Mundhygiene in der Pflege
Der demografische Wandel in Deutschland sowie die Tatsache, dass ältere Menschen dank der Prophylaxe zum Teil noch eigene Zähne haben, ist eine Herausforderung, der wir uns in Zukunft zunehmend stellen müssen. Der Stellenwert der Mundpflege ist in vielen Pflegeeinrichtungen leider nicht allzu hoch und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind damit oft überfordert, da die Zahn- und Mundpflege in der Ausbildung meist zu kurz kommt.
Aufmerksam wurde ich auf dieses Thema erst durch eine Patientin, die mit ihrer Tochter zur Professionellen Zahnreinigung in unsere Praxis kam. Die Patientin war schwer demenzkrank, die Behandlung war folglich entsprechend herausfordernd. Nach einem Gespräch mit der Tochter im Anschluss stellte sich heraus, dass für die Mundhygiene der Patientin eine wöchentliche Zuzahlung geleistet wird. Die Umsetzung dieser Leistung empfand ich als wenig zufriedenstellend.
Herausforderung Mundhygiene in der Pflege
Kurz darauf erhielt ich einen Anruf der Heimleitung besagter Patientin, die mich darum bat, das Personal der Einrichtung in Sachen Mundhygiene zu schulen. Diese verantwortungsvolle Aufgabe nahm ich gerne an. Nicht bewusst war mir allerdings, dass der Schulungsbedarf weit über korrektes Zähneputzen hinausging: Mehrere Wochen setzte ich mich mit dem neuen Expertenstandard auseinander und beschäftigte mich mit Themen wie Dysphargie, Xerostomie, palliative orale Stimulation und ähnlichem.
Dabei stellte ich fest, dass dieses Thema völlig untergeht – sei es bei uns in den Zahnarztpraxen, in den Pflegeeinrichtungen oder zuhause bei Angehörigen, die ihre Liebsten pflegen. Denn Mundhygiene in der Pflege bedeutet weit mehr als den Zahnersatz herauszunehmen, zu reinigen und wieder einzusetzen – es handelt sich hierbei mittlerweile meist um hochwertige Versorgungen mit Implantaten oder Teleskoparbeiten. Zum Teil kommen die Bewohnerinnen und Bewohner aber auch vollbezahnt in die Pflege, was bei der Mundpflege ebenfalls zu berücksichtigen ist.
Eine weitere Herausforderung der stationären Pflege ist der Mangel an Pflegekräften, deren Anzahl seit Jahren sinkt. Bei vielen Pflegekräften handelt es sich zudem um Quereinsteiger, die ihre Arbeit mit viel Herzblut ausüben und ohne deren Unterstützung die vulnerablen Bewohnerinnen und Bewohner in der gegebenen demographischen Situation nicht genug betreut werden könnten. Jedoch fehlen bei diesen gerade im Bereich der Mundhygiene bei Patienten selbst die Grundkenntnisse. Und genau hier setze ich mit meiner Arbeit an: Ich zeige im Rahmen meiner Schulungen auf, wie die für die Mundpflege zur Verfügung stehende Zeit individuell optimal genutzt werden kann.
Oft besteht dringender Aufklärungsbedarf
Wird nach dem Zahnarztbesuch im Pflegeheim die Pflegeampel hinterlassen, wissen Pflegekräfte oftmals nicht, wie sie die Unterstützung in der Mundhygiene umsetzen sollen. Oder welche Folgen durch Nichtumsetzung der Maßnahmen – abgesehen von kariösen Läsionen – entstehen können. Mit meiner Arbeit kläre ich also nicht nur über verschiedene Möglichkeiten der Mundhygiene auf, sondern auch über die Zusammenhänge von Mundhygiene und verschiedener systemischer Erkrankungen. Hierbei spielen Kariesentstehung, Parodontitis sowie verschiedene Mundschleimhauerkrankungen eine große Rolle – insbesondere auch im Zusammenhang mit Medikamenten und deren Nebenwirkungen. Das Ziel meiner Schulung ist es, den Teilnehmern eine ganzheitliche Sichtweise auf die betreffende Situation zu vermitteln.
Produktempfehlungen für pflegebedürftige Patienten
Natürlich kommen dabei auch Hilfsmittel zur Mundhygiene nicht zu kurz. Mein Favorit zur einfachen und gezielten Reinigung von Teleskopen, Stegarbeiten oder Implantaten ist die Monobrush. Bei sonstiger manueller Reinigung empfehle ich eine Zahnbürste in supersoft mit kleinem Kopf. Bei eingeschränkter Motorik ist eine Griffverstärkung zur Unterstützung sinnvoll.
