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Forschung zu Morbus Crohn

Candida-Immunzellen haben ihren Ursprung in der Mundschleimhaut

Candida albicans besiedelt Schleimhäute und kann als opportunistischer Erreger eine Candidose auslösen. Spezifische Immunzellen gegen Candida albicans werden offenbar in der Mundschleimhaut geprägt. Forschende aus Kiel haben die hoch spezialisierten Abwehrzellen genauer unter die Lupe genommen. Alessandro Grandini - stock.adobe.com
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Zahnmedizin
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Forschende aus Kiel zeigen, dass Immunzellen gegen Candida albicans ihren Ursprung vermutlich in der Mundschleimhaut haben und bei chronischer Darmentzündung gefährliche Eigenschaften annehmen.

Fast jeder Mensch trägt Candida albicans in sich. Der Hefepilz besiedelt menschliche Schleimhäute, etwa im Mund oder im Darm. Normalerweise hält das Immunsystem ihn mit spezialisierten Th17-Zellen unter Kontrolle. Wo diese Zellen entstehen, worauf sie reagieren und warum sie bei Morbus Crohn problematisch werden können, hat ein Forschungsteam des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel untersucht.  

Der Hefepilz wird gezielt abgewehrt

Die Th17-Antwort gegen Candida albicans ist offenbar deutlich fokussierter als bislang angenommen: Statt eine breite Palette von Pilzproteinen zu erkennen, reagiert das Immunsystem vor allem auf wenige Antigene aus extrazellulären Vesikeln. Möglicherweise liegt das an der Schleimhautbarriere, die im gesunden Zustand vor allem diese Vesikel passieren lässt und dem Immunsystem damit nur einen begrenzten Antigenausschnitt präsentiert.

Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die Mundschleimhaut dabei eine wichtige Rolle spielt. Dort lassen sich besonders viele dieser Th17-Zellen nachweisen.

Mund und Darm sind enger verbunden als man dachte

Das Forschungsteam hat die T-Zell-Rezeptoren von Zellen aus verschiedenen Geweben untersucht. Taucht derselbe T-Zell-Rezeptor in zwei verschiedenen Geweben auf, stammen die Zellen höchstwahrscheinlich aus derselben Immunreaktion. Identische Immunzellklone konnten sowohl in der Mundschleimhaut als auch im Darm nachgewiesen werden. Und als wichtigster Treiber dieser Überschneidung erwies sich Candida albicans. Mund und Darm sind immunologisch also enger miteinander verbunden als bisher angenommen, lautet die Schlussfolgerung des Kieler Forschungsteams.

Bei gesunden Menschen bleiben die Candida-spezifischen Th17-Zellen in einem stabilen, kontrollierten Zustand. Im entzündeten Darm von Morbus-Crohn-Patienten verändert sich das. Dort reichern sich diese Zellen an und tragen dabei molekulare Merkmale, die auf eine Prägung in der Mundschleimhaut hinweisen. Sie behalten zwar ihre ursprüngliche Spezifität und erkennen nach wie vor dieselbe kleine Auswahl von Pilzproteinen.

Doch sie nehmen zusätzliche Eigenschaften an, die mit einer potenziell gewebsschädigenden Immunreaktion in Verbindung stehen. Was sich verändert, ist nicht das Ziel der Immunantwort – sondern die Art, wie sie ausgeführt wird.

Eine neue Perspektive auf Morbus Crohn

Die Ergebnisse eröffnen eine neue Perspektive auf die chronische Entzündung bei Morbus Crohn. Bisherige Therapien dämpfen oft große Teile des Immunsystems. Ein so präziser Befund wie dieser könnte künftig einen gezielteren Ansatz ermöglichen.

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass bereits vorhandene, eigentlich homöostatische Th17-Zellen im Krankheitskontext funktionelle Veränderungen durchlaufen, anstatt infolge der Entzündung im Darm neu zu entstehen“ sagt Prof. Petra Bacher, Direktorin des Instituts für Medizinische Immunologie und Seniorautorin der Studie. „Das gibt uns einen konkreten Ausgangspunkt für gezieltere Therapieansätze."

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