Auch Wissenschaftsbündnis DANK fordert Zuckersteuer
Am 9. Januar hatte bereits die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) erneut vor den Folgen eines zu hohen Zuckerkonsums gewarnt und auf die Einführung von Herstellerabgaben für stark zucker- und/oder säurehaltige Softdrinks gedrängt.
Zudem forderte die BZÄK, eine verbindliche und verpflichtende Lebensmittelkennzeichnung einzuführen und Werbung für stark zuckerhaltige Lebensmittel einzuschränken. Lebensmittel für Kinder sollten aus Sicht der BZÄK deutlich zuckerreduziert und mit einer klaren Kennzeichnung des Zuckers versehen sein.
Auch Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt hatte zum Jahresbeginn seine Forderung bekräftigt, in Deutschland eine Zuckersteuer einzuführen.
Das Wissenschaftsbündnis DANK zieht nun nach. Zum Start der „Grünen Woche“ am vergangenen Freitag in Berlin appellierte die Sprecherin des Bündnisses Barbara Bitzer an die Politik, die wirksame Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten nicht zu verschleppen.
„Abwarten und untätig bleiben kostet Lebensjahre und Wirtschaftskraft“
„2026 muss das Jahr der Prävention werden. Abwarten und untätig bleiben kostet Lebensjahre und Wirtschaftskraft“, betonte Bitzer. Sie begrüße die Initiative von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zur Einführung einer Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke. Eine solche Abgabe belaste die Verbraucher nicht und wirke sich positiv auf die Gesundheit aus, teilte sie mit. Anfang Januar hatte Günther in einem Interview in der „Welt“ angekündigt, eine Initiative für eine Zuckersteuer im Bundesrat starten zu wollen.
Die Diskussion um gesundheitsorientierte Steuerinstrumente ist laut DANK dringlicher denn je. Hohe Krankheitslast und steigende Kosten erforderten dringend eine „gesunde Mehrwertsteuer“ und höhere Abgaben auf Alkohol sowie Tabak. Ebenso brauche es mehr Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung, mindestens eine Stunde Bewegung in Kita und Schule sowie Standards für die Kita- und Schulernährung.
„Kinderzimmer werden mit Werbung für Zucker- und Fettbomben geflutet“
Deutschland könne es sich nicht weiter leisten, Milliardenbeträge für vermeidbare Krankheiten auszugeben, während gleichzeitig Kinderzimmer mit Werbung für Zucker- und Fettbomben geflutet und Herstellerabgaben auf gesundheitsschädliche Produkte weiterhin als „ideologisch“ abgetan würden.
„Das Argument, derartige wirksame Maßnahmen seien nicht umsetzbar, da sie nicht im Koalitionsvertrag stehen, trägt nicht mehr“, erklärte Bitzer weiter. Wenn zentrale politische Projekte in wirtschaftlich schwierigen Zeiten neu bewertet werden könnten, dann müsse das erst recht für Maßnahmen gelten, die Menschenleben schützen, chronische Erkrankungen verhindern und das Gesundheitssystem entlasten. „Verhältnisprävention darf kein Tabu mehr sein. Sie ist das wirksamste Instrument, das wir haben, um gesunde Lebensjahre zu sichern und auch die wirtschaftliche Stabilität des Landes zu sichern“, betonte Bitzer.
Das Land gehöre in Europa zu den Schlusslichtern in der Prävention und steht laut kürzlich veröffentlichtem Public Health Index des AOK-Bundesverbandes und des Deutschen Krebsforschungszentrums auf Platz 17 von 18.
Dem Wissenschaftsbündnis DANK gehören 24 wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften und Verbände an, unter ihnen der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen, die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft.


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