Preis für die beste Lehrveranstaltungskonzeption 2023

Ausgezeichneter Prothetik-Kurs mit realen Fällen

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Zahnmedizin
Dr. Marco Dederichs und Dr. Stephanie Viebranz erhalten den diesjährigen Lehrpreis der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie werden für einen Prothetik-Kurs geehrt, den sie im Zuge der Pandemie innovativ und kreativ modernisiert haben.

Wie können angehende Zahnärztinnen und Zahnärzte die Arbeit am Patienten üben, wenn eine strikte Kontaktsperre gilt? Wie soll die notwendige Feinmotorik erlernt werden, die sichere Beurteilung selbst komplizierter Fälle? Vor dieser Herausforderung standen Dr. Stephanie Viebranz und ihr Kollege Dr. Marco Dederichs während Corona.

Beide lehren an der Zahnklinik Jena Zahnärztliche Prothetik, ihre Studierenden sind im zehnten Fachsemester. Gemeinsam entwickelten sie das Seminar „Theoretische Kursbegleitung Prothetik“ weiter, um die Studierenden zu befähigen, ihr theoretisches Wissen im konkreten Fall am Patienten anzuwenden. Dafür erhalten Viebranz und Dederichs nun den Preis für die beste Lehrveranstaltungskonzeption 2023 der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Auszeichnung wird zum Dies Legendi, dem „Tag der Lehre“, am 21. November in der Universität überreicht.

Reale Patientenfälle sind die Grundlage

„Wir haben ein interaktives Seminar entwickelt, bei dem reale Patientenfälle die Grundlage bilden“, sagt Viebranz. Dokumentiert werden die Fälle durch detaillierte Fotos, die dann gemeinsam analysiert werden: Was ist medizinisch geboten? Welche Prothetik-Varianten sind möglich? Wie sieht die Minimalversorgung aus? Welche Leistungen übernimmt die Krankenkasse? Es gelte herauszufinden, was möglich ist und welche Therapie der Patient favorisiert beziehungsweise sich leisten kann, berichtet Dederichs. Je nachdem, wie kompliziert sich ein Befund darstellt, sind zuweilen interdisziplinäre Eingriffe notwendig, zum Beispiel vom Kieferorthopäden. Alles Entscheidungen, die der Zahnarzt oder die Zahnärztin in der Praxis zumeist allein treffen muss.

Im Seminar hingegen können die Studierenden miteinander diskutieren und sich mit den beiden Lehrkräften austauschen. Zum Einsatz kommt dabei ein Audience-Response-System, das per Smartphone genutzt werden kann. So war das neue Format bestens geeignet, während der Pandemie erprobt zu werden. „Ziel ist es, die unterschiedlichen Möglichkeiten der Therapie zu finden und sich für die beste zu entscheiden“, sagt Viebranz.

Von 54 Studierenden waren 52 dabei

Der Befund-Analyse schließt sich ein praktischer Teil an, bei dem die Kernelemente des jeweiligen Seminars in praktischen Übungen vertieft werden können. Gelehrt wird nach der Peyton-Methode. Dabei führt der Lehrende die Tätigkeiten zunächst in Echtzeit vor, ohne das Gezeigte zu erklären. Im zweiten Schritt wird die Tätigkeit verlangsamt gezeigt und dabei die einzelnen Schritte beschrieben, danach übernimmt ein Student, eine Studentin, die ihrerseits den Ablauf demonstrieren und dabei erklären. Dederichs vergleicht das Procedere mit der Fahrschule: „So richtig fahren lernt man erst in der Praxis.“ „Unser neues Lehrformat ist inzwischen so beliebt, dass es im vorigen Jahr 52 von 54 Studierenden absolviert haben“, sagt Viebranz. Insbesondere der praktische Teil sei besonders begehrt, ergänzt Dederichs. Obwohl das Seminar fakultativ ist, nutzten es viele Studierende zu ihrer Prüfungsvorbereitung.

Die Auszeichnung für das beste Lehrveranstaltungs-konzept sei das „Sahnehäubchen“, so Dederichs. Seine Kollegin fügt hinzu, sie hätten diverse Angebote von „Lehre lernen“ und „Jemid“ – Jenaer Medizindidaktik – an der Universität genutzt. Nun habe sich ihr Engagement für gute Lehre wortwörtlich gelohnt. Was sie mit dem Preisgeld machen, wissen die beiden noch nicht. Aber denkbar sei, es für eine weitere pfiffige Idee in der Lehre einzusetzen.

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