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Wissenschaftsministerium nimmt Universitäten in die Pflicht

China geht gegen Betrug in der Forschung vor

br
Gesellschaft
Das chinesische Wissenschaftsministerium will Universitäten, die „wissenschaftliches Fehlverhalten“ ihrer Forschenden nicht ahnden, künftig selbst zur Verantwortung ziehen.

China hat offensichtlich ein massives Problem mit „wissenschaftlichem Fehlverhalten“. Deswegen will gegen die chinesische Regierung jetzt verstärkt gegen solche Verstöße vorgehen. Dabei sollen insbesondere die Universitäten in die Pflicht genommen werden. Ihnen drohte das Wissenschaftsministerium mit „empfindlichen Strafen“, wenn sie Fälle „wissenschaftlicher Verfehlungen“ nicht untersuchen und die darin verwickelten Wissenschaftler nicht sanktionieren, berichtet „nature“.

Gefälschte Publikationen und Plagiate

Bereits 2023 hatten drei Wissenschaftler aus Shanghai „wissenschaftliches Fehlverhalten“ in der chinesischen Wissenschaftsförderung untersucht [Tang et al., 2023]. Ausgelöst war die Untersuchung durch „Hinweise auf Missstände“, die Rücknahme von Zeitschriftenartikeln und Erkenntnisse aus Untersuchungen mit Plagiatserkennungssoftware.

Dabei ging es erklärtermaßen um die Verwendung staatlicher Fördermittel: „Als Verwalter öffentlicher Gelder sind staatliche Förderinstitutionen verpflichtet, die Integrität der geförderten Forschung zu wahren“, schrieben die Autoren. Sie untersuchten nicht nur das Fehlverhalten, sondern auch den Umgang der Verantwortlichen damit nach der Aufdeckung.

Zu den häufigsten Formen von Fehlverhalten gehören den Studienautoren zufolge „gefälschte Publikationen“, „Fälschung und/oder Verfälschung von Informationen im Forschungsantrag“ und „ Plagiat im Antrag“. Zu den häufigsten Sanktionen gehörten „der Ausschluss von der weiteren Förderung und die Rückforderung von Fördermitteln“.

Der Betrug ist international relevant

Missstände und Fälschungen fallen auf, wenn Wissenschaftler beispielsweise aufgrund kritischer Anmerkungen von Kollegen Publikationen zurückziehen. Das Ausmaß des Problems ist inzwischen auch international auffällig geworden.

So berichtete die Zeitschrift „Nature“ im Jahr 2024, dass einer internen Analyse zufolge allein seit 2021 rund 17.000 publizierte Forschungsarbeiten mit chinesischen Koautoren zurückgezogen wurden [Mallapaty, 2024]. Im gleichen Jahr führte die chinesische Regierung die erste landesweite Überprüfung zurückgezogener Publikationen durch. Die Universitäten wurden seinerzeit aufgefordert, die Fälle zu untersuchen und die Gründe für die Rücknahme zu erläutern.

In der Folge richtete das chinesische Wissenschaftsministerium eine nationale Datenbank ein, in der schwerwiegende Fälle von Fehlverhalten erfasst werden. Die Datenbank soll helfen, zu beurteilen, inwieweit die betroffenen Wissenschaftler noch staatlich gefördert werden oder an Großprojekten teilnehmen dürfen.

Die Rücknahme von Publikationen betreffe „hauptsächlich internationale Fachzeitschriften und die Naturwissenschaften“ zitiert „nature“ Li Tang, Wissenschafts- und Innovationspolitikforscherin an der Fudan-Universität in Shanghai. Forschungsbeiträge in inländischen Fachjournalen oder in den Geistes- und Sozialwissenschaften seien weniger im internationalen Fokus, so dass Probleme hier womöglich nicht auffielen.

Smriti Mallapaty, 2024. „China conducts first nationwide review of retractions and research misconduct,“ Nature, Nature, vol. 626(8000), pages 700-701, February. <link url="https://ideas.repec.org/a/nat/nature/v626y2024i8000d10.1038_d41586-024-00397-x.html" target="new-window" url-fragment="" seo-title="" follow="follow">https://ideas.repec.org/a/nat/nature/v626y2024i8000d10.1038_d41586-024-00397-x.html

Tang, L., Wang, L. & Hu, G. Research Misconduct Investigations in China’s Science Funding System. Sci Eng Ethics 29, 39 (2023). https://doi.org/10.1007/s11948-023-00459-9

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