Deutsche Gesellschaft für Toxikologie äußert sich zur täglichen Fluoridaufnahme durch Tee
Laut der aktuellen Analyse der Beratungskommission der Deutschen Gesellschaft für Toxikologie können schwarzer und grüner Tee sowie fluoridiertes Haushaltssalz die Gesamtaufnahme von Fluorid maßgeblich beeinflussen, während Kräutertees kaum dazu beitragen.
Überschreitungen der Fluoridwerte über 1,5 mg/l pro Tag seien bei hohem Teekonsum und gleichzeitigem Gebrauch fluoridierten Salzes demnach möglich, „jedoch nicht automatisch mit einem Risiko gleichzusetzen“, stellt die Kommission klar. Sie empfiehlt Schwangeren dennoch eine Reduktion des Konsums von schwarzem und grünem Tee und fordert eine verpflichtende Kennzeichnung des Fluoridgehalts bei Tees, analog zu fluoridiertem Speisesalz, um Transparenz und individuelle Steuerung der täglichen Fluoridaufnahme zu ermöglichen.
Zum Hintergrund: Die Europäische Kommission ersuchte die EFSA bereits im Jahr 2024, ihre frühere Bewertung der Risiken beim Umgang mit Fluorid für die Verbraucher zu aktualisieren, nachdem jüngste Studien einen möglichen Zusammenhang mit schädlichen Auswirkungen auf das sich entwickelnde Nervensystem von Kindern nahegelegt hatten. Im Juli 2025 hatte die EFSA ihre Stellungnahme vorgelegt und dabei Fluoridkonzentrationen über 1,5 mg/l als kritischen Schwellenwert für Entwicklungsstörungen des Zentralnervensystems (ZNS) und für Dentalfluorose definiert.
Die EFSA sieht „keine wesentlichen gesundheitlichen Bedenken“
Die Sachverständigen der EFSA legten in ihrer Stellungnahme eine sichere Aufnahmemenge von 3,3 mg/Tag für Schwangere und alle Altersgruppen über 8 Jahren fest. „Dieser Wertergibt sich aus den möglichen Auswirkungen auf das sich entwickelnde zentrale Nervensystem des Fötus", erläutert Prof. Thorhallur Halldorsson, stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftlichen Ausschusses der EFSA und Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Fluorid“.
„Diese treten bei Konzentrationen von mehr als 1,5 Milligramm pro Liter (mg/l) im Trinkwasser auf, dem gesetzlichen Grenzwert in der Europäischen Union. Die in europäischen Ländern im Trinkwasser festgestellten Konzentrationen liegen jedoch in der Regel bei weniger als 0,3 mg/l.“
Susanne Hougaard Bennekou, Vorsitzende des Wissenschaftlichen Ausschusses der EFSA, ergänzt: „Wir gehen davon aus, dass die Fluorid-Gesamtexposition bei den derzeitigen Fluoridkonzentrationen im europäischen Trinkwasser im Allgemeinen die neuen sicheren und zulässigen Höchstaufnahmemengen für fast alle Altersgruppen nicht übersteigt und daher keine gesundheitlichen Bedenken aufwirft."
Beim 100-prozentigen Verschlucken der Zahnpasta ist eine leichte Fluorose denkbar
Die einzige Ausnahme seien Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren. „Unter der Annahme einer gewöhnlichen Fluoridkonzentration im Trinkwasser und einer sehr konservativen Schätzung eines hundertprozentigen Verschluckens von Zahnpflegemitteln könnte eine leichte Fluorose auftreten“, sagt Hougaard Bennekou.
Die EFSA legte als zulässige Höchstaufnahmemengen für Säuglinge und Kleinkinder fest: 1 mg/Tag für Säuglinge im Alter von 0-12 Monaten, 1,6 mg/Tag für Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren und 2 mg/Tag für Kinder im Alter von 4-8 Jahren. Bei Kleinkindern im Alter zwischen 0 und 8 Jahren sei die Dentalfluorose der sensibelste Indikator. Der Höchstwert für eine Dentalfluorose liegt demnach etwas niedriger als bei anderen Auswirkungen, einschließlich möglicher Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem, die Knochen und die Schilddrüse.
„Eine zulässige Höchstaufnahme ist ein Schwellenwert, unterhalb dessen keine schädlichen Wirkungen zu erwarten sind“, betont Halldorsson. “Eine sichere Aufnahmemenge wird verwendet, wenn eine größere Unsicherheit hinsichtlich des Schwellenwerts besteht; sie ist die maximale Menge, von der wir ausgehen, dass sie kein Risiko in Bezug auf gesundheitsschädliche Auswirkungen in der Bevölkerung birgt.“
Der wissenschaftliche Beirat der Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) hat den Stellenwert der Fluoride in der Kariesprophylaxe ebenfalls in 2025 neu bewertet. In ihrem Positionspapier haben die Experten die aktuelle Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Fluoriden in der Zahnmedizin zusammengefasst und daraus praktikable Handlungsempfehlungen für Praxen abgeleitet (siehe Artikel „Handlungsempfehlungen für die Praxis“).