Die Dreikopfzahnbürste und der Paroslider von ParoSwiss sind im Anschauungsmaterial immer enthalten. Denn gerade der Paroslider ist für schwer zugängliche Stellen eine großartige Möglichkeit, die Interdentalräume ohne großen Aufwand zu reinigen.
Wird eine elektrische Zahnbürste verwendet, ist eine Schallzahnbürste sinnvoll, da diese mit der dynamischen Flüssigkeitsströmung die Reinigung und Wirkstoffverteilung unterstützt und zudem einfacher in der Handhabung ist. Ich empfehle gerne die GUM SONIC SENSITIVE, da diese besonders sanft und leise ist. Zudem ist sie erschwinglich und liegt preislich nicht weit über den Kosten für eine übliche Handzahnbürste. Auch hier ist Aufklärung wichtig, denn oftmals sind die befürchteten Kosten das Hauptargument der Angehörigen, auf eine Schallzahnbürste zu verzichten.
Aufklärung über Risiken einer unzureichenden Mundhygiene
Welche Risiken entstehen durch unzureichende Mundhygiene? Und warum sind gerade Patienten mit Dysphargie hierbei besonders gefährdet? Wichtig zu wissen ist, dass der Kehlkopf bei Dysphargie nicht richtig schließt und die pathogenen Bakterien des Biofilms somit direkt in die Lunge gelangen können. Bei einer unzureichenden Mundhygiene ist das Risiko einer bakteriellen Pneumonie folglich zusätzlich erhöht.
Auch Xerostomie/Hyposaliversation ist ein wichtiges Thema. Oftmals wird vergessen, dass die Verdauung im Mund beginnt – sei es durch die erste Spaltung der Kohlenhydrate durch das im Speichel befindliche Enzym Amylase oder durch die Mucine, welche das Schlucken erleichtern und für die Bolusbildung mitverantwortlich sind. Und das sind nur wenige Aspekte dessen, was unser Speichel alles kann.
Eine weitere Folge von Hyposaliversation ist eine pergamentartige Tunica mucosa oris, welche beim Verzehr von härteren Nahrungsmitteln leicht reißen und starke Schmerzen verursachen kann. Dieser Umstand sorgt zusätzlich dafür, dass harte Nahrung meist vermieden wird. Die stattdessen bevorzugte süße, breiige Nahrung erhöht allerdings das Kariesrisiko und additiv wird durch den fehlenden Speichel und der somit ausbleibenden Speichelpufferfunktion die Zahnhartsubstanz nicht remineralisiert.
Schulungsangebot kommt sehr gut an
Was mich immer wieder begeistert, sind die engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner Schulungen. Sofort wird diskutiert und überlegt, welche Patienten hierfür in Frage kommen. Von großem Vorteil sind auch die vielen Produktproben, die mir zur Verfügung gestellt werden. Vor allem die Produktserie GUM HYDRAL von SUNSTAR ist jedes Mal sofort im Einsatz: Alle Teilnehmerinnen decken sich mit dem GUM HYDRAL Gel sowie mit Proben der entsprechenden Zahnpasta für die eigene Station ein und wissen dabei sofort, bei welchen Patienten und Beschwerden die Produkte Abhilfe schaffen können. Auch in unserer Praxis empfehle ich die Pflegeserie GUM HYDRAL im Zusammenhang mit Xerostomie. Diese Problematik kommt häufig vor, da Multimedikamentation ein großes Thema ist und ein verminderter Speichelfluss eine der häufigsten Nebenwirkungen darstellt.
Ich selbst probiere alle Produkte aus, um deren Geschmack und Konsistenz zu testen – ein Vorgehen, das ich nur empfehlen kann. Denn nur dadurch ist es möglich, eine authentische Beschreibung der Produkte liefern zu können. Und gerade bei Vorträgen habe ich selbst immer das GUM HYDRAL Spray der Tasche, da auch ich in dieser Situation an fehlendem Speichel leide. Durch die Befeuchtung der Mundschleimhaut mithilfe des Sprays spricht es sich dann zum Glück gleich sehr viel besser.
Zwei Wochen nach der Schulung frage ich dann bei der Pflegeleitung nach, ob bereits eine Veränderung bemerkt werde. Und das Schönste ist natürlich, wenn auf diese Frage ein begeistertes „ja" folgt.







