Ausbildungszahlen Zahnmedizinische Fachangestellte 2023

BZÄK startet ZFA-Kampagne

Sebastian Ziller
Praxis
Die Gesamtzahl der neuen Ausbildungsverhältnisse bleibt stabil, dennoch liegt nach der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) der Beruf der ZFA auf Platz 1 der Berufe mit der höchsten Knappheit. Ein Grund: die hohe Abbruchquote während der Ausbildung. Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) startet deshalb eine bundesweite ZFA-Kampagne.

Die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sind ein wesentlicher Indikator zur Beschreibung der Ausbildungssituation und damit der zukünftigen Fachkräftebasis. Entlang dieser Zahlen lässt sich für das neue Ausbildungsjahr, das am 1. August 2023 begonnen hat, ein weiterhin stabiler Trend feststellen: Zwischen dem 1. Oktober 2022 und dem 30. September 2023 wurden zum dritten Mal in Folge bundesweit über 14.000 neue Ausbildungsverträge für ZFA abgeschlossen (D gesamt: 14.168; ABL: 12.645; NBL: 1.523). Damit verstetigt sich die hohe Ausbildungsleistung der Zahnarztpraxen mit einem leichten Minus von rund 0,33 Prozent (ABL: -0,87 Prozent; NBL: +4,39 Prozent) in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (Abbildung 1).

Viele Kammerbereiche verzeichnen moderate Zuwächse bei den Ausbildungszahlen oder konnten das Vorjahresniveau halten. Einige Kammerbereiche weisen 2023 aber auch deutliche Rückgänge auf (Tabelle 1).

Ein traditionell beliebter Ausbildungsberuf bei Frauen

Ausbildungsstellen bei den Heilberufen sind besonders nachgefragt: Im Jahr 2022 entschieden sich knapp 6,8 Prozent aller Frauen im ersten Lehrjahr für eine Berufsausbildung zur ZFA. Mit 96,3 Prozent war der Frauenanteil somit auch in dem Jahr überragend. Die ZFA zählt somit seit vielen Jahren zu den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen überhaupt bei Frauen. Die Ausbildung ist abwechslungsreich, qualifiziert umfassend und führt hinein in ein Berufsleben mit dauerhaften guten Job- und Karriereperspektiven – über die Aufstiegsfortbildungen zur ZMV, ZMP, ZMF oder DH.

Rund 43 Prozent der Zahnarztpraxen bilden derzeit aus. Die Anzahl der Auszubildenden an allen abhängig Beschäftigten in Zahnarztpraxen, die sogenannte Ausbildungsquote, liegt bei rund 9 Prozent.

Und dennoch ein Engpassberuf

Die Zahl der Engpassberufe in Deutschland steigt weiter. Inzwischen fallen 200 Berufe darunter. Wie eine Analyse der BA aus Juni 2023 zeigt, zählen zu den beschäftigungsstärksten Engpassberufen Pflegeberufe, Berufskraftfahrer, Medizinische Fachangestellte, Bauberufe sowie Berufe in der Kinderbetreuung oder Kraftfahrzeugtechnik. Auf Platz 1 der Berufe mit dem größten Mangel unter allen Fachberufen liegt allerdings der Beruf der ZFA. Diese zweifelhafte Ehre teilt sich die ZFA mit weiteren vier Fachberufen.

Die Analyse der BA bestätigt, was schon längere Zeit in der Praxis zu Problemen führt: Im Beruf ZFA herrscht ein ernsthafter Personalengpass. Freiwerdende Stellen können nicht ausreichend besetzt werden und der Nachwuchs aus den Auszubildendenjahrgängen reicht nicht aus, um die Zahl der in Rente gehenden Fachkräfte auszugleichen. Darüber hinaus konkurrieren Zahnarztpraxen mit großen Betrieben und dem Öffentlichen Dienst um Fachkräfte. Dabei haben sie oft das Nachsehen, denn in Zeiten steigender Energie- und Materialkosten oder zuletzt der Budgetierung des Praxiseinkommens durch das GKV-FinStG sind sie bei der Lohnentwicklung kaum noch konkurrenzfähig.

Viele Azubis brechen ab

Zudem lag die Erfolgsquote bei Abschussprüfungen bei den ZFA-Auszubildenden 2022 bei 83,4 Prozent und damit unterhalb der Ergebnisse der anderen Ausbildungsberufe bei den Freien Berufen insgesamt (86,3 Prozent). Darüber hinaus wird nicht jede begonnene Ausbildung abgeschlossen. Die Anzahl der Vertragslösungen unter ZFA ist in den letzten Jahren gestiegen. 2022 lag sie bei 37,8 Prozent und war damit deutlich höher als die durchschnittliche Abbruchquote über alle Ausbildungsbereiche, die 29,5 Prozent betrug.

