„Wir werden die Praxis abwickeln!“
Wie es aussieht muss das dreigeschossige Gebäude kernsaniert werden, weil sich der verbaute Kalksandstein mit dem ölkontaminierten Ahrwasser vollgesogen hat“, berichtet Jung. „Allein dafür wird man schon ein bis eineinhalb Jahre rechnen müssen“, erklärt der 67-Jährige desillusioniert.
Aktuell hat das Gebäude keinen Aufzug, die Barrierefreiheit ist für eine Neuzulassung aber notwendig. Eine Investition, die die Miteigentümer nicht mittragen wollen. Das Erdgeschoss nutzt eine Apotheke, in den Obergeschossen sind Wohnungen. Ein Gebäudeteil, in dem eine Arztpraxis untergebracht war, musste aufgrund der Zerstörungen abgerissen werden. Ein Schicksal, das immer noch auch dem restlichen Gebäude droht.
Er hofft jetzt auf die Fluthilfe des Bundes
Mitte August haben vier Baugutachter Bohrproben vom Beton genommen, um den Kontaminationsgrad zu bestimmen. Bis zur Entscheidung, ob saniert oder abgerissen wird, können noch Wochen vergehen. So lang wird es wohl auch dauern, bis Jung von seiner Elementarschadenversicherung eine Ersatzzahlung, „wahrscheinlich zwischen dem Neu- und dem Zeitwert“ für das zerstörte Inventar, erhält. Den Selbstbehalt hofft er über die Fluthilfe des Bundes erstattet zu bekommen.
20 bis 30 Stunden würde er noch arbeiten
„Seine Damen“ hätten die Entscheidung zur Praxisaufgabe „sehr kollegial“ aufgenommen, erklärt Jung, der sich durchaus vorstellen kann, seine Tätigkeit nicht ganz dranzugeben. „Ich habe mich erst einmal als Vertretung bei der Landeszahnärztekammer gemeldet, könnte mir aber auch vorstellen, 20 bis 30 Stunden pro Woche einen Kollegen zu unterstützen. Wenn sich das ergibt, ist es gut – wenn nicht, dann halt nicht.“
Spannend bleibe außerdem, was mit dem Haus passiert, an dem seine Frau Dr. Monika Wegmann-Jung, Zahnärztin im Ruhestand, einen Miteigentumsanteil hält. Fällt das Gutachten negativ aus, verschwindet das Haus. So wie das Auto, das von der Ahr einfach weggespült und bis heute nicht gefunden worden ist.





