European Federation of Periodontology

Dampfen ist nicht besser als Rauchen

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Zahnmedizin
Das Dampfen von E-Zigaretten gefährdet die orale Gesundheit genauso wie das Rauchen und sollte deshalb keine Alternative sein.

Die European Federation of Periodontology (EFP) warnt, dass das Dampfen von elektronischen Zigaretten genauso schädlich für die Mundgesundheit sein kann wie das Rauchen herkömmlicher Tabak-Zigaretten. Obwohl das Phänomen des Dampfens im Vergleich zum Rauchen relativ neu ist, so dass die Forschungsergebnisse noch unvollständig seien, gebe es doch Hinweise auf einen klaren Zusammenhang zwischen E-Zigaretten und schlechter Zahnfleisch- und Mundgesundheit.

Im Gegensatz zu Tabakrauchern, die sich eher bewusst sind, dass Rauchen ein Risikofaktor für die allgemeine sowie die Mundgesundheit ist, werden die Nutzer von E-Zigaretten oft zu der Annahme verleitet, diese als weniger schädlich oder sogar sicher anzusehen. Das Dampfen ist allerdings für die orale Gesundheit nicht weniger schädlich als das Rauchen herkömmlicher Zigaretten, betont die EEP. Leider nehme die Zahl der Dampfer weltweit rasant zu, insbesondere bei Jugendlichen, jungen Erwachsenen und auch Menschen, die zuvor nie geraucht haben.

Immer weniger Deutsche wollen mit dem Rauchen aufhören

Ein Forscherteam der Medizinischen Fakultäten der Universitäten Duisburg-Essen (UDE) und Düsseldorf hat die Motivation, mit dem Rauchen aufzuhören, in Deutschland untersucht. Sie haben die Daten von fast 19.000 Raucherinnen und Rauchern ausgewertet, die zwischen 2016 und 2021 an der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten (DEBRA) teilgenommen haben. Das Ergebnis Studie: Insgesamt ist die Motivation, mit dem Rauchen aufzuhören, niedrig und über die letzten Jahre zudem leicht gesunken.

Dass Tabakkonsumentinnen und -konsumenten immer weniger motiviert sind, das Rauchen aufzugeben, betrachten die Forschenden mit großer Sorge. Die einzige Ausnahme von diesem Abwärtstrend sind die 18- bis 24-Jährigen, deren Motivation leicht gestiegen ist. „Es ist wichtig, Tabakkontrollmaßnahmen umzusetzen, die das Rauchen unattraktiv machen und Impulse zu setzen, die den Rauchstopp fördern“, erklärt Benjamin Borchardt, Facharzt für Allgemeinmedizin am Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Essen. „Das umfasst den Preis, aber auch die Verfügbarkeit und Sichtbarkeit von Tabak. Zudem benötigen wir ein niedrigschwelliges Angebot an wirksamen Therapien und Arzneimitteln zur Tabakentwöhnung, die von Krankenkassen übernommen werden.“

Ein vielversprechender Faktor für die Überwindung der Sucht sei ein vorheriger Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören. „Wer innerhalb der letzten Monate schon eine – vermeintlich – letzte Zigarette geraucht hat, bei dem ist es wahrscheinlich, dass er es erneut versuchen wird“, sagt Prof. Dr. Daniel Kotz, Suchtforscher am Centre for Health and Society (chs) der Universität Düsseldorf. „Mit jedem Versuch kommt man dem Ziel einer dauerhaften Rauchfreiheit näher.“ In Deutschland rauchen derzeit mehr als 30 Prozent der Bevölkerung.

Borchardt B, Kastaun S, Pashutina Y, et al. Motivation to stop smoking in the German population between 2016 - 2021 and associated factors: results from a repeated cross-sectional representative population survey (German Study on Tobacco Use, DEBRA study) BMJ Open 2023; 0:e068198. doi:10.1136/bmjopen-2022-068198

Einer der Gründe für die ungesunden Auswirkungen des Dampfens ist das Nikotin, ob geraucht oder gedampft, das zu einer Minderdurchblutung der Gingiva führt. Andere im E-Zigarettendampf enthaltene Chemikalien (einschließlich Formaldehyd, Propylenglykol und Benzol) können die Schädigung oraler Gewebe verstärken, beginnend mit einer fortschreitenden Schädigung des Zahnhalteapparates. Außerdem kann das Dampfen Mundgeruch, Reizungen im Mund- und Rachenraum, paratracheale Ödeme, Kehlkopfentzündung, schwarze Zunge, Nikotinstomatitis, haarige Zunge, Zahnverfärbungen, Karies, Zahnempfindlichkeit und -verlust, erhöhte Kariogenität, verringerte Zahnschmelzhärte und ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen hervorrufen.

„Aus diesen Gründen fordern wir bei der EFP die Angehörigen der Mundgesundheitsberufe dringend auf, nicht zu empfehlen, Vaping als Übergangsstrategie zur Tabakentwöhnung vorzuschlagen, sondern vorrangig die Raucherentwöhnung sowohl für Zigaretten als auch für E-Zigaretten zu unterstützen und die Patienten über die wahrscheinlichen schädlichen Auswirkungen des Dampfens auf die Gesundheit von Zahnfleisch und Mundraum informieren“, empfiehlt Prof. Andreas Stavropoulos, Vorsitzender des EFP-Ausschusses für wissenschaftliche Angelegenheiten und ehemaliger Präsident der EFP.

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