Adipositas begünstigt schwere Infektionskrankheiten
In der Corona-Pandemie wiesen adipöse Patienten ein erhöhtes Risiko auf mit einer SARS-CoV-2-Infektion stationär behandelt werden zu müssen oder zu versterben. Ob diese Assoziation auch bei anderen Infektionskrankheiten zutrifft, war bislang unklar. Daher starteten Wissenschaftler der Universität Helsinki und des University College London eine umfangreiche Analyse mit Daten von 67.766 Erwachsenen aus finnischen Kohorten und replizierten die Ergebnisse mittels einer Population von 479.498 Erwachsenen aus der UK Biobank. Die durchschnittliche Beobachtungsdauer belief sich auf 14,1 Jahre bei der finnischen und 12,6 Jahre bei der britischen Population.
Der Body-Mass-Index (BMI) der Teilnehmenden wurde zu Beginn der Studien erfasst. Das Durchschnittsalter zu Studienbeginn betrug 42 Jahre in der finnischen Studie und 57 Jahre in der Biobank-Kohorte.
Das Risiko steigt mit dem Gewicht
Die Studie mit über 540.000 Teilnehmern legt nahe, dass Menschen mit Adipositas (definiert als BMI ≥ 30 kg/m²) ein um 70 Prozent höheres Risiko haben, wegen einer Infektionskrankheit ins Krankenhaus eingeliefert zu werden oder daran zu sterben; bei Menschen mit der schwersten Form der Fettleibigkeit ist das Risiko sogar 3-mal so hoch.
Die Anwendung dieser Risikoschätzungen auf globale Daten legt nahe, dass Fettleibigkeit im Jahr 2023 mit jedem zehnten infektionsbedingten Todesfall weltweit in Verbindung stand. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass Schätzungen der globalen Auswirkungen mit Vorsicht zu interpretieren sind.
Der Anteil der infektionsbedingten Todesfälle, der mit Fettleibigkeit in Zusammenhang steht, variiert zwischen den Ländern: In Großbritannien ist etwa jeder sechste Todesfall auf Fettleibigkeit zurückzuführen, in den USA etwa jeder vierte und in Deutschland jeder siebte. Zum Vergleich: In Indien nur jeder 26. Die Autoren warnen davor, dass angesichts der weltweit steigenden Adipositasraten die Zahl der schweren, mit Adipositas in Verbindung stehenden Infektionen in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich zunehmen wird.
Adipositas schwächt das Immunsystem
„Es ist plausibel, dass Adipositas die Fähigkeit des Immunsystems schwächt, sich gegen infektiöse Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze zu verteidigen, was zu schwereren Krankheitsverläufen führen kann“, betont Studienleiter Mika Kivimäki. Mit Adipositas gehe ein nährstoffreiches Milieu einher, welches das Überleben von Mikroorganismen begünstige. Weitere Faktoren wie Insulinresistenz, Überzuckerung und chronische leichte Entzündungen seien ebenfalls günstige Bedingungen für Keime.
Ergebnisse aus Studien mit GLP-1-Präparaten zur Gewichtsreduktion stützen diese Annahme, da eine Reduktion von Adipositas neben vielen anderen gesundheitlichen Vorteilen auch das Risiko schwerer Infektionen zu senken scheint, sagt Kivimäki:„Dennoch sind weitere Forschungen erforderlich, um die Mechanismen, die diesen Zusammenhängen zugrunde liegen, zu bestätigen.“
Adult obesity and risk of severe infections: a multicohort study with global burden estimates, Nyberg, Solja T et al.The Lancet, Volume 0, Issue 0, DOI: https://doi.org/10.1016/







