Die drängenden Probleme
In den ersten Wochen des noch jungen Jahres war schon viel los. Auch in der deutschen Gesundheitspolitik beschäftigt man sich an höchster Stelle mit den wirklich wichtigen Fragen. Sicherung der GKV-Finanzierung, Zukunft der Krankenhäuser oder gar GOÄ-/GOZ-Reform? Nein, der deutsche Kanzler hat das wirklich drängende Problem der telefonischen Krankschreibung und des damit aus seiner Sicht einhergehenden Missbrauchs angemahnt und eine bizarre Diskussion losgetreten, in der sich Ärztevertreter, Krankenkassenfunktionäre und Gesundheitspolitikerinnen und -politiker landauf, landab mit widersprüchlichen Einschätzungen zu Wort melden. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat angekündigt, die Thematik prüfen zu wollen. Wirklich glücklich wirkte sie mit der von ihrem Chef angestoßenen Diskussion allerdings nicht.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde es mehr als befremdlich, wenn sich der deutsche Regierungschef angesichts der Weltlage (Ukraine-Krieg, Unruhen im Iran und Annexionsfantasien des US-Präsidenten) mit dem Modus der Krankschreibung in Deutschland beschäftigt, als hinge davon Wohl und Weh dieses Landes ab. Natürlich darf man sich über den Krankenstand in Deutschland Gedanken machen, aber wenn man beim Bürokratie-Abbau – dazu darf man die telefonische AU durchaus zählen – sofort wieder Sorge um eine offenbar geringe Anzahl von Missbrauchsfällen hat und alles durchregulieren will, werden wir kaum vorankommen.
Bei den zm hingegen geht es voran. In der Titelgeschichte beschäftigen wir uns diesmal mit der seltenen, genetisch bedingten Stoffwechselerkrankung Hypophosphatasie. Diese wird für Zahnärztinnen und Zahnärzte häufig früher sichtbar als für andere Ärzte. Insbesondere ein vorzeitiger (Milch-)Zahnverlust ist charakteristisch und sollte Anlass geben, gezielt nach der Grunderkrankung zu forschen. Gleichzeitig fehlen robuste Studiendaten. Wir stellen drei Studien vor, die potenzielle Risikomarker, den Einfluss von Vitamin D sowie die aktuelle Evidenzlage zur Versorgung beleuchten. Außerdem sprechen wir mit drei Experten, wie man die unspezifischen Warnzeichen, die sich häufig zuerst im Mund manifestieren, erkennen kann. Sie schildern, worauf es in Praxis und Diagnostik ankommt – und welche Fallstricke Zahnärztinnen und Zahnärzte umgehen sollten.
In unserem besonderen Fall mit CME geht es um die Frage: Zyste oder Ameloblastom? Denn radiologisch kann sich ein Ameloblastom zunächst als unauffällige, zystische Läsion darstellen. Der Fall zeigt, wie erst die histo- und molekularpathologische Untersuchung zur Diagnose eines BRAF-V600E-positiven Ameloblastoms führte. Und weshalb eine strukturierte, langfristige Nachsorge erforderlich ist.
Gehören Sie auch zu denen, die mit guten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet sind? Mehr Sport und Bewegung stehen dabei oft ganz oben auf der Liste. Das mit dem Beruf zu vereinbaren ist nicht immer ganz einfach. Wir stellen eine große Praxis vor, die Sport in ihr betriebliches Gesundheitsmanagement integriert hat. Und um nicht abstrakt zu bleiben, zeigen wir konkrete Rückenübungen für die Praxis. So bleiben Sie länger fit im Job.
Noch ein langes Berufsleben vor sich hat vermutlich auch Nils Kuhlmann. Der 22-Jährige aus Kassel dürfte der jüngste Zahnarzt Deutschlands sein (falls es noch jüngere gibt, bitte melden!). Wir sprachen mit ihm über seinen konsequenten Einstieg ins Studium, ins Berufsleben und die anstehende Promotion.
Zudem fragten wir einen Juristen, wie man sich verhalten sollte, wenn ein Patient versucht, einen zu erpressen – etwa wenn er mit verunglimpfenden Bewertungen im Internet droht. Norman Buse, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und gewerblichen Rechtsschutz, gibt ganz konkrete Tipps.
Viel Spaß bei der Lektüre
Sascha Rudat
Chefredakteur




