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Als ZFA mit „Zahnärzte ohne Grenzen” auf den Kapverden

„Das war ganz sicher nicht mein letzter Einsatz!“

Adelina Haksteter
Viele Jahre geisterte die Idee durch meinen Kopf, bis ich schließlich an dem Punkt angelangt war, an dem ich mir sagte: Wenn nicht jetzt, wann dann? Inzwischen war ich bereits zweimal als „Active Dentist Helper” für die Organisation „Zahnärzte ohne Grenzen” auf den Kapverden.

Eine ehemalige Kollegin hatte mir von den humanitären Einsätzen der Organisation „Dentists without Limits Federation“ (DWLF), auch bekannt als „Zahnärzte ohne Grenzen“, erzählt. Zu dieser Zeit arbeitete ich als Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) in einer Praxis in Krefeld.

Sie schlug mir vor: „Lass uns doch mal zusammen einen Einsatz machen!“ Zuerst blieb es bei der Idee. Doch die Vorstellung, Menschen in strukturschwachen Regionen unentgeltlich zahnmedizinisch zu versorgen, ließ mich auch Jahre später nicht los. Immer wieder schob ich die Teilnahme aus den unterschiedlichsten Gründen auf, bis ich schließlich an dem Punkt angelangt war, als ich mir sagte: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ich informierte mich intensiv über die Arbeit der Organisation und las Erfahrungsberichte von Einsatzhelfern. Kurz darauf rief ich die Geschäftsstelle an. Das Gespräch verlief anders als geplant: Spontan ließ ich mich für einen Einsatzzeitraum eintragen. Nach dem Telefonat schwankten meine Gefühle zwischen Vorfreude und Nervosität, begleitet von der Unsicherheit, was mich tatsächlich erwarten würde.

Der erste Schritt war getan, nun gab es für mich kein Zurück mehr. Es folgten die Beantragung eines Führungszeugnisses sowie die Übersetzung und Beglaubigung des Helferinnenbriefs. Um das Einsatzteam bereits im Vorfeld kennenzulernen, richteten wir eine WhatsApp-Gruppe ein, in der wir uns austauschten und die Abläufe besprachen. Es tat gut zu wissen, dass auch die anderen ähnliche Fragen oder Unsicherheiten hatten wie ich.

Schließlich machte ich mich 2024 zum ersten Mal als zahnmedizinische Assistenz, die vor Ort „Active Dentist Helpers“ genannt werden, auf den Weg nach Santiago, der größten kapverdischen Insel.

Die rund eine halbe Million Einwohner des kleinen Staates verteilen sich auf einer vulkanischen Inselgruppe vor der Küste Nordwestafrikas. Sie sprechen Kreol oder Portugiesisch. Zahnmedizinisch sind sie unterversorgt, da nur knapp 20 Zahnärzte auf den Inseln tätig sind, die Hälfte in Privatpraxen.

Vor allem auf den kleineren Inseln ist der Zugang stark eingeschränkt, da es meist keine öffentliche zahnärztliche Versorgung gibt. Für einen Zahnarztbesuch müssen viele auf eine größere Insel reisen, was für den Großteil der Bevölkerung unerschwinglich und logistisch schwierig sein kann. In öffentlichen Gesundheitseinrichtungen gibt es praktisch keine restaurative Zahnmedizin. Behandlungen beschränken sich oft auf Extraktionen. Die Zahlung erfolgt bar und aus eigener Tasche.

Der orale Gesundheitszustand vieler Patientinnen und Patienten ist häufig stark beeinträchtigt: Umfangreiche kariöse Läsionen und multiple Wurzelreste sind keine Seltenheit. Der Fokus der Einsätze liegt daher ganz klar darauf, akute Beschwerden zu lindern und Präventionsarbeit zu leisten. Dabei muss unter Bedingungen gearbeitet werden, die von den hygienischen Standards in Deutschland abweichen. Für mich persönlich stellten diese Umstände aber keine besondere Herausforderung dar.

Zahnmedizinisch sind die Inseln unterversorgt

Ein Patient ist mir während meiner Einsätze besonders im Gedächtnis geblieben: Bei ihm mussten gleich neun Wurzelreste in einer einzigen Sitzung entfernt werden. Während man in Deutschland mehrere Termine planen würde, bevorzugen die Menschen vor Ort eine einmalige, umfassende Behandlung – „Lieber einmal Schmerzen, dann ist es vorbei“, ist die Denkweise vor Ort. Das bedeutet auch, dass manchmal in allen vier Quadranten gleichzeitig anästhesiert wird, was hierzulande eher seltener vorkommt.

Unsere Arbeit vor Ort ähnelte im Kern der Tätigkeit einer ZFA in Deutschland: Behandlungsvorbereitung, Assistenz, Hygienemanagement. Bei meinem ersten Einsatz gehörten wir zudem zur Startgruppe in der Stadt Cidade Velha. Das hieß für uns: Kisten auspacken und die Zahnstation einrichten.

Da mir die Arbeit und der Aufenthalt dort so gut gefallen haben, habe ich mich für das darauffolgende Jahr direkt noch einmal für einen Einsatz auf den Kapverden eingetragen. Beim zweiten Einsatz im Ort Fazenda war unser Team die Schlussgruppe. Das bedeutete, dass nach dem Einsatzende alle Materialien und Gegenstände für die nächste Einsatzgruppe sicher verstaut werden mussten, damit diese alles für ihren Einsatz in einem anderen Ort zur Verfügung hatten.

Unsere Arbeitsatmosphäre war geprägt von gelassener Freundlichkeit, Teamgeist und einem völlig anderen Arbeitstempo – frei von dem Zeitdruck, den wir aus deutschen Praxen kennen. Ganz nach dem kapverdischen Motto: „No stress!“

Teamgeist, Freundlichkeit – und frei von Zeitdruck

Unvergesslich waren für mich die Schulbesuche. Zum Abschluss eines zweiwöchigen Einsatzes besucht man in der Regel am letzten Einsatztag eine Schule. Im Mittelpunkt steht dabei die Prävention: Kindgerecht und spielerisch wird erklärt, wie Zähne richtig gepflegt werden. Die Kinder sind sehr interessiert und neugierig, wenn die unbekannten Besucher aus Deutschland in ihrer weißen Arbeitskleidung auftauchen. Zum Schluss gibt es immer noch kleine Aufmerksamkeiten, über die sich die Kinder riesig freuen. Diese Momente waren für mich ein persönlicher Herzensmoment.

Zum Abschluss möchte ich all jenen Mut machen, die wie ich damals zögern, weil sie Angst vor dem Ungewissen oder vor einer Reise mit zunächst unbekannten Kolleginnen und Kollegen haben. Diese Bedenken sind zwar verständlich, aber unbegründet. Es lohnt sich – für die Menschen vor Ort, aber auch für einen selbst. Man wächst über sich hinaus, sammelt prägende Erfahrungen und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag für Menschen, die dringend Hilfe benötigen. Mein Resümee nach zwei Einsätzen: Es werden ganz sicher nicht die letzten gewesen sein.

Die Organisation „Zahnärzte ohne Grenzen e. V. / Dentists without Limits Federation” wurde 2004 zunächst als Stiftung gegründet und wird seit 2018 als eingetragener Verein geführt. Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, findet weitere Informationen unter www.dwlf.org. Für eine erste Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail oder ein Anruf.

Adelina Haksteter

ZFA und Sachbearbeiterin
bei der KZV Nordrhein

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