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„Zahnärzte ohne Grenzen“ in Sambia

Zusammenhalt in Twikatane

Sybille Keller
Gemeinsam sind wir stärker! Deshalb haben wir, die Zahnärzte ohne Grenzen – die „Dentists Without Limits Federation“ (DWLF) – uns mit dem Verein „Twikatane“ zusammengeschlossen. Seit über einem Jahr setzen wir uns in Sambia für die Bildung von Schulkindern und ihre Zahngesundheit ein.

Vor knapp zehn Jahren konnte dank der privaten Initiative der rheinischen Familie Deinert in Kabwe, Sambia, die Twikatane-Schule gebaut werden. Seit 2017 findet dort Unterricht statt. Was einst mit zwei ersten Klassen begann, hat sich inzwischen zu einem lebendigen Bildungszentrum entwickelt. Seit Beginn des Schuljahres 2026 lernen dort rund 660 Schülerinnen und Schüler – in vier Vorschulklassen sowie in den Klassenstufen 1 bis 8.

Wir von „Zahnärzte ohne Grenzen“ unterstützen dieses Projekt mit der ­kostenlosen zahnmedizinischen Betreuung der Schulkinder und ihrer Familien. Dafür stehen in der „Dental Clinic“ im „Twikatane­ House“ neu errichtete Praxisräume und Unterkünfte zur Verfügung, die europäischen Standards in nichts nachstehen. Die DWLF stellt sowohl die Behandlungseinheiten als auch das zahnmedizinische Fachpersonal vor Ort. Jeden Monat kann sich ein vierköpfiges Team im Rahmen eines 14-tägigen Hilfseinsatzes engagieren – ehrenamtlich und weitgehend auf eigene Kosten. Ein Reisekostenzuschuss ist jedoch möglich, und auch die Einsatzzeiträume sind flexibel gestaltbar.

Warum Sambia?

Sambia gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Rund 60 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der ­nationalen Armutsgrenze, legt man den internationalen Maßstab von 5,50 US-Dollar pro Tag an, sind es über 90 Prozent. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt.

Der Schulbesuch an staatlichen Grundschulen ist seit 2002 offiziell kostenlos. Doch indirekte Kosten – Uniformen, Schulmaterialien, Transport – bleiben für viele Familien unüberwindbare Hürden. Die Folgen sind gravierend: Nur vier Prozent der Zweitklässler erreichen die staatliche Mindest-Lesekompetenz. 42 Prozent der Mädchen im Sekundarschulalter gehen nicht zur Schule, häufig wegen früher Heirat oder Schwangerschaft.

Kabwe, die zweitgrößte Stadt des Landes und Standort der Twikatane-Schule, ist von extremer Armut geprägt. Die Kinder kommen größtenteils aus den umliegenden Compounds – informellen Siedlungen mit Lehmhäusern, ohne fließendes Wasser und oft ohne Stromanschluss.

Füllungen gehören endlich zum Standard

Zuletzt reisten Mitte April vier Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland nach Kabwe. Sie kontrollierten die ­Zähne der Kinder, führten Weiterbehandlungen und professionelle Zahnreinigungen durch, legten Füllungen und versiegelten Kinderzähne.

Die Kinder begegneten den Helferinnen und Helfern mit großer Neugier und suchten beim gemeinsamen Mittagessen – einem traditionellen Maisbrei mit Gemüse, Bohnen und Würstchen – begeistert den Kontakt.

Dank der regelmäßigen Einsätze gehören Mundhygieneschulungen und zahnerhaltende Maßnahmen wie Füllungen mittlerweile zunehmend zum Standard – anstelle von den bis dahin üblichen Extraktionen.

Seit Herbst 2025 gibt es auch einen zahntechnischen Laborarbeitsplatz. Dadurch können wir inzwischen nachhaltigere Versorgungen anbieten und müssen uns nicht mehr nur auf schnelle Notlösungen beschränken.

Eine Prothese ist oft die Voraussetzung für einen Job

Die Herstellung von Prothesen rückt so ebenfalls in den Mittelpunkt unserer Arbeit. Denn: Eine Prothese erfüllt in Afrika nicht nur ästhetische Zwecke, sondern ist häufig eine entscheidende Voraussetzung für eine berufliche Anstellung – etwa in der Tourismusbranche.

Unser nächstes Ziel ist die Anschaffung eines digitalen Röntgengeräts, um künftig auch weiterführende Behandlungen durchführen zu können. Die notwendige Genehmigung des Gesundheitsministeriums wurde uns bereits erteilt.

Darüber hinaus ist es uns wichtig, die Menschen vor Ort nachhaltig zu fördern. So sammelte ein früheres Einsatzteam Mittel für das Universitätsstudium des ausgesprochen begabten angehenden Zahnmediziners Maxwell Mwiinga. Einen großen Teil seiner Ausbildung hat er inzwischen erfolgreich absolviert. Nun hoffen wir, weitere Unterstützerinnen und Unterstützer für die Finanzierung der verbleibenden Studiengebühren und seiner Miete in den letzten Semestern zu finden.

Ein Projekt wie Twikatane bleibt leider nicht von Rückschlägen verschont. Im vergangenen Sommer wurde die ­Region von einem Unwetter bislang unbekannten Ausmaßes getroffen. Auch die Schule und unsere Klinikräume standen unter Wasser. Glücklicherweise kamen keine Menschen zu Schaden. Unser empfindliches Behandlungsmaterial konnte gerade noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die notwendige Verstärkung der Photovoltaikanlage wurde zugleich mit einer Erweiterung verbunden, sodass die Zahnklinik heute über eine stabile und gesicherte Stromversorgung verfügt.

Das Fazit nach einem Jahr: Über 3.000 Leistungen

Im ersten Jahr unserer Zusammenarbeit, 2025, konnten wir bereits mehr als 3.000 Einzelleistungen erbringen. Im laufenden Einsatzjahr möchten wir diese Zahl auf 6.000 steigern. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der Prophylaxe – darauf sind wir besonders stolz.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

TWIKATANE e.V.
IBAN: DE28 3705 0198 1958 0906 05
Sparkasse KölnBonn

Zahnärzte ohne Grenzen e.V.
IBAN: DE16 5206 0410 0005 0161 69
Evangelische Bank, Kassel

Unsere Einsatzteams sind hochmotiviert, bringen ihr Fachwissen mit und schätzen die Möglichkeit, über den eigenen Praxisalltag hinauszublicken. Für viele von uns ist es ein großer Antrieb, die schulische Ausbildung so vieler Kinder mit zahnmedizinischer Hilfe unterstützen zu können.

Die rechtliche Grundlage für die DWLF-Einsätze bildet das Memorandum of Understanding mit dem Gesundheitsministerium Sambias. Weitere Informationen finden Sie unter www.twikatane.de und www.dwlf.org.

Dr. med. Sybille Keller

Präsidentin
Zahnärzte ohne Grenzen
Dentists Without Limits Federation (DWLF)

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