Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin

DGKiZ: Fluoridempfehlungen enthalten „Sicherheitsspielraum“

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Zahnmedizin
Die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ) hat in einem Statement zur Sicherheit fluoridhaltiger Kinderzahnpasten klargestellt: Es besteht kein Risiko der Überdosierung und damit kein erhöhtes Fluoroserisiko.

Seitdem die Empfehlungen für den Fluoridgehalt von Kinderzahnpasten auf 1.000 ppm Fluorid angehoben wurden, gibt es immer wieder Fragen, ob sich dadurch das Fluoroserisiko erhöht – insbesondere wenn Eltern von Kleinkindern abweichend von den gängigen Empfehlungen (Reiskorngröße) die Menge der verwendeten Zahnpasta tendenziell überdosieren. Die DGKiZ hat nun in einer Stellungnahme klargestellt, dass die aus der Praxis bereits lange bekannten Möglichkeiten der Überdosierungen durch die Eltern bereits in den Fluoridempfehlungen berücksichtigt werden: „Die Empfehlungen zu den Fluoridkonzentrationen und Zahnpastamengen enthalten einen Sicherheitsspielraum, innerhalb dessen auch bei (nicht erwünschter) Verwendung von größeren Mengen an Kinderzahnpasta der Grenzwert nicht überschritten wird.“

Hier das Statement im Wortlaut:

"Statement der DGKiZ zur Sicherheit fluoridhaltiger Kinderzahnpasten  

Für Kleinkinder im Alter von unter 24 Monaten wird zum Zähneputzen die Verwendung von Kinderzahnpasten mit 1.000 ppm Fluorid in einer reiskorngroßen Menge empfohlen. Für Kinder von 24 Monaten bis zu unter 6 Jahren soll die Menge der Zahnpasta der Größe einer Erbse entsprechen und ebenfalls 1.000 ppm Fluorid enthalten. Mit Bezug auf neuere Publikationen, welche die Sicherheit der entsprechenden Anwendung fluoridhaltiger Kinderzahnpasten berühren, stellt die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ) fest:

  • Die Empfehlungen wurden sorgfältig erarbeitet und sind erforderlich, um die Karieslast bei Kleinkindern mithilfe von Fluorid effektiv zu reduzieren.

  • Die Empfehlungen unterschreiten international akzeptierte Grenzwerte der systemischen Fluoridaufnahme deutlich, so dass bei Einhaltung der empfohlenen Zahnpastamengen das Fluoroserisiko nicht ansteigt.

  • Die Empfehlungen zu den Fluoridkonzentrationen und Zahnpastamengen enthalten einen Sicherheitsspielraum, innerhalb dessen auch bei (nicht erwünschter) Verwendung von größeren Mengen an Kinderzahnpasta der Grenzwert nicht überschritten wird.

  • Die Empfehlungen berücksichtigen auch ein weiteres Zähneputzen mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta in der Kita. Auch hierbei wird der Grenzwert für das Fluoroserisiko nicht überschritten.

  • Es ist eine Aufgabe des zahnärztlichen Teams, die Betreuungspersonen über die Verwendung fluoridhaltiger Kinderzahnpasta zu informieren und die praktische Umsetzung (zum Beispiel im Zuge der Leistungsinhalte der FU-Pr) anzuleiten.

  • Die Empfehlungen entsprechen internationalen Leitlinien und Empfehlungen (Europäische Akademie für Kinderzahnmedizin [EAPD], Internationale Vereinigung für Kinderzahnmedizin [IAPD], Weltgesundheitsorganisation [WHO]).

  • In Ländern mit bereits seit Längerem bestehenden Empfehlungen pro 1.000-ppm-Kinderzahnpasten wurde keine Zunahme von ästhetisch auffälligen Fluorosen beobachtet.

  • Es besteht kein Zusammenhang zu verringerten kognitiven Leistungen von Kleinkindern und Kindern durch Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta.

Fazit: Die 2021 veröffentlichten gemeinsamen Empfehlungen sind sicher. Dabei sollen die beschriebenen Zahnpasta-Volumina beachtet werden. Dieses Statement wird durch international publizierte Literatur gestützt.

Der DGKiZ- Vorstand"

Weitere Informationen finden Sie hier.

Hintergrund ist eine kürzlich im British Dental Journal veröffentlichte Studie* von Kurt Wolff, Bielefeld, und Forschenden der University of Toronto. Die Autoren legen dort dar, dass eine Überdosierung möglich sei und raten Eltern zu „fluoridfreien Alternativen“ für die Mundpflege ihrer Säuglinge und Kleinkinder. Der Arzneimittelhersteller Dr. Wolff steht immer wieder in der Kritik, weil er in Mitteilungen und Spots die Angst vor Fluorid schürt. Das Unternehmen setzt auf Zahnpasten ohne Fluorid, die karieshemmende Wirkung des von ihm eingesetzten Hydroxylapatit ist aber nicht bewiesen.

*Sudradjat, H., Meyer, F., Fandrich, P. et al. Doses of fluoride toothpaste for children up to 24 months. BDJ Open 10, 7 (2024). doi.org/10.1038/s41405-024-00187-7

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