich unser Team – mit uns als Vorstandsmitgliedern unseres Vereins Dental-Emergency Team e. V. – auf den Weg nach Chios, um die Möglichkeit der Eröffnung einer Zahnstation vor Ort zu recherchieren. Im Vorfeld hatten Gespräche mit verschiedenen Organisationen vor Ort stattgefunden, die den Bedarf der zahnmedizinischen Behandlung als sehr dringlich einschätzten. Die Geflüchteten auf Chios haben nur im äußersten Notfall Zugang zum örtlichen Krankenhaus. Eine zahnmedizinische Betreuung ist an sich nicht vorgesehen. In der Vergangenheit wurden die zahnmedizinischen Behandlungen, die absolut unaufschiebbar waren, von der SMH und einer norwegischen Privatinitiative (One Family – No Borders) finanziert.

In Kooperation mit der SMH wurden in einem Container neben der Krankenstation zwei Behandlungseinheiten installiert und die Station mit allem Nötigen ausgestattet. So schnell wie möglich sollen die Behandlungen nachgeholt werden.  

Helfen Sie mit!

Um auch auf Chios eine kontinuierliche zahnmedizinische Betreuung anbieten zu können, suchen wir Kolleginnen und Kollegen, die bereit sind, in der Zahnstation im Flüchtlingslager Vial zu arbeiten. Gesucht werden Zahnärztinnen und Zahnärzte mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung, im Team mit einem erfahrenen Kollegen auch mit weniger. Zahnmedizinstudierende und Zahnmedizinische Fachangestellte sind herzlich willkommen zur Unterstützung.

Bei der Unterbringung sowie bei allen anderen Fragen ist das Team behilflich. Eine Vor-Ort-Betreuung ist durch die Partner-Organisation, die die Klinik betreibt, gewährleistet. Die Einsatzzeit sollte im Minimum eine Woche sein, länger ist wünschenswert. Die Arbeitszeiten sind in aller Regel von 15:30 bis circa 20 Uhr, vormittags wird der Bereich von den Asylbehörden benutzt.

Ein solches Projekt, das leider keinerlei staatliche Unterstützung erfährt, finanziert sich nicht von selbst und ist auf Spenden angewiesen. Geld- und Materialspenden sind jederzeit herzlich willkommen.

Melden Sie sich bei: 
Dr. Armin Reinartz, Dr. Alexander Schafigh, 
Dental Emergency Team e. V.,
dental-emt@web.de

Spendenkonto:
Dental Emergency Team apoBank
IBAN: DE35 3006 0601 0007 6168 41
BIC: DAAEDEDDXXX

49835-flexible-1900

Dr. Alexander Schafigh

1. Vorsitzender Dental EMT
138527-flexible-1900

Dr. Armin Reinartz

2. Vorsitzender Dental EMT

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