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KZV und Zahnärztekammer zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz

„Es braucht einen sachlichen Dialog für eine zukunftsfähige zahnmedizinische Versorgung!“

Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März werden die Weichen für die Gesundheitspolitik der nächsten Jahre gestellt. Zu den Problemen der Zahnärzteschaft und den Erwartungen an die Landespolitik äußern sich Dr. Christine Ehrhardt, Vorsitzende des Vorstands der KZV Rheinland-Pfalz, und Sanitätsrat Dr. Wilfried Woop, Präsident der LZK Rheinland-Pfalz.

Wie ist es um die zahnmedizinische Versorgung in Rheinland-Pfalz bestellt?

Dr. Christine Ehrhardt (KZV): Nach Einschätzung des Landesausschusses der Zahnärzte und Krankenkassen ist derzeit kein Planungsbereich in Rheinland-Pfalz unterversorgt oder von einer drohenden Unterversorgung betroffen. Gleichwohl beobachten wir, dass das Netz an Zahnarztpraxen insbesondere in ländlichen und strukturschwächeren Regionen zunehmend ausdünnt. Immer weniger Kolleginnen und Kollegen entscheiden sich für eine Niederlassung im ländlichen Raum, während der Trend zur Anstellung, vor allem in Ballungszentren, weiterhin ungebrochen ist.

Dr. Wilfried Woop (LZK): Um die Zahn- und Mundgesundheit der gut vier Millionen Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer kümmern sich aktuell gut 3.000 Zahnärztinnen und Zahnärzte. Die Versorgungsdichte in Städten und größeren Mittelzentren ist durchweg gut, während es sich in einigen ländlich geprägten Regionen zunehmend schwieriger gestaltet, Nachbesetzungen für Praxen zu finden, die aus Altersgründen aufgegeben werden.

Welche Themen beschäftigen die Zahnärztinnen und Zahnärzte in Rheinland-Pfalz?

Ehrhardt: Ein zentrales Thema für die Zahnärztinnen und Zahnärzte in Rheinland-Pfalz ist der zunehmende Fachkräftemangel. In letzter Zeit erreichen uns vermehrt Rückmeldungen aus den Praxen, dass Behandlungszeiten reduziert werden müssen oder Kolleginnen und Kollegen ihre Praxis früher als geplant aufgeben, weil qualifiziertes Personal fehlt.

Woop: Die gleichen, die den Berufsstand auch bundesweit beschäftigen: ein Übermaß an Bürokratie, das unsere Praxen lähmt, und die Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden. Dazu stark steigende Betriebskosten bei Beschränkungen auf der Einnahmeseite durch einen seit nunmehr vier Jahrzehnten stagnierenden GOZ-Punktwert und gedeckelte Honorare im GKV-Bereich.

Mit welchen Schwierigkeiten kämpft die Zahnärzteschaft in Rheinland-Pfalz?

Ehrhardt: Neben dem Fachkräftemangel stellt die überbordende Bürokratie eine große Belastung dar. Die Praxen verlieren sich zunehmend im Dickicht aus Dokumentationspflichten und Vorschriften. Dadurch gehen wertvolle Zeit für die Patientinnen und Patienten sowie dringend benötigte Arbeitskraft verloren. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist diese Ressourcenverschwendung nicht länger hinnehmbar. Hinzu kommt eine vielfach praxisunfreundliche Digitalisierung. Wir benötigen nutzerfreundliche, stabile Lösungen mit echtem Mehrwert für die Praxen und die Patientenversorgung statt unausgereifter Anwendungen mit zu kurzen gesetzlichen Fristen und Sanktionen.

Woop: Diese habe ich mit der vorhergehenden Frage bereits benannt, die Bürokratie ragt dabei heraus, weil sie nicht nur ohne einen entsprechenden Nutzen die Kosten in die Höhe treibt, sondern weil sie auch die Personalsituation in unseren Praxen verschärft, indem sie personelle und zeitliche Ressourcen bindet. Diese Zeit wird der Patientenbehandlung entzogen.

Welche Forderungen haben Sie an die Landespolitik?

Ehrhardt: Die Landespolitik betont regelmäßig ihr Ziel, gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen und ländliche Regionen für junge Menschen wieder attraktiver zu machen. Dafür braucht es jedoch mehr als Lippenbekenntnisse. Notwendig sind konkrete Maßnahmen, etwa in den Bereichen Kinderbetreuung und Schulen, digitale Infrastruktur, Mobilität sowie wohnortnahe Versorgungsangebote. Diese Faktoren sind entscheidende Stellschrauben, um ländliche Regionen für junge Kolleginnen und Kollegen lebenswert zu gestalten und einem weiteren Praxissterben entgegenzuwirken. Darüber hinaus erwarten wir von der Landespolitik eine stärkere Wertschätzung für die Leistungen der Zahnärzteschaft. Statt ideologisch geprägter Debatten, überholter Klischees und Neidargumente braucht es einen sachlichen Dialog und verlässliche Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige zahnmedizinische Versorgung.

Woop: Wir erwarten von unserer Landesregierung, dass sie an all den Stellen, an denen ein Bürokratieabbau auf Landesebene ohne Einbußen bei der Patientensicherheit möglich ist, diesen auch vorantreibt. Außerdem die Fortführung unseres konstruktiven Austauschs sowie unserer Kultur der ständigen gegenseitigen Ansprechbarkeit.

Die Fragen stellte Anne Orth.

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