Pressegespräch des Vorstands der Bundeszahnärztekammer

Benz: "Lauterbach hat eine merkwürdige Abneigung gegen ambulante Praxen!"

von sr
Politik
Im Nachgang der Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) stellte sich der Geschäftsführende Vorstand diese Woche den Fragen von Journalisten. Das Verhältnis zum BMG, der ZFA-Mangel und die internationale Arbeit standen dabei im Mittelpunkt.

Zum schlechten Verhältnis zu Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach befragt, erklärte BZÄK-Präsident Prof. Dr. Christoph Benz, es gebe beim Minister eine merkwürdige Abneigung, sich mit den ambulanten Praxen auseinanderzusetzen.

Die Bundesregierung hat ein Lieblingskind

„Die Bundesregierung hat ein Lieblingskind, und das sind die Krankenhäuser“, sagte er und fügte hinzu: „Wir haben alle noch nicht den Weg gefunden, dies zu ändern.“ Allerdings gebe es auf Landesebene gute Verbindungen zu den dortigen Gesundheitsministerien, so dass man über diese Einfluss auf die Gesundheitsministerkonferenz ausüben könne.

Ein weiteres umfangreich diskutiertes Thema der Bundesversammlung, die am 4. und 5. November in München stattfand, war der ZFA-Fachkräftemangel. Dabei ging es auch um die Frage, ob Praxen, die nicht ausbilden, sich unsolidarisch gegenüber den ausbildenden Praxen verhalten.

ZFA-mangel: selbst auszubilden ist Die einzige Chance

Benz sprach sich für sanften Druck auf diese Praxen aus, sieht das Problem für die Zukunft aber nicht mehr so stark. „Die einzige Chance, gute Mitarbeiter zu bekommen, ist künftig selbst auszubilden.“ Denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fielen nicht mehr vom Himmel. Das hätten allerdings einige Praxisinhaberinnen und -inhaber noch nicht verstanden. Doch Benz räumte ein: „Ausbildung ist das eine, das Verbleiben im Beruf ist das andere. Das ist eine Lücke, die weh tut.“

Vizepräsidentin Dr. Romy Ermler hält es für erforderlich, noch intensiver als bisher für den ZFA-Beruf zu werben. „Wir haben viele Nicht-Bewerber, weil sie sich unter dem Beruf so richtig nichts vorstellen können“, zeigte sie sich überzeugt. Man müsse verschiedene Kampagnen fahren und vor allem auch an die Schulen gehen, um den Beruf vorzustellen. Um die Azubis und die ausgebildeten ZFA zu halten, sei aber auch eine adäquate Bezahlung erforderlich.

Wenn die Wege zu lang sind, springen die Azubis ab

Angesprochen wurde auch das Thema Tarifverträge. Grundsätzlich seien Tarifverbünde sinnvoll. Aber: „Wir sind in Hamburg im Tarifverbund, das hilft uns aber relativ wenig, da wir trotzdem niemanden finden“, erläuterte  Vizepräsident Konstantin von Laffert. Als weiteres Problem identifizierte Ermler zudem den immer größeren Mangel an Berufsschulen vor allem im ländlichen Raum. „Wenn die Wege zu lang sind, springen die Azubis ab.“

erst 2.000 zahnmedizinische Produkte wurden rezertifiert

Der Geschäftsführende Vorstand hob dann noch einmal die Wichtigkeit der internationalen Arbeit der BZÄK hervor. Über die Notwendigkeit dieses internationalen Engagements war auf der Bundesversammlung ebenfalls intensiv diskutiert worden. Von Laffert verwies in diesem Zusammenhang auf die Medicine Device Regulation (MDR). Diese ist seit 2021 in Kraft, „und man spürt, dass es langsam eng wird“.

Es seien derzeit erst rund 2.000 zahnmedizinische Produkte rezertifiert worden. Bei 23.000 sei dies noch offen und müsse bis Mai 2024 erledigt sein. Dies stelle die Industrie vor riesige Probleme. Denn: Es fehle an sogenannten Benannten Stellen, die die Zertifizierung durchführen. Man setze dich daher für eine Fristverlängerung bis zum Jahr 2026 ein, betonte der BZÄK-Vizepräsident.

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