Abifreier Zugang zur Zahnmedizin bleibt die Ausnahme
Eine aktuelle Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) mit den jüngsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2024 zeigt, dass erstmals ein neuer Höchststand erreicht wurde: 10.270 Studierende ohne Abitur haben einen Bachelor- oder Masterabschluss erworben. Seit der bundesweiten Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte im Jahr 2009 summiert sich die Zahl der erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen damit auf mehr als 100.000.
Auch die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung bleibt stabil. Rund 13.000 Erstsemester – etwa 2,7 Prozent aller Studienanfänger – qualifizieren sich über berufliche Wege für ein Studium. Insgesamt sind derzeit etwa 70.000 Studierende ohne Abitur an deutschen Hochschulen eingeschrieben.
Bei der Wahl der Studienfächer dominieren weiterhin die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit einem Erstsemesteranteil von 50 Prozent und die Ingenieurwissenschaften mit 19,1 Prozent. Danach folgt der Bereich Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften mit 16,6 Prozent.
Nur wenige Erstsemester sind Zahnis
Die Mehrheit der Studierenden ohne Abitur in dieser Fächergruppe entfällt auf die Gesundheitswissenschaften (93,8 Prozent). Nur wenige Erstsemester sind in Humanmedizin (4,7 Prozent) oder Zahnmedizin (1,5 Prozent) immatrikuliert. Dennoch zeigt sich auch in diesen besonders zulassungsbeschränkten Studienbereichen eine Öffnung für beruflich Qualifizierte.
Laut Grafik erreicht die Zahl der Hochschulabsolventen ohne (Fach-)Abitur im Studienbereich Human- und Zahnmedizin mit 151 Personen einen neuen Höchststand. Leicht zurückgegangen ist indes gegenüber dem Vorjahr die Zahl der Studienanfänger. 103 Personen erhielten im Berichtsjahr 2024 einen Studienplatz im Bereich Humanmedizin und 32 Personen in der Zahnmedizin.
Der Anteil an allen Studienanfängern im Bereich Human-/Zahnmedizin liegt bei 0,9 Prozent. Insgesamt studieren derzeit 1.077 beruflich Qualifizierte Human- oder Zahnmedizin im Bundesgebiet; das sind 0,8 Prozent aller Studierenden in diesem Bereich. Damit bleibt ein Medizinstudium ohne (Fach-)Abitur weiterhin ein Ausnahmefall.
Wer ohne Abi studiert, ist älter und hat Berufserfahrung
Auffällig ist laut CHE das im Vergleich höhere Durchschnittsalter: Der typische Studienanfänger ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung entscheidet sich für ein Bachelorstudium an einer anwendungsorientierten Hochschule und ist mit durchschnittlich 30 Jahren deutlich älter als seine Kommilitonen.
Was einst als Ausnahme galt, ist heute nahezu flächendeckend möglich: An 93 Prozent der Hochschulen in Deutschland sind Studierende ohne Abitur vertreten. Besonders häufig entscheiden sich beruflich Qualifizierte für praxisorientierte Studiengänge an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass sich diese Gruppe zunehmend auch an Universitäten etabliert.
Die Nutzung des Studiums ohne Abitur variiert regional. Die höchsten Anteile an Studienanfängern ohne Abitur verzeichnen laut CHE-Auswertung aktuell Bremen, Thüringen und Hamburg. Besonders gefragt sind demnach große Hochschulen sowie Einrichtungen mit flexiblen Studienformaten, etwa im Fernstudium.
Weitergehende Informationen bietet der Online-Studienführer www.studieren-ohne-abitur.de. Studieninteressierte ohne hochschulische Zugangsberechtigung finden hier fundierte Informationen zu den Zugangsmöglichkeiten und den Studienangeboten der Hochschulen.
Nickel, S.; Thiele, A.-L.: CHECK - Studieren ohne Abitur 2026. Daten-Analyse für Bund und Länder, CHE, Gütersloh, 2026, ISBN 978-3-911128-28-5, 76 Seiten




