Dentaltechnik in Nepal
Seit über 20 Jahren werden unsere Projekte von Studierenden und Lehrkräften des Fachs Medizintechnik der Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) in Jena mitgetragen. Geplant war daher, dass Sandeep Chaudhary, Student der Medizintechnik an der EAH, diese Hilfsaktion im Rahmen seiner Bachelorarbeit betreut. Bedienungs- und Wartungsanleitungen sowie ein Videomanual für die Geräte waren bereits ins Nepalesische übersetzt.
Mit dem Dentallabor nahm die Arbeit Fahrt auf
Einer unserer Schwerpunkte ist die Verbesserung der Standards der zahnmedizinischen Behandlung für nepalesische Patienten: Behandlungseinheiten und Materialien wurden dorthin gebracht, Zahnärzte in Kathmandu weitergebildet und zwei junge nepalesische Frauen von 1998 bis 2000 bei Gehse-Dental in Jena ausgebildet, die inzwischen an der Chhatrapati Free Clinic das erste Dentallabor des Landes betreiben. Über viele Jahre wurden dafür Materialien von der Firma Dentaurum kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Zusammen mit Kollegen reiste ich damals für Workshops regelmäßig nach Kathmandu. Im Anschluss luden wir nepalesische Zahnärzte nach Deutschland ein, um ihnen hier prothetische und kieferorthopädische Therapiemethoden zu zeigen. Mehr als ein Dutzend Zahntechniker und fast 30 Medizintechniker packten in Nepal mit an, um die beiden Frauen Sapana und Anjali zu unterstützen und die technischen Geräte der Klinik am Laufen zu halten. Die nepalesischen Zahnmediziner schauen ähnlich ungläubig auf die Anfänge unseres Projekts zurück, wie wir es tun.
Der Aufbau eines Dentallabors war ein nicht zu unterschätzender Impuls für die Entwicklung einer moderneren Zahnmedizin in Nepal. Bis Sapana und Anjali ihre Arbeit in Kathmandu aufnahmen, mussten die wenigen prothetischen Arbeiten der 100 Zahnärzte, die in den 1990er-Jahren den 20 Millionen Patienten gegenüberstanden, im Nachbarland Indien gefertigt werden.
Die Metalltöpfchen kamen als Kronen zurück
Die Abformungen, oft mit Alginat oder minderwertigen und kontraktionsfreudigen Silikonen vorgenommen, brauchten etliche Tage, wenn nicht Wochen durch die heiße indische Tiefebene, um in ein Labor zu gelangen. Der Weg der „Metalltöpfchen“, die als Kronen zurückkamen, dauerte oft bis zu zwei Monaten. Zur Eingliederung, so wurde uns berichtet, war fast ein immer ein Hämmerchen erforderlich.
Mit dem Chhatrapati Dental Lab kam nun erstes zahntechnisches Know-how nach Nepal. Seitdem besteht die Möglichkeit, Patienten mit Verblendkronen und Metallgussprothesen zu versorgen. Was jetzt noch fehlt, ist die klinische Erfahrung.
Dr. med. Joachim Hoffmann
Implantarium, Gemeinschaftliche Zahnarztpraxis in Jena
post@implantarium.de








