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Aus der Wissenschaft

Adjuvante systemische Antibiotikatherapie bei Stadium-III/IV-Grad-C-Parodontitis?

Søren Jepsen
Zahnmedizin
Im Sinne des Antibiotic Stewardship (Minimierung von Resistenzbildungen) werden in vielen Bereichen der Medizin mittlerweile Kurzzeitgaben systemischer Antibiotika empfohlen. Eine randomisierte kontrollierte Studie einer australischen Arbeitsgruppe hat nun die Wirksamkeit der adjuvanten systemischen Gabe von Azithromycin bei Stadium-III/IV-Grad-C-Patienten untersucht.

Die aktuelle S3-Leitlinie zur Therapie der Parodontitis empfiehlt keine routinemäßige Anwendung adjuvanter systemischer Antibiotikatherapie im Rahmen der nichtchirurgischen subgingivalen Instrumentierung (Therapiestufe 2). Sie kann allerdings für bestimmte Patientengruppen mit nachgewiesener rascher Progression (zum Beispiel generalisierte Stadien III und IV der Parodontitis bei jungen Erwachsenen) erwogen werden.

Azithromycin ist bekannt für seine antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften und damit im Rahmen der nichtchirurgischen subgingivalen Instrumentierung (NSI) von potenziellem Interesse. 

Ziel der Studie war es, die klinischen, mikrobiologischen und entzündlichen Veränderungen über zwölf Monate nach der systemischen Verabreichung von Azithromycin, adjuvant zur NSI, bei Patienten mit Parodontitis im Stadium III/IV, Grad C, in einer dreifach blinden, parallelarmigen, randomisierten Placebo-kontrollierten Studie (RCT) zu untersuchen.

Material und Methode

52 Patienten mit dieser Diagnose wurden zufällig zwei Gruppen zugeteilt, die NSI unter Lokalanästhesie erhielten, entweder mit der adjuvanten systemischen Gabe von Azithromycin (500 mg) oder von Placebo-Kapseln. Diese wurden einmal täglich für drei Tage beginnend unmittelbar vor der NSI verabreicht.

Der primäre Zielparameter war die Veränderung der parodontalen entzündeten Taschenoberfläche (PISA-Werte) über zwölf Monate. Sekundäre Endpunkte umfassten Veränderungen in der Sondierungstiefe (PD), des klinischen Attachmentniveaus (CAL), der Blutung bei Sondierung (BoP), dem prozentualen Anteil an Stellen mit PD von 1–3, 4–5, ≥ 5 und ≥ 6 mm, subgingivale Parodontalpathogene, Zytokinspiegel und patientenberichtete Endpunkte (Patient Reported Outcomes = PROs).

Ergebnisse

Primärer Endpunkt: Nach drei und nach zwölf Monaten gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Reduktion des PISA-Wertes zwischen den Gruppen. Die mittlere Reduktion der PISA-Werte betrug 1329,9 ± 732,6 mm² in der Azithromycin-Gruppe und 1081,0 ± 529,2 mm² in der Placebo-Gruppe nach drei Monaten sowie 1348 ± 691,7 mm² in der Azithromycin-Gruppe und 1163,0 ± 574,7 mm² in der Placebo-Gruppe nach zwölf Monaten.

Bezüglich der sekundären Zielparameter wurden zwischen den Gruppen nach drei und nach zwölf Monaten keine statistisch signifikanten Unterschiede in den klinischen Ergebnissen wie der mittleren PD, des mittleren CAL und des BOP (%) beobachtet. Der Anteil der Stellen mit PD ≥5 mm war nach zwölf Monaten in der Azithromycin-Gruppe statistisch signifikant geringer als in der Placebo-Gruppe.

Nach drei Monaten wurden in der Test-Gruppe signifikant niedrigere Spiegel mehrerer parodontalpathogener Bakterien beobachtet aber nach zwölf Monaten nur noch für P. intermedia. Bezüglich der untersuchten Zytokine wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen beobachtet. In beiden Gruppen wurden eine hohe Patientenzufriedenheit verzeichnet.

Fazit für die Praxis

Eine adjuvante systemische Azithromycin-Gabe begleitend zur NSI führte nach zwölf Monaten bei Patienten mit Parodontitis Stufe III/IV und Grad C zu keinem signifikanten Unterschied in der Reduktion der PISA-Werte. Es wurde eine nur kurzfristige Reduktion der untersuchten parodontalpathogenen Bakterien in der Azithromycin-Gruppe beobachtet.

Die Ergebnisse der Studie unterstützen somit nicht die ergänzende Anwendung von systemischem Azithromyzin in der Therapiestufe 2 bei Patienten mit Stadium III/IV, Grad-C-Parodontitis. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer sorgfältigen Abwägung des Nutzens zusätzlicher Antibiotikatherapien bei Parodontitispatienten, was mit den öffentlichen Gesundheitsempfehlungen (Antibiotic Stewardship) im Einklang steht, unnötige Antibiotikaverschreibungen zu begrenzen.

Die Studie:
Sulugodu Ramachandra S, Woodford V, Han P, Lee RSB, Ivanovski S.: Systemic Azithromycin as an Adjunct to Non-Surgical Subgingival Instrumentation in the Treatment of Stage III/IV, Grade C Periodontitis: 12-Month Clinical, Microbiological and Cytokine Results of a Randomised Controlled Trial. J Clin Periodontol. 2025 May;52(5):666-680. doi: 10.1111/jcpe.14150. Epub 2025 Mar 24. PMID: 40123306. doi.org/10.1111/jcpe.14150

Univ.-Prof. Dr. med. dent. Dr. med. Søren Jepsen

Poliklinik für
Parodontologie, Zahnerhaltung und
Präventive Zahnheilkunde,
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kiefer-
heilkunde, Universitätsklinikum Bonn
Welschnonnenstr. 17, 53111 Bonn
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