DFG fördert zahnmedizinisches Forschungsprojekt mit rund 10 Millionen Euro
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zur weiteren Stärkung der Spitzenforschung an den Hochschulen 13 neue Sonderforschungsbereiche (SFB) ein. Dies hat der zuständige Bewilligungsausschuss in Bonn beschlossen. Die neuen Verbünde werden ab Oktober 2026 zunächst für drei Jahre und neun Monate mit insgesamt rund 170 Millionen Euro gefördert.
Welchen Einfluss haben systemische Erkrankungen auf das Parodont?
Zu den neu eingerichteten Sonderforschungsbereichen gehört der SFB 1739 „Weichgewebe-Alveolarknochen Crosstalk – Einfluss systemischer Erkrankungen auf die Mechanismen des parodontalen Remodellings“. Hier wird ab dem Herbst 2026 ein Verbund von Wissenschaftlern aus der RWTH Aachen, der TU Dresden, der Universität Jena und der Universität Maastricht zu der Frage forschen, wie sich systemische Erkrankungen, beispielsweise Erkrankungen von Leber und Niere oder Herz-Kreislauf-Leiden, auf die Gesundheit des Zahnhalteapparats auswirken – und umgekehrt.
Sprecher des Sonderforschungsbereiches ist der Kieferorthopäde Prof. Dr. med. dent. Michael Wolf von der Klinik für Kieferorthopädie an der Uniklinik RWTH Aachen. Co-Sprecher ist Prof. Dr. rer. nat. Joachim Jankowski, Direktor des Instituts für Molekulare Herz-Kreislauf-Forschung (IMCAR) an der Uniklinik RWTH Aachen.
Systemische Erkrankungen stören parodontales Remodelling
Bisherige Forschungsergebnisse legen nahe, dass Knochenrückgang in der Mundhöhle nicht allein auf mangelnde Hygiene, Traumata oder übermäßige Kräfte im Kauapparat zurückzuführen ist, sondern wesentlich durch systemische Erkrankungen beeinflusst wird. Ein funktionierendes Remodelling des Zahnhalteapparats ist zentral für die Mundgesundheit.
Es stabilisiert die Zähne, ermöglicht zahnärztliche Behandlungen und schützt vor dem Abbau von Gewebe und Knochen. Wird dieser Prozess gestört, kann es zu Zahnverlust und einer fortschreitenden Schädigung des Alveolarknochens kommen. Solche Störungen werden nicht nur durch lokale Faktoren wie bakterielle Belastung oder mechanische Überbeanspruchung ausgelöst, sondern auch wesentlich durch systemische Erkrankungen beeinflusst.
„Die bisherigen Therapieansätze berücksichtigen diese komplexen Zusammenhänge noch nicht ausreichend“, erklärt der SFB-Sprecher Wolf. „Unser Ziel ist es, die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen und neue Behandlungsstrategien zu entwickeln.“ Co-Sprecher Jankowski fügt hinzu: „Parodontale Erkrankungen sind nicht nur ein lokales Problem im Mund. Systemische Erkrankungen greifen direkt in die parodontale Geweberegulation ein. Wenn wir diese Zusammenhänge verstehen, können wir Therapien gezielter und wirksamer machen.“