Die Gründe dafür sind, dass Bewerberinnen häufig nicht wissen, was sie in diesem Beruf erwartet, eine unzureichende schulische Vorbildung, mangelnde Wertschätzung der Arbeit, aber auch die spezifische Zusammensetzung dieser Ausbildungsgruppe, bei der es beispielsweise häufiger als in anderen Bereichen zu schwangerschaftsbedingten Unterbrechungen oder zu kompletten Wechseln der Ausbildung kommt.

Das Ziel: die Attraktivität des Berufs zu steigern

Um dem sich verschärfenden Problem entgegenzuwirken, wird die BZÄK ab 2024 die vielen Länder-Aktivitäten zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in einer bundesweit angelegten ZFA-Ausbildungskampagne bündeln. Die Ziele der unter dem Dach der BZÄK im Kammer-Verbund laufenden Kampagne sind eine Steigerung der Attraktivität des Berufs, eine Erhöhung der Zahl qualifizierter Bewerberinnen und Bewerber, die wirklich wissen, was sie in diesem Beruf erwartet, und die Verringerung der Abbruchquote.

Grundlage des bundesweiten Projekts ist die ZFA-Kampagne der Zahnärztekammer Nordrhein, die bereits in Zusammenarbeit mit den Kammern aus Berlin, Hessen und Niedersachsen sehr erfolgreich läuft. Die Kammer Nordrhein wird auch die administrative Federführung in 2024 übernehmen, wenn die Kampagne von einer lokalen zu einer Bundeskampagne wächst. Inhaltlich wird die Kampagne unter dem Motto „Du bist alles für uns“ auf einen Mix aus Information und Unterhaltung setzen, mit der Botschaft: ZFA sind keine „Helfer(innen)“, sondern wichtige Fachkräfte mit anspruchsvollen Aufgaben. Über die Zusammenarbeit mit TikTok-Influencerinnen soll eine hohe Reichweite generiert werden. Zusätzlich werden die Eltern über Werbung auf Facebook und Instagram auf ausgewählten Websites angesprochen.

Fakten und Zahlen zur ZFA-Ausbildung

  • 14.168 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zur ZFA zum 30.09.2023 (alte Bundesländer: 12.645, neue Bundesländer: 1.523): Das ist ein Minus von 0,33 Prozent gegenüber dem Vorjahr (alte Bundesländer: -0,87 Prozent, neue Bundesländer: +4,39 Prozent).

  • 96,3 Prozent der ZFA-Auszubildenden sind weiblich.

  • Auszubildende mit ausländischem Pass: 19,4 Prozent.

  • 4.183 Zahnmedizinische Fachangestellte waren im März 2023 bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos gemeldet. Das entspricht einer Abnahme um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.

  • In 2022 bildeten 16.785 Zahnarztpraxen aus, das sind 43 Prozent aller Praxen.

Quellen: Statistisches Jahrbuch 2022/2023 der BZÄK; Bundesagentur für Arbeit; (Landes- und Bezirks-)Zahnärztekammern

Die Berufspolitik will mit der Ausbildungskampagne auf einem hart umkämpften Markt mehr junge Menschen für den Beruf der ZFA begeistern, um geeignete Nachwuchskräfte für die Zahnarztpraxen zu gewinnen. Eine weitere Herausforderung ist, dem Fachkräftemangel auch auf einer zweiten Ebene zu begegnen. Denn wir beobachten auch, dass viele ausgelernte ZFA den Beruf verlassen und damit den Praxen dauerhaft verloren gehen. Den Praxismitarbeiterinnen muss wertschätzend begegnet werden und sie müssen angemessen bezahlt werden. Denn das sind wichtige Faktoren, die ZFA dazu motivieren, im Beruf zu bleiben.

Durch die jahrzehntelange Verweigerung des Gesetzgebers einer Punktwertanpassung in der GOZ wird die Lohnentwicklung in den Praxen in der privaten Gebührenordnung allerdings überhaupt nicht berücksichtigt. Die Vergütungssysteme der zahnärztlichen Versorgung BEMA und GOZ müssen die Leistungen des ZFA-Berufs und die aktuelle Entwicklung bei den Personalkosten stärker abbilden. Die Zahnarztpraxen als Arbeitgeber erhalten nur so die notwendigen Spielräume für Gehaltssteigerungen und bleiben als Arbeitgeber konkurrenzfähig.

Und schließlich muss auch immer wieder deutlich gemacht werden: Ob ZMV, ZMF, ZMP, DH – jetzt auch als Bachelor Professional-Qualifizierung möglich – oder die Fortbildung zum Fachwirt für zahnärztliches Praxismanagement (FZP): Der Beruf der ZFA bietet ein großes Potenzial zur beruflichen Weiterentwicklung. Auch das ist ein wichtiges Argument, das für diesen vielseitigen Beruf spricht.

Dr. Sebastian Ziller

Leiter der Abteilung Prävention
und Gesundheitsförderung
der Bundeszahnärztekammer
Chausseestr. 13, 10115 Berlin
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