Auszeichnung für „probiotische Haftfilme“
Der Biopharmazie-Professor Marc Schneider von der Universität des Saarlandes ist gemeinsam mit seinem Forschungsteam und Kooperationspartnern mit dem Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreis 2026 ausgezeichnet worden. Prämiert wurde eine im Jahr 2025 veröffentlichte Forschungsarbeit zur Entwicklung eines innovativen Polymerfilms, der an der Mundschleimhaut haftet und dort probiotische Bakterien freisetzt.
Im Mittelpunkt der ausgezeichneten Arbeit steht die gezielte Anwendung des Probiotikums Lactobacillus reuteri. Die Mikroorganismen werden mithilfe eines dünnen Haftfilms direkt in der Mundhöhle freigesetzt, wo sie die natürliche Mundflora unterstützen und krankmachende Keime verdrängen sollen. Für ihre Untersuchungen entwickelten die Forschenden sowohl Filme mit verkapselten als auch mit unverkapselten probiotischen Bakterien.
Lactobacillus reuteri stärkt die natürliche Mundflora
Um die Wirksamkeit der neuen Technologie zu überprüfen, nutzte das Team einen an der Zahnklinik des Universitätsklinikums des Saarlandes etablierten Versuchsaufbau. Dabei wurden die probiotischen Haftfilme auf Zahnschmelzproben aufgebracht, die über Nacht in der Mundhöhle von Probandinnen und Probanden getragen wurden. Anschließend analysierten die Forschenden die Besiedlung der Zahnoberflächen mit potenziell krankheitserregenden Bakterien.
Der PHOENIX Pharmazie Wissenschaftspreis des Pharma-Großhandelsunternehmens Phoenix-Group wird jährlich in den vier pharmazeutischen Disziplinen Pharmakologie und Klinische Pharmazie, Pharmazeutische Biologie, Pharmazeutische Chemie sowie Pharmazeutische Technologie verliehen. Er würdigt herausragende Forschungsleistungen, die neue Impulse für die Arzneimitteltherapie und die Gesundheitsversorgung geben. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
Die Ergebnisse fielen deutlich aus: Zahnschmelzproben, die mit probiotischen Haftfilmen behandelt worden waren, wiesen eine signifikant geringere Besiedlung durch unerwünschte Keime auf als Vergleichsproben ohne Probiotika.
„Die eingebrachten nützlichen Bakterien siedeln sich im Mund an und hemmen gleichzeitig auch das Wachstum von potenziell pathogenen Keimen“, erläutert Prof. Marc Schneider. Langfristig könnte die Entwicklung neue Möglichkeiten eröffnen, Erkrankungen wie Parodontitis präventiv zu begegnen oder therapeutisch zu unterstützen.
Ausgezeichnete Publikation: „Probiotics-embedded polymer films for oral health: Development, characterization, and therapeutic potential“ (Eckermann et al. Colloids and Surfaces B: Biointerfaces, 2025, 255: 114886); https://doi.org/10.1016/j.colsurfb.2025.114886



