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Aus der Wissenschaft

Wirkt die adjuvante häusliche aPDT bei der UPT?

Die Autoren stellten die Hypothese auf, dass bei Patienten in der UPT eine professionelle Instrumentierung in Kombination mit regelmäßiger häuslicher „Dual-Light aPDT“ durch den Patienten selbst die Last des supragingivalen Biofilms verringert und so die Entzündung beeinflusst, wodurch die parodontalen klinischen Parameter verbessert werden können. © Koite Health Oy
Søren Jepsen
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Dass Firmen die Wirksamkeit ihrer Produkte wissenschaftlich belegen wollen, ist legitim. Vertrauen entsteht, wenn eine solche Studie unabhängig designt und durchgeführt wurde. Bei dieser Arbeit aus Finnland zur häuslichen Applikation einer aPDT (Lumoral) haben zwei Anteilseigner des Lumoralherstellers Koite Health Oy mitgewirkt. Da die Idee der aPDT prinzipiell interessant ist, haben wir uns die Studie dennoch angesehen.

Die antimikrobielle photodynamische Therapie (aPDT) wird im Rahmen der S3-Leitlinie zur Behandlung der Parodontitis Stadium I–III nicht empfohlen und auch ein sehr umfangreiches, aktuelles Cochrane-Review [Jevøe-Storm et al., 2024] bescheinigt eine schwache Evidenzlage für deren professionelle Anwendung. Die jetzt veröffentlichte randomisierte klinische Studie (RCT) bewertete erstmals den ergänzenden Effekt und die Sicherheit wiederholter, zu Hause durch den Patienten applizierter „Dual-Light aPDT“ auf die parodontalen Behandlungsergebnisse in der Phase der unterstützenden parodontalen Erhaltungstherapie (UPT).

Die Autoren stellten die Hypothese auf, dass bei Patienten in der UPT eine professionelle Instrumentierung in Kombination mit regelmäßiger häuslicher „Dual-Light aPDT“ durch den Patienten selbst die Last des supragingivalen Biofilms verringert und so die Entzündung beeinflusst, wodurch die parodontalen klinischen Parameter verbessert werden können.

Material und Methode

200 Parodontitispatienten in den Stadien I–III in der UPT erhielten randomisiert entweder eine professionelle Instrumentierung aller Taschen mit Sonderungstiefen ≥ 4 mm sowie Mundhygieneinstruktionen allein oder aber in Kombination mit zusätzlicher häuslicher „Dual-Light aPDT“.

Die „Dual-Light aPDT“ wurde einmal täglich durch die Patienten durchgeführt, indem 30 ml einer Mundspüllösung (250 mg/ml Indocyanine Green) für zehn Minuten mittels eines Applikatormundstücks aktiviert wurden, das Licht der Wellenlängen 405 und 810 nm emittiert. Die Blutung auf Sondierung (BOP), der sichtbare Plaqueindex (VPI), die Anzahl der Stellen mit ≥ 4 mm parodontaler Sondierungstiefe (PPD) und der klinische Attachmentlevel (CAL) wurden zu Baseline (vor Instrumentierung) sowie nach drei und sechs Monaten gemessen. Die Veränderung des BOP war die primäre Zielgröße.

Ergebnisse

Von den 200 randomisierten Patienten schlossen 184 alle Besuche ab.

  • Zur Baseline waren die Gruppen hinsichtlich BOP, VPI und PPD vergleichbar.

  • Nach drei und sechs Monaten wurde in der Testgruppe (mit adjuvanter Doppellichttherapie) ein niedrigerer BOP (12,6 ± 0,7 Prozent und 12,0 ± 0,8 Prozent) erreicht als in der Kontrollgruppe (17,8 ± 0,8 Prozent und 17,3 ± 1,0 Prozent); p < 0,0001 und p < 0,0002 sowie ein niedriger VPI (8,5 ± 0,7 Prozent und 9,7 ± 0,8 Prozent gegenüber 13,3 ± 0,8 Prozent und 14,2 ± 1,0 Prozent); p < 0,0005 und 0.0142.

  • In der Testgruppe fanden sich außer­dem weniger Messstellen mit PPD ≥ 4 mm (5,6 ± 0,7 und 5,3 ± 0,6 gegenüber 7,6 ± 1,2 und 7,8 ± 0,9); p = 0,02 und p = 0,02.

  • Insgesamt wurde eine gute Verträglichkeit der adjuvanten Testbehandlung konstatiert, nur sieben Teilnehmer in der Testgruppe brachen diese ab.


Fazit und Bedeutung für die Praxis

Wie lassen sich diese Ergebnisse einordnen? Den Autoren zufolge könnte die regelmäßige häusliche Doppellicht-Therapie eine vielversprechende Ergänzung zu bestehenden Homecare-Strategien darstellen und einen Fortschritt für adjuvante UPT-Verfahren bedeuten. Allerdings führen sie selbst einige Limitationen ihrer Studie aus: Die parodontale Erkrankung der Teilnehmer war bereits gut kontrolliert und sie wiesen zumeist nur leichte Entzündungszeichen, nur wenige tiefere Taschen sowie eine gute Compliance hinsichtlich ihrer häuslichen Mundhygiene auf.

Die klinische Relevanz der statistisch erzielten Unterschiede zwischen den Gruppen kann diskutiert werden. Auch ist eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Patienten mit stärkerer Entzündung und schlechterer Mundhygiene nicht ohne weiteres möglich. Eine Verblindung des Untersuchers gegenüber der Gruppenzuteilung – eine sehr wichtige Voraussetzung zur Reduktion des Verzerrungsrisikos in einem RCT – hatte nicht stattgefunden.

Damit ist die Studie mit einem hohen „Risk of bias“ behaftet, was ihre Evidenzstärke deutlich schwächt. Anzumerken ist weiterhin, dass aus der Erklärung von Interessenkonflikten zu entnehmen ist, dass sowohl der Seniorautor als auch der Studienleiter Aktienanteile an der finnischen Herstellerfirma besitzen.

Darüber hinaus ist festzuhalten, dass eine Kosten-Nutzen-Berechnung und -abwägung aussteht und weitere wichtige patientenbezogene beziehungsweise -berichtete Endpunkte wie Zufriedenheit und mundgesundheitsbezogene Lebensqualität ebenfalls noch nicht vorliegen. Vor dem Hintergrund, dass die UPT eine zumeist (lebens-)lange Therapiephase darstellt, dürften diese Aspekte aber eine große Auswirkung auf die langfristige Compliance der Patienten mit dieser zeitaufwendigen ergänzenden Hygienemaßnahme haben.

Pakarinen S, Välimaa H, Heikkinen AM, et al. A randomized controlled trial of home-applied dual-light photodynamic therapy during supportive periodontal care (HOPE-CP study). J Periodontol. 2026;1-12. https:/doi.org/10.1002/jper.70082

Univ.-Prof. Dr. med. dent. Dr. med. Søren Jepsen

Poliklinik für
Parodontologie, Zahnerhaltung und
Präventive Zahnheilkunde,
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kiefer-
heilkunde, Universitätsklinikum Bonn
Welschnonnenstr. 17, 53111 Bonn

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