Repräsentative Gallup-Umfrage

Emotionale Bindung zum Job sinkt auf Rekordtief

mg
Gesellschaft
Nur noch 13 Prozent der Arbeitnehmer erleben ein durch Führung positiv geprägtes Arbeitsumfeld, das in einer hohen emotionalen Bindung resultiert. Das zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung Gallup. So niedrig war der Wert zuletzt im Jahr 2010.

In den Pandemiejahren 2020 und 2021 hatte der Wert der Beschäftigten mit hoher emotionaler Bindung noch jeweils bei 17 Prozent gelegen, schreibt Gallup. Damit ist es jetzt vorbei: Laut der neuesten Auflage der jährlich durchgeführten Umfrage ist die Zahl der Arbeitnehmenden, die bereits innerlich gekündigt haben, von 14 Prozent (2021) auf 18 Prozent gestiegen und hat damit den höchsten Wert seit 2012 erreicht.

Als Konsequenz der niedrigen emotionalen Bindung und der für Beschäftigte guten Lage am Arbeitsmarkt nimmt auch die Bereitschaft zum Jobwechsel zu: 2018 beabsichtigten noch 78 Prozent der Befragten uneingeschränkt, in einem Jahr noch bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber zu sein – heute sind es nur noch 55 Prozent. Und mit 39 Prozent ist auch der Anteil derer, die in drei Jahren noch für ihren aktuellen Arbeitgeber tätig sein wollen, in den vergangenen fünf Jahren ebenfalls deutlich gesunken (2018: 65 Prozent).

Das liegt auch an der Arbeitsmarktsituation: Rund 81 Prozent der Beschäftigten schätzen ihre Aussichten, wohnortnah leicht einen neuen Job finden zu können, als „gut“ ein – verglichen mit den Werten der vergangenen 15 Jahre ein absoluter Rekord.

Eine emotionale Bindung sorgt für wenige Fehlzeiten

Die international tätige Unternehmensberatung will jedoch nicht nur schwarzmalen. Es gebe auch eine gute Nachricht: Unternehmen könnten mit ihrer Führungskultur für eine emotionalere Bindung der Beschäftigten sorgen und der Wechselbereitschaft aktiv gegensteuern.

Wem das gelingt, der darf sich über zahlreiche positive Folgeeffekte freuen: Von den hoch emotional Gebundenen wollen 86 Prozent in einem Jahr noch bei ihrer derzeitigen Firma sein (ohne Bindung: 20 Prozent) – und lediglich zwei Prozent von ihnen sind derzeit aktiv auf Jobsuche (ohne Bindung: 23 Prozent). Außerdem sorge eine hohe emotionale Bindung für weniger Fehlzeiten. Denn emotional verbundene Beschäftigte seien resilienter gegen Stress.

Laut Umfrage geben insgesamt 35 Prozent der Beschäftigten an, aufgrund ihres Jobs innerlich ausgebrannt zu sein, ein seit 2020 anhaltend hoher Wert. Doch eine hohe emotionale Bindung wirkt diesem Effekt entgegen. „Innerlich ausgebrannt fühlen sich besonders Beschäftigte, die keine emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber haben“, schreibt Gallup. „Von ihnen sind sechs von zehn (60 Prozent) dem Burn-out nah. Bei Arbeitnehmenden mit hoher emotionaler Bindung liegt dieser Wert nur bei 13 Prozent.“

Eine gute Führungskultur ist der Schlüssel

Am Ende steht eine Botschaft der Unternehmensberater an alle Führungskräfte, die sich im vergangenen Jahr wohl stärker um das Managen von Krisen gekümmert haben als um ihre Beschäftigten: „Die Daten deuten darauf hin, dass es bei Führungskräften erhebliches Potenzial gibt, Beschäftigte so zu führen, dass sie ihren Job besser machen können und motiviert zur Arbeit gehen.“ Laut Umfrage sehen fast vier von zehn Befragten (38 Prozent) bei ihrer direkten Führungskraft Nachholbedarf. Nur 34 Prozent fühlen sich von ihr ausreichend unterstützt, und ganze 14 Prozent „inspiriert“.

Mehr Einsatz lohne sich laut Gallup, da sich eine hohe Zufriedenheit mit der Führungskraft positiv auf die emotionale Bindung zum Unternehmen auswirkt „und damit entscheidend sowohl zur Steigerung der Leistung als auch zur Reduzierung der Wechselwilligkeit beiträgt".

Seit 2001 erstellt Gallup den „Engagement Index“ für Deutschland. Er basiert auf zwölf Fragen zum Arbeitsplatz und -umfeld. Die Umfrage misst, wie stark die Mitarbeitenden emotional an ihren Arbeitgeber gebunden sind und wie viel Engagement und Motivation sie bei der Arbeit zeigen. Für die aktuelle Studie wurden 1.500 zufällig ausgewählte Arbeitnehmende ab 18 Jahre in Deutschland per Telefon interviewt. Die Interviews fanden zwischen 14. November und 21. Dezember 2022 statt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Arbeitnehmerschaft in Deutschland.

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