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Aus der Wissenschaft

Die prothetische Restauration beeinflusst periimplantäre Erkrankungen

Florian Beuer
Langfristig gesunde periimplantäre Weichgewebe sind ein entscheidender Faktor für den nachhaltigen Erfolg implantologischer Therapien. Eine aktuelle Langzeitstudie zeigt: Die Gestaltung der transmukosalen Emergenz stellt einen relevanten Risikofaktor für periimplantäre Erkrankungen dar. Insbesondere der koronale Emergenzwinkel scheint dabei eine Schlüsselrolle zu spielen.

Periimplantäre Erkrankungen entstehen multifaktoriell. Neben mikrobiellen, chirurgischen und patientenbezogenen Einflüssen rücken zunehmend implantat- und prothetikbezogene Faktoren in den Fokus. Die Geometrie der transmukosalen Emergenz kann sowohl die Biofilmretention als auch die mechanische Belastungsverteilung beeinflussen und damit die Stabilität der periimplantären Gewebe modulieren. Eine Arbeitsgruppe um Vivianne Chappuis (Universitätszahnklinik Bern) hat dazu aktuelle Daten vorgestellt.

Untersuchungsaufbau (Material und Methode)

In einer monozentrischen Querschnittsstudie wurden 332 Einzelzahnimplantate (166 Bone-Level, 166 Tissue-Level) bei 266 Patienten (132 Männer, 134 Frauen; mittleres Alter 60 ± 17 Jahre) untersucht, die zwischen 2011 und 2014 inseriert worden waren. Bei Bone-Level-Implantaten wurde die Implantatschulter, bei Tissue-Level-Implantaten der Übergang zwischen maschinierter und rauer Oberfläche mindestens 0,5 mm subkrestal positioniert. Es kamen Implantate eines Herstellers mit Durchmessern von 3,3 mm und 4,1 mm zum Einsatz. Berücksichtigt wurden ausschließlich Einzelzahnversorgungen außerhalb der Molarenregion. Die mittlere Liegedauer betrug 11,2 Jahre.

Erfasst wurden klinische Parameter (periimplantäre Gesundheit, Mukositis, Periimplantitis), radiologische Befunde (krestales Knochenniveau) sowie die transmukosale Emergenzgeometrie (Profil, Emergenzwinkel auf zwei Ebenen, Plattformhöhe). Die statistische Auswertung erfolgte mittels multivariater Regressionsanalysen.

Ergebnisse

Ein signifikanter Zusammenhang zeigte sich zwischen dem koronalen Emergenzwinkel (Level 2, siehe Abbildung 3) und periimplantären Erkrankungen: Mit zunehmendem Winkel stieg die Prävalenz von Mukositis. Zudem waren Emergenzwinkel von mehr als

  • 30° bei Bone-Level-Implantaten und

  • 48° bei Tissue-Level-Implantaten


konsistent mit periimplantären Erkrankungen assoziiert. Ein größerer Implantatdurchmesser stellte einen unabhängigen Risikofaktor für Periimplantitis dar (OR 3,82). Das krestale Knochenniveau war signifikant günstiger bei Tissue-Level-Implantaten sowie bei größerer Plattformhöhe.

Diskussion

Die Ergebnisse unterstreichen die klinische Relevanz der prothetischen Gestaltung im transmukosalen Bereich, deren Einfluss möglicherweise bislang unterschätzt wurde. Während der Emergenzwinkel klar mit entzündlichen Veränderungen assoziiert war, zeigte sich im multivariaten Modell kein unabhängiger Zusammenhang mit dem krestalen Knochenverlust. Dies spricht dafür, dass die Emergenzgeometrie primär die Biofilmakkumulation und damit entzündliche Prozesse beeinflusst.

Bemerkenswert ist zudem der signifikante Einfluss des Implantatdurchmessers. Größere Durchmesser gingen mit einer erhöhten Periimplantitisprävalenz einher. Dies unterstützt die Hypothese, dass die Dimension und die Qualität des periimplantären Weich- und Hartgewebes entscheidend für die biologische Stabilität sind – bei gleichzeitig notwendiger Berücksichtigung mechanischer Anforderungen.

Die besseren Knochenniveaus bei Tissue-Level-Implantaten und größerer Plattformhöhe könnten durch einen größeren Abstand des Implantat-Abutment-Interfaces zum krestalen Knochen sowie eine stabilere Weichgewebsbarriere erklärt werden. Die Ergebnisse sind jedoch vor dem Hintergrund des retrospektiven Designs und der Durchführung in einem hochspezialisierten universitären Setting vorsichtig zu interpretieren.

Was bedeuten die Ergebnisse für die tägliche Praxis?

Die Studie verdeutlicht die zentrale Rolle der prothetischen Gestaltung für den Langzeiterfolg implantologischer Versorgungen:

  • Große Emergenzwinkel sollten vermieden werden.

  • Eine flache, kontrollierte Emergenz ist biologisch günstiger.

  • Die vertikale Dimension (Plattform- beziehungsweise Abutmenthöhe) sollte gezielt berücksichtigt werden.

  • Große Implantatdurchmesser im Front- und im Prämolarenbereich sind kritisch zu hinterfragen.

Raabe C, Fonseca M, Chappuis V, Avila-Ortiz G, Rodrigues DM, Galindo-Moreno P, Couso-Queiruga E. Association of Transmucosal Emergence Geometry and Peri-Implant Diseases Prevalence Around Bone- and Tissue-Level Implants: A Cross-Sectional Study. Clin Oral Implants Res. 2026 Apr 12. doi: 10.1111/clr.70131.

Florian Beuer

Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer

CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Abteilung für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin
Aßmannshauser Str. 4-6, 14197 Berlin

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