„Kein Verkauf von Nikotinbeuteln in Deutschland!“
„Eine Aufhebung des Verbots wäre aus Sicht des Jugend- und Gesundheitsschutzes das falsche Signal“, schreiben die 62 Unterzeichner, darunter die Bundeszahnärztekammer (BZÄK). „Mit großer Sorge beobachten wir deshalb konkrete Bestrebungen, die Zulassung des Verkaufs von Nikotinbeuteln in Deutschland voranzutreiben.“
„Wir appellieren an die Bundesregierung: Keine Liberalisierung von Nikotinbeuteln. Das bestehende Verbot des Inverkehrbringens muss im Interesse des Jugend- und Gesundheitsschutzes beibehalten und konsequent durchgesetzt werden.“
Bündnis aus Verbänden, Organisationen und Fachgesellschaften
Nikotinbeutel dürfen in Deutschland derzeit aufgrund ihrer Einordnung als neuartige Lebensmittel nicht in den Verkehr gebracht werden.
„Das Verbot muss bestehen bleiben. Eine Aufhebung würde die Verfügbarkeit, Sichtbarkeit und Vermarktungsmöglichkeiten dieser Nikotinprodukte erhöhen und damit den Einstieg in den Nikotinkonsum erleichtern, insbesondere auch für Menschen, für die andere Tabak- und Nikotinprodukte bislang nicht attraktiv sind“, heißt es in dem Appell.
Zugleich würde sie die Anstrengungen zur Prävention von Nikotinabhängigkeit, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, erschweren.
Besorgniserregend ist die Verbreitung unter jungen Menschen
Besonders besorgniserregend sei die Verbreitung von Nikotinbeuteln unter Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) hatten im Jahr 2025 bereits 5,5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen sowie 18,9 Prozent der 18- bis 25-Jährigen Erfahrungen mit Nikotinbeuteln gemacht.
Nikotin kann insbesondere bei Kindern und Jugendlichen die Gehirnentwicklung beeinträchtigen. Unabhängig vom Alter birgt der Konsum zudem kardiovaskuläre Risiken; auch Schädigungen der Mundgesundheit durch Nikotinbeutel sind bereits bekannt.
Die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen des Konsums von Nikotinbeuteln könnten derzeit noch nicht ausreichend beurteilt werden, so das Bündnis weiter. Auch die Nikotinaufnahme könne erheblich sein.
Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) können Nikotinbeutel Nikotinspiegel im Blut erzeugen, die mit denen nach dem Konsum einer herkömmlichen Zigarette vergleichbar sind. Bei hochdosierten Produkten würden sogar höhere Werte festgestellt.
Nikotinbeutel werden gezielt attraktiv gemacht
Die gesundheitlichen Risiken würden dadurch verschärft, dass Nikotinbeutel insbesondere für junge Menschen attraktiv vermarktet werden. Über soziale Medien und eine jugendaffine Produktgestaltung würden sie als Lifestyleprodukte präsentiert.
Fruchtige Aromen sowie die Möglichkeit eines geruchsfreien und diskreten Konsums würden die Hemmschwelle für den Gebrauch zusätzlich senken. Gerade die Kombination aus hoher Nikotinaufnahme, einfacher und diskreter Anwendung sowie einer auf junge Zielgruppen ausgerichteten Vermarktung sei aus Sicht des Jugend- und Gesundheitsschutzes besonders problematisch. Eine größere Verfügbarkeit und stärkere Sichtbarkeit von Nikotinbeuteln würde diese Entwicklung zusätzlich begünstigen.
Nikotinbeutel sind neuartige, tabakfreie Nikotinprodukte, die meist zwischen Lippe und Zahnfleisch platziert werden. Obwohl Nikotinbeutel keinen Tabak enthalten, ermöglichen sie die Aufnahme teilweise erheblicher Mengen des Wirkstoffs Nikotin. In Belgien und den Niederlanden wurde der Verkauf von Nikotinbeuteln untersagt. Frankreich hat ein weitreichendes Verbot oraler Nikotinprodukte eingeführt.


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